Auktion: 496 / Evening Sale am 07.12.2019 in München Lot 119001180

 
119001180
Fritz Winter
Aus der Mitte, 1969.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 30.000 - 40.000
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Objektbeschreibung
Aus der Mitte. 1969.
Öl auf Leinwand.
Nicht bei Lohberg. Unten rechts signiert und schwer leserlich datiert. Verso nochmals datiert sowie betitelt. 81 x 91,5 cm (31,8 x 36 in).

PROVENIENZ: Privatsammlung Norddeutschland.

Essay
Inspiriert von der amerikanischen Malerei, setzt sich Fritz Winter in den 1960er Jahren vorrangig mit dem Komplexität der Farbigkeit auseinander. Die Farbe wird zum ausschließlichen Gestaltträger des ganzheitlich begriffenen Bildes. Sie tritt mit einem Optimismus auf, den wir so aus den früheren Phasen nicht kennen. Trotz gesteigerter Farbigkeit bleibt der Grundtenor in „In der Mitte“ erhalten. In vielfältigen Abstufungen bezieht der Maler das für ihn typische Grau mit ein und nuanciert sehr feinfühlig die lokalen Farbwert. Das Spektrum reicht von warmen, zu kühlen und von hellen zu dunklen Farben mit differenzierten Farbqualitäten, die sich zwischen stumpf und leuchtend bewegen. Winter malt nicht deckend mit der Ölfarbe, sondern legt stattdessen mehrere Lasuren übereinander. So ergibt sich ein außergewöhnliches Farbenspiel, in dem die zu Grunde liegenden Farbtöne die darüber liegenden Farbfelder aus dem Hintergrund beeinflussen. In den 1960er Jahren experimentiert Fritz Winter mit dicht verwobenen Rechtecken und Farbabstufungen. Während seine Bildsprache zunächst von Leichtigkeit und Unschärfe geprägt ist, zeigt sich ab 1967 eine Verhärtung der einzelnen Farbflächen und Formen. Es findet sich eine klare Konturierung mit Hilfe von Schablonen und einem kantigen Umriss. Figur und Grund sind ohne Zwischenräume klar voneinander getrennt. Umso bemerkenswerter ist es, dass er in unser Arbeit aus dem Jahr 1969 zu seiner Formensprache der konturlosen Farbreihen zurückkehrt. Die Komposition ist bestimmt von den Akzenten der Vertikalen des Pinselstrichs und den Horizontalen der Reihung. Die Staffelung der Farbfelder, die unscharfen Ränder, fließende Übergänge und das optische Vor- und Zurückweichen heller und dunkler Partien erwecken den Eindruck potenzieller Bewegung und ständiger Veränderlichkeit. Die unterschiedlichen Elemente scheinen zu tanzen, zu atmen und zu vibrieren, öffnen sich in die Tiefe, wodurch so etwas wie ein meditativer Raum entsteht. [CE]
 


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