Auktion: 446 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 24.05.2017 in München Lot 148

 
148
Franz von Lenbach
Porträt Helmut Graf von Moltke, 1886.
Öl auf Holz
Schätzung:
€ 4.000
Ergebnis:
€ 4.750

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Porträt Helmut Graf von Moltke. 1886.
Öl auf Holz, parkettiert.
Rechts oben signiert und datiert. 73 x 51 cm (28,7 x 20 in).
[CB].

Wir danken Frau Dr. Sonja von Baranow, München, für die wissenschaftliche Unterstützung.

PROVENIENZ: Galerie B. Koestler (Inh. E. Barkemeyer), München (verso mit dem Etikett)
Privatbesitz Süddeutschland.

Essay
Bereits um 1870 spezialisiert sich Lenbach auf das Porträtfach und wird schnell zum gefragten Porträtisten des Adels im neuen deutschen Reich nach der Staatsgründung 1871. Auch sein zweites Atelier in Rom, das er ab 1883 betreibt, ist Treffpunkt der italienischen Aristokratie, wo sich die römischen Damen porträtieren lassen. "[…] Moltke gehörte neben Kaiser Wilhelm I. und Bismarck zur Trias der großen Reichseiniger. Für die Bildnisse der drei Gründerzeitheroen bestand reges Interesse, das Lenbach vor allem im Falle Bismarcks und Moltkes mit zahlreichen Porträtvarianten befriedigte." (Franz von Lenbach 1836-1904, Ausst.-Kat. Lenbachhaus, München 1987, S. 298). "Helmuth Graf Moltke (1800-1891) war von 1858-88 Chef des Generalstabs der preußischen Armee. Seine strategischen Planungen trugen wesentlich zu den preußischen Siegen in den Kriegen gegen Österreich (1866) und gegen Frankreich (1870) bei. Der erfolgreiche Feldherr wurde 1870 in den Grafenstand erhoben, 1871 zum Generalfeldmarschall ernannt und 1872 Mitglied des preußischen Herrenhauses. Moltke pflegte einen leutseligen Umgang mit Künstlern und ließ sich oft und gern porträtieren. Lenbach wurde um 1873 mit ihm bekannt. [..] Der Maler besuchte Moltke häufig in Berlin und wurde mehrmals auf dessen Landsitz im schlesischen Creisgau eingeladen." (Ausst.-Kat. München 1987, S. 288). Während seiner Aufenthalte in Rom lernt Lenbach Moltkes Nichte Gräfin Magdalena von Moltke kennen, 1887 heiraten sie in Breslau.
Wie in dem vorliegenden Porträt von Moltke verwendet Lenbach in seinen Bildnissen bewusst eine dunkle, meist tiefbraune Palette, nur aufgehellt durch eine gezielte Lichtführung auf das Gesicht der dargestellten Personen hin. Damit verleiht er den Darstellungen eine Patina, wie sie Gemälde der alten Meister erst durch die Zeit erwerben, um so die Bedeutung der Dargestellten zu steigern. Lenbach entwickelt somit einen ganz eigenen charakteristischen Porträtstil, der ihn mit großem künstlerischen Können und Einfühlungsvermögen zum "Geschichtenschreiber seiner Zeit" werden lässt. Die große Anzahl der Moltke-Porträts, die Lenbach malte, basiert zum Teil auf einer umfangreichen Fotosammlung des Künstlers, in der allein vom Dargestellten an die 140 verschiedene Aufnahmen existierten.
148
Franz von Lenbach
Porträt Helmut Graf von Moltke, 1886.
Öl auf Holz
Schätzung:
€ 4.000
Ergebnis:
€ 4.750

(inkl. 25% Käuferaufgeld)