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Auktion: 468 / Klassische Moderne I am 09.06.2018 in München Lot 718

 
Objektbeschreibung
Stillleben mit Orchideen (Tanzende Traumwesen). Wohl um 1927/28.
Aquarell über Bleistift.
Links unten in der Darstellung signiert. Auf leichtem, chamoisfarbenem Velin. 42,7 x 28,5 cm (16,8 x 11,2 in) , blattgroß.

Dieses Werk ist im Ernst Ludwig Kirchner Archiv c/o Henze & Ketterer, Wichtrach/Bern, dokumentiert.

PROVENIENZ: Sammlung Graf Rüdiger von der Goltz, Düsseldorf (bis 23.3.1973, auf dem Unterlagekarton mit handschriftlicher Widmung).
Privatbesitz Rheinland (vom Vorgenannten 1973 als Geschenk erhalten; bis 2017 in Besitz der Erben).

AUSSTELLUNG: Ernst Ludwig Kirchner aus Privatbesitz. Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Grafik, Kunsthalle Bielefeld, Richard Kaselowsky-Haus, 14.9.-26.10.1969, Kat.-Nr. 123.

"Ich habe im Hausgarten Primeln und Stiefmütterchen gepflanzt. Leider nur mußte ich sie gleich zudecken, weil es wieder schneite, die Kartoffeln sind auch nun in der Erde. Ich habe wunderbare Enzian in einer Schale in Wasser gesetzt, nun blühen sie ganz herrlich blau. Draußen liegt Schnee."
Ernst Ludwig Kirchner, Brief an Erna aus Frauenkirch vom 24. Mai 1928, zit. nach: Lothar Grisebach, E. L. Kirchner. Davoser Tagebuch, Wichtrach /Bern 1997, S. 264.

Essay
Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges und die folgenden Jahre bedeuten einen Wendepunkt in Ernst Ludwig Kirchners Leben. Die Kriegsereignisse und der Militärdienst stürzen Kirchner in existenzielle Angst, führen letztlich zu Krankheit und langen Sanatoriumsaufenthalten. Um so bemerkenswerter ist seine künstlerische Produktion in dieser Zeit. Es entstehen Werke wie der Holzschnitt "Frauen am Potsdamer Platz", die "Bilder zu Chamissos Peter Schlemihl", die Selbstporträts und Holzschnittbildnisse aus den Sanatorien, die zu den Höhepunkten seines Œuvres zählen. 1917 lässt sich Kirchner in Frauenkirch bei Davos nieder. Und 1920 findet er schließlich, vorübergehend gesundheitlich stabilisiert, zu einer gemäßigteren, weniger aus der Linie als vielmehr aus ornamental zusammengefügten Farbflächen entwickelten Malweise, wie sie auch für das vorliegende, leuchtende Aquarell kennzeichnend ist. 1923 zieht Ernst Ludwig Kirchner in das "Haus auf dem Wildboden" am Eingang zum Sertigtal, das dem Künstler bis zu seinem Freitod im Jahr 1938 zum entscheidenden Rückzugsort und Schaffenszentrum wird. Das vorliegende, wohl auch in der Abgeschiedenheit der Schweizer Bergwelt entstandene Aquarell ist ein eindrucksvolles Zeugnis vom dortigen zurückgezogenen und erdverbundenen Leben Kirchners, in dem er die einfache Motivik seiner Umgebung künstlerisch neu entdeckt und - wie im vorliegenden Fall - in dynamischem Strich interpretiert. Wie tanzende Traumwesen treten uns die ekstatisch aus dem Wirklichkeitserlebnis entwickelten Formen der Orchideenblüten entgegen und entfalten eine für das Sujet des Stilllebens völlig untypische, flirrende Dynamik. Die vorliegende Arbeit zeugt jedoch nicht nur von Kirchners künstlerischem Experimentieren hin zu einer gesteigerten Abstraktion, sondern darüber hinaus wohl auch von Kirchners Krankheit und Morphiumsucht der letzten Lebensjahre, die sicher dazu beigetragen haben, dass sich auch seine Kunst zuweilen in ihrer extremen Farbigkeit und Formwahl mehr und mehr von der Realität entfernte. [JS]
718
Ernst Ludwig Kirchner
Stillleben mit Orchideen (Tanzende Traumwesen), Wohl um 1927/28.
Aquarell
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 37.500

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
 


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