Auktion: 415 / Klassische Moderne am 06.06.2014 in München Lot 318

 
318
August Macke
Frühlingslandschaft in Tegernsee, 1910.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 180.000
Ergebnis:
€ 219.600

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Frühlingslandschaft in Tegernsee. 1910.
Öl auf Leinwand.
Heiderich 222 (Abb. S. 365). 52 x 56,5 cm (20,4 x 22,2 in). [KD].

PROVENIENZ: Kunstsalon Abels, Köln (auf dem Keilrahmen mit dem Galerieaufkleber).
Weinmüller, Auktion 89, Katalog 97, München 18./19. März 1964, Nr. 1258 mit Abb. Tafel 207.
Privatsammlung Deutschland.
Privatsammlung Europa.

Am 3. Januar 1887 in Meschede geboren, wächst August Macke in Bonn und Köln auf. Begeistert von der Malerei Böcklins beginnt er mit 17 Jahren sein Studium an der Kunstakademie und der Kunstgewerbeschule in Düsseldorf. Für das Schauspielhaus entwirft er in dieser Zeit Dekorationen und Kostüme. 1907 reist Macke nach Paris, wo er die Malerei der Impressionisten sieht, die ihn fasziniert und beeinflusst. Zurück im Kaiserreich geht er nach Berlin und besucht für kurze Zeit die Malschule von Lovis Corinth. Nachdem er 1908 für ein Jahr als Freiwilliger Militärdienst geleistet hat, heiratet der Künstler - nun in Bonn - Elisabeth Gerhardt. 1909 lernt er am Kochelsee Franz Marc kennen, mit dem ihn eine lebenslange Künstlerfreundschaft verbinden wird. Mit ihren farbintensiven und großzügigen, flächigen Formen zeigen August Mackes Arbeiten aus dieser Zeit deutlich den Einfluss der Malerei von Henri Matisse und Franz Marc.

Die wohl aus einem Fenster gesehene Sicht auf Bauernhäuser am Tegernsee mit dem Wallberg im Hintergrund hat August Macke in verschiedenen Gemälden festgehalten. Der schöne Gegensatz der lichtdurchfluteten Baumzweige zu den Bauernhäusern im Mittelgrund der Komposition ist von besonderem malerischen Reiz. August Macke hatte eine eigene Formenwelt entwickelt, die auf einer reichen Palette lichtdurchfluteter Farbenkraft beruht. Dem aufgelockerten Formgefüge der Häuser des Mittelgrundes setzt Macke die strenge Silhouette des Wallbergs entgegen. Mackes Landschaften sind von einer stillen Beschaulichkeit, die jedes expressiv erregte Formengut vermissen lässt. Die Nähe zur französischen Malerei der Zeit wird deutlich, wenn auch durch ein Temperament gesehen, das in seiner Grundeinstellung fest in der Tradition deutscher Malerei wurzelt.

1911 schließt sich Macke der Münchner Künstlergruppe "Der Blaue Reiter" an. Auf einer weiteren Parisreise mit Marc lernt er Robert Delaunay kennen, der ihn seinerseits später in Bonn in Begleitung von Guillaume Apollinaire besucht. Der Künstler setzt sich mit dessen orphistischer Malweise auseinander. Diese farbenfrohe Form des Kubismus beeindruckt ihn nachhaltig. Auch die Tunisreise mit Paul Klee und Louis René Moilliet 1914 trägt dazu bei, dass sich sein eigener Stil mit leuchtender, intensiver Farbigkeit und kristalliner Formgebung entwickelt. Am 26. September 1914 fällt Macke an der Westfront in Frankreich mit 27 Jahren. August Mackes Bildwelt ist unverkennbar. Ruhige Kompositionen, Szenen in der Natur, im Grünen oder auf Plätzen, von monumental aufgefassten, gesichtslosen Figuren bevölkert, zeigen seinen harmoniesuchenden Blick auf die beschauliche Welt des Bürgers - und das bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges.

318
August Macke
Frühlingslandschaft in Tegernsee, 1910.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 180.000
Ergebnis:
€ 219.600

(inkl. 22% Käuferaufgeld)