Auktion: 520 / Evening Sale am 18.06.2021 in München Lot 358

 
358
Joseph Beuys
Minneapolis Fragment, 1974.
Mischtechnik. Bleistift, Hasenblut und F.I.U.-S...
Schätzpreis: € 100.000 - 150.000
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Objektbeschreibung
Minneapolis Fragment. 1974.
Mischtechnik. Bleistift, Hasenblut und F.I.U.-Stempel auf Metallplatte, hinter Glas in einen Stahlrahmen montiert.
Mittig signiert. 64,5 x 90 cm (25,3 x 35,4 in).

• Unikat.
• Eine von nur sechs Lithoplatten, die während einer Diskussion an der University of Minnesota im Januar 1974 entstanden.
• Bei der Veranstaltung 1974 von Joseph Beuys wie eine Tafel benutzt und später mit Hasenblut und Bleistift überzeichnet.
• Zeitzeugnis und materialisierte Quintessenz der Beuys'schen Gedankenwelt.
• Eine der weiteren fünf Lithoplatten der "Minneapolis Fragments" befindet sich in der Sammlung der Tate Modern in London
.

PROVENIENZ: Art School of Minneapolis, Minneapolis.
Hirschl & Adler Modern, New York.
Privatsammlung (seit November 1988, direkt vom Vorgenannten erworben).
Privatsammlung Europa.

AUSSTELLUNG: New York, Hirschl & Adler Modern, Joseph Beuys: Ideas and Actions, 1988, Kat.-Nr. 48, S. 76/77 mit Abb.
Joseph Beuys: Wo ist Element 3?, Ketterer Kunst, Berlin, 26.3.-22.5.2021.

LITERATUR: Klaus Staeck/Gerhard Steidl, Beuys in Amerika, 1987, Abb. o. S.
"Ich bin kein Theoretiker, sondern ich suche nach einer Wirklichkeit. Eigentlich meine ich, das, was ich mache, geht über die Theorie hinaus und ist ein Suchen einfach nach der wirklichen Gestalt der Dinge."
Joseph Beuys, 1969

Aufrufzeit: 18.06.2021 - ca. 18.58 h +/- 20 Min.

Essay
Auf Einladung des Galeristen Ronald Feldman und der Dayton’s Gallery reist Beuys zehn Tage durch die USA und erläutert in einer Vorlesungsreihe unter dem Titel "Energy Plan for the Western Man" an mehreren Orten und Institutionen in New York, Chicago und Minneapolis seine theoretischen Ansätze. Joseph Beuys diskutiert mit Kunststudenten, Kunstschaffenden sowie Gleichgesinnten über seinen Kunstbegriff und seine Vorstellung der sozialen Plastik. So auch am 18.1.1974 an der University of Minnesota in Minneapolis. Neben dem Begriff der “Sozialen Plastik” spielt auch der “Energy Plan” eine wichtige Rolle; die Bedeutung der Kunst als Mittel zur Evolution wird ebenso behandelt wie seine Ideen zur Rolle des Schul- und Bildungssystems.
Seine Gedanken hält Joseph Beuys bei solchen Diskussionsveranstaltungen auf Tafeln fest, die nicht nach dem Vortrag gelöscht werden, sondern unverändert weiter bestehen. Diese Methode der Fixierung des gesprochenen Wortes nutzt er auch in seiner Lehrtätigkeit an der Düsseldorfer Akademie. Im Gegensatz zum klassischen Tafelanschrieb eines Lehrers verweisen sie auf das Prinzip des Parallelprozesses der Kreation, verdeutlichen in der Zeichnung die Entwicklung des Gedankengeflechts und des daraus erwachsenden sozialen Prozesses. Damit können die Tafeln schon als Teile einer Plastik oder, wie Beuys es nennt, einer “sozialen Plastik” gesehen werden.
An der University of Minnesota, der letzten Station seiner Reise, werden die wichtigen Notizen anstatt auf einer Schiefertafel auf sechs metallenen Lithoplatten festgehalten. Diese im Januar 1974 bei der Veranstaltung an der Universität in Minneapolis beschriebenen Lithoplatten sind Zeitzeugnis und materialisierte Quintessenz der Beuys'schen Gedankenwelt. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wird davon die sechsteilige Lithografie-Folge der “Minneapolis-Fragmente” bei Schellmann & Klüser in München erscheinen (Schellmann 233-238). Nach dem Druck kennzeichnet Joseph Beuys unsere Minneapolis-Platte mit einem großen X über die gesamte Darstellung als “gestrichen”, so dass davon keine weiteren Drucke abgezogen werden können. Nach der Produktion der Auflage signiert Beuys das Werk und fügt Hasenblut und den Stempel der "Freien internationalen Universität" hinzu, zwei fest im Werk von Beuys verankerte Bedeutungsträger. Sie unterstreichen den im geschriebenen Wort auf der Tafel festgehaltenen Gedankengang nochmals durch die ihnen im Sinnkosmos von Joseph Beuys gegebenen wichtigen Funktionen.

Eine der weiteren fünf Lithoplatten befindet sich in der Sammlung der Tate Modern in London. [EH]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Joseph Beuys "Minneapolis Fragment"
Dieses Objekt wird differenzbesteuert, zuzüglich einer Einfuhrumsatzabgabe in Höhe von 7 % (Ersparnis von etwa 5 % im Vergleich zur Regelbesteuerung) oder regelbesteuert angeboten.

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Zuschläge über € 500.000: Teilbeträge bis einschließlich € 500.000 25%, Teilbeträge über € 500.000 20% Aufgeld, jeweils zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer

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