Auktion: 420 / Kunst nach 45 / Zeitgenössische Kunst am 06.12.2014 in München Lot 620

 

620
Max Weiler
Ohne Titel, 1996.
Eitempera
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 43.750

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Ohne Titel. 1996.
Eitempera über Bleistift auf Leinwand.
Rechts unten signiert und datiert. 60 x 64 cm (23,6 x 25,1 in). [JS].

Wir danken Frau Yvonne Weiler, Büro Max Weiler, Wien, für die freundliche Beratung.

PROVENIENZ: Galerie Weiz, Salzburg (1997, auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).
Privatsammlung Süddeuschland.

LITERATUR: Max Weiler. Arbeiten aus den Jahren 1995/96, Galerie Welz, Salzburg 9.1.-9.2.1997, Kat.-Nr. 2 (mit Farbabb.).

1910 in Tirol geboren, schließt Max Weiler seine Gymnasialausbildung 1929 mit der Matura an der Lehrerbildungsanstalt in Innsbruck ab. Von 1930 bis 1937 studiert Weiler bei Karl Sterrer an der Akademie der bildenden Künste in Wien, der den jungen Künstler mit den Werken der altchinesischen Landschaftsmalerei der Sung-Dynastie bekannt macht. Im Zweiten Weltkrieg steht Weiler im Dienst der Deutschen Wehrmacht als Gefreiter in Oberitalien und Jugoslawien, von wo er 1945 desertiert und nach Tirol zurückkehrt. Bald nach Kriegsende gewinnt er den Wettbewerb für die Freskierung der Theresienkirche in Innsbruck. 1951 findet Weilers erste Einzelausstellung im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum und in der Galerie Wührle in Wien statt. 1955 nimmt Weiler schließlich auf Empfehlung von Otto Benesch, dem damaligen Direktor der Albertina in Wien, an der III. Biennale von São Paulo, Brasilien, teil und präsentiert Österreich 1960 auch auf der XXX. Biennale von Venedig. Zahlreiche Preise, Ausstellungen und Veröffentlichungen zu seinem Werk, das sich ab den 1950er Jahren zunehmend der Abstraktion zuwendet und sich doch mit jedem Strich am Vorbild der Natur misst, folgen in den kommenden Jahren. Parallel lehrt Weiler bis 1981 auch als Professor an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Die Ausstellung "Kunst und Natur" wird 1986 im Salzburger Rupertinum (heute Museum der Moderne) und 1988 im Belvedere in Wien gezeigt. Im darauffolgenden Jahr folgt eine titelgleiche Ausstellung im Museo de Arte Moderno in Mexico-City, die noch im selben Jahr auch vom Stanford Museum Kalifornien, dem University of Iowa Museum of Art sowie dem Kunstmuseum Bern gezeigt wird. 1995 wird Max Weiler als zweiter Maler nach Oskar Kokoschka zum Ehrenmitglied der Akademie der bildenden Künste in Wien ernannt und die Ausstellung der Bilderserie "Wie eine Landschaft (1961-1967)" im Belevedere in Wien gezeigt.

Max Weiler, der zu den bekanntesten österreichischen Malern der Moderne zählt, hat sein künstlerisches Schaffen der Landschaft gewidmet. Während seine Arbeiten der 1920er und 1930er Jahre noch Bergwelten in differenzierter Malweise zeigen, verlieren sich die geschilderten Natur- und Landschaftseindrücke ab Ende der 1950er Jahre in zunehmender Abstraktion, ohne jedoch ihre gegenständlichen Bezüge gänzlich aufzugeben. Auch in unserem späten Gemälde, das der damals bereits 86-jährige Künstler in dynamischem Strich geschaffen hat, wird die Wahrnehmung des Betrachters - wenn auch nur noch in entfernter Weise - zwischen abstrakter Farbwirkung und Landschaftsassoziation in der Schwebe gehalten.

1998 folgt die erste Einzelausstellung eines lebenden europäischen Malers im NAMOC, dem chinesischen Nationalmuseum in Peking, dazu erscheint die Publikation "Max Weiler - Ein anderes Bild der Natur. Der Weg zum Spätwerk" von Wieland Schmied. Ein Jahr später wird Weiler, der bereits seit 1995 Ehrenmitglied der Akademie ist, an der Akademie der bildenden Künste Wien sowie am Künstlerhaus mit einer großen Retrospektive geehrt. Max Weiler stirbt 90-jährig am 29. Januar 2001 und wird in einem Ehrengrab der Stadt Wien auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt.




620
Max Weiler
Ohne Titel, 1996.
Eitempera
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 43.750

(inkl. 25% Käuferaufgeld)