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Auktion: 489 / Evening Sale am 07.06.2019 in München Lot 130

 
Objektbeschreibung
Kinder am Brunnen II. 1910.
Öl auf Leinwand.
Heiderich 250. Vriesen 195. Verso und auf dem Keilrahmen mit dem Nachlassstempel. Auf dem Keilrahmen handschriftlich bezeichnet "Kinder am Brunnen II 1910". 80,5 x 56,5 cm (31,6 x 22,2 in).

- Großformatige, farbintensive Arbeit mit Macke-typischer Figurenauffassung.
- Aus der wichtigen Schaffensphase der Tegernseer Zeit, ein Jahr nach der Begegung mit Franz Marc und ein Jahr vor der Gründung des ,,Blauen Reiters".
- Einzig verbleibende Variante des von Macke zwei Mal bearbeiteten Motivs, die andere Fassung wurde im Zweiten Welkrieg zerstört.
- Bedeutende Ausstellungshistorie
.
Mit einer Fotoexpertise von Dr. Wolfgang Macke vom 1. März 1971.

PROVENIENZ: Nachlass des Künstlers (1914bis mindestens 1961).
Galerie Aenne Abels, Köln, 20.2.1971.
Privatsammlung Süddeutschland.

AUSSTELLUNG: Gedächtnis-Ausstellung August Macke, Frankfurter Kunstverein, 1920, Kat.-Nr. 17.
Gedächtnis-Ausstellung August Macke, Neues Museum Wiesbaden, Nassauischer Kunstverein/Wiesbadener Gesellschaft für bildende Kunst, Wiesbaden 1920.
August Macke Gedächtnisausstellung des Museumsvereins, Suermondt-Museum, Aachen 1948, Kat.-Nr. 15.
August Macke Gedächtnisausstellung, Museum am Ostwall, Dortmund 1949, Kat.-Nr. 9.
August Macke, Städtisches Kunstmuseum, Duisburg 1949, Kat.-Nr. 9.
August Macke, Kunstverein Braunschweig 1954, Kat.-Nr. 25.
August Macke - Gedenkausstellung zum 70. Geburtstag, Westfälischer Kunstverein/Westfälische Wilhelms-Universität/Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster 1957, Kat.-Nr. 20.
Entartete Kunst, Haus der Kunst, München 1962, Kat.-Nr. 65.
Galerie Aenne Abels, o. J., Kat.-Nr. 25
August Macke und Freunde. Begegnungen in Bildwelten. Museum August Macke Haus, Bonn 3.12.2017-4.3.2018, Kat. mit Abb. S. 61.

LITERATUR: Elisabeth Erdmann-Macke. Erinnerungen an August Macke, 1987, S. 183.

Essay
Im Herbst 1909 weilt Macke gemeinsam mit seiner Ehefrau Elisabeth Gerhardt in Paris, als ihn die Einladung des Schiftstellers Wilhelm Schmidtbonn nach Tegernsee erreicht: “Also komm her! […] der Winter ist hier doch herrlicher als in Paris. Ewige Sonne, so warm, daß man den ganzen Tag auf dem Balkon sitzen kann, Sonnenuntergänge im See, Nachenfahren an Wäldern, Wiesen und Dörfern vorbei, Bauernhäuser, wie sie wohl nirgends wieder auf der Welt so schön sind, Buben und Maderln dieser prachtvollen Bevölkerung in den farbigsten abenteuerlichen Kleidern. Prachtvolle alte Männer, wie es in Paris keine gibt, und liebste kleine Mädchen von einer unbäuerischen Feinheit.” (Hederich 2008, S. 38). Macke entscheidet sich für Tegernsee, das er Ende Oktober 1909 mit seiner hochschwangeren Ehefrau erreicht. Hier zieht er in das alte Haus der Familie Staudacher mit einem idyllischen Obstgarten und Balkon für das Arbeiten im Freien. Die Zeit am Tegernsee markiert in Mackes Schaffen einen ersten Ruhepunkt, der gekennzeichnet ist durch eine breit angelegte Rezeption von Tradition und Avantgarde und der Entfaltung der eigenen schöpferischen Energie. Deutliches Zeugnis hiervon legt die hier angebotene Arbeit mit der Darstellung zweier Bauernkinder am Brunnen ab: Links steht wartend ein Mädchen mit blondem langen Zopf und Krug in der Hand, rechts ein ebenfalls blonder Junge, der am Brunnenrand sitzend sein Spieglbild auf der ruhigen Wasseroberfläche betrachtet. Bei den eher typenhaft erfassten Kindern handelt es sich laut den Erinnerungen von Mackes Frau um Sohn und Tochter des Brauburschen Meier, der in der herzoglichen Brauerei Tegernsee arbeitete und mit seiner Familie in unmittelbarer Nachbarschaft von Macke lebte. Jedoch geht es Macke nicht um ein individuelles Porträt der “Meier’schen Kinder”, sondern um deren prototypisches Potenzial zur Vermittlung eines ländlichen (Familien-)Idylls. Dabei zeugen die klare, fast schon stilllebenartige Anordnung der Flächen und die intensiven Farbvaleurs deutlich von den modernen Einflüssen der Fauvisten, insbesondere Henri Matisse, und des befreundeten Franz Marc, den Macke 1909 am Kochelsee kennengelernt hatte.
Das eher klassische Bildthema scheint Macke besonders zu reizen, wie eine weitere Variante der "Kinder am Brunnen" belegt (WVZ-Nr. 276, S. 384). Diese während eines Luftangriffs auf Berlin im Zweiten Weltkrieg zerstörte Fassung war 1912 Teil mehrerer Ausstellungen, u.a. des ,,Blauen Reiters" in der Galerie ,,Sturm", und wurde noch im selben Jahr durch den Sammler Bernhard Koehler angekauft, dessen Bekanntschaft Macke durch Franz Marc gemacht hatte. Gegenüber dieser in der inneren Figurenzeichnung und der Hintergrundgestaltung detaillierteren Version vermittelt die eher summarische Bildanlage und leuchtende Farbigkeit unserers Werks ein allgemeingültigeres Idyll moderner Prägung. In der mehrmaligen Bearbeitung des Bildthemas spiegelt sich wohl auch dessen persönliche Bedeutung für den Künstler, der unsere Arbeit - anders als die heute zerstörte Variante - bis zu seinem Tod in seinem Besitz behielt. [SM/FS]
130
August Macke
Kinder am Brunnen II, 1910.
Öl auf Leinwand
Nachverkaufspreis: € 160.000
+
 


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