Auktion: 490 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 22.11.2019 in München Lot 8

 
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Carl Spitzweg
Blick ins Tal (Zwei Mädchen auf einer Alpe), Um 1860.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 50.000 - 70.000
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Objektbeschreibung
Blick ins Tal (Zwei Mädchen auf einer Alpe). Um 1860.
Öl auf Leinwand.
Roennefahrt 371. Wichmann 1457. Rechts unten mit dem Rhombus. 32 x 53,7 cm (12,5 x 21,1 in).

PROVENIENZ: Wohl Verkaufsverzeichnis Nr. 222 (1867 in Paris an den Kunstagenten Martin Schwab für 500 Franc verkauft).
Sammlung Karl (Carlos) Fürst von Auersperg.
Sammlung Victor Louis Fürst Rohan (vom Vorgenannten durch Erbschaft erhalten).
Fleischmann, Auktion "Aus dem Besitz der Fürsten Rohan"', München, 9.9.1893, Los-Nr. 49 (hier betitelt "Auf der Alm").
Privatsammlung Berlin (spätestens seit den 1960er Jahren).

AUSSTELLUNG: Spitzweg-Ausstellung, Rudolfinum, Prag 1887, Nr. 100 (aus dem Besitz des Fürsten Carlos von Auersperg).
Berliner Sammler-Tradition, Ausstellung des Bezirksamtes Tiergarten, Berlin 15.-30.7.1950, Kat.-Nr. 258 (aus Berliner Privatbesitz).

LITERATUR: Siegfried Wichmann, Carl Spitzweg. Kunst, Kosten und Konflikte, Frankfurt/Berlin 1991, S. 332, Nr. 222.

Aufrufzeit: 22.11.2019 - ca. 17.07 h +/- 20 Min.

Essay
Carl Spitzwegs außergewöhnliche Charaktere sind weltbekannt, sie illustrieren die Erzählungen fataler Situationen von allzu Menschlichem aus dem Alltag, die Schilderung von Gefühlszuständen in skurrilen wie tragischen Lebenssituationen. Spitzweg schöpft dabei aus seinem ausgesprochen großen Bildungs- und Erfahrungsschatz, er ist belesen und viel gereist. Besonders in den Seengebieten Oberbayerns ist er viel unterwegs. In seinen Gemälden erzählt er von Begegnungen im Chiemgau mit den Anhöhen der Voralpenlandschaft, von Aufenthalten in Südtirol, Italien und der Schweiz. Er besteigt die Berge und genießt die Aussicht, etwa vom "ungeheuren" Watzmann in Berchtesgaden im Jahr 1836. Auch reist Spitzweg in der Mitte des Jahrhunderts nach Paris und kommt dort mit den jüngsten Errungenschaften der Barbizon-Maler in Berührung. Er erfährt viel über die Freilichtmalerei, die sogenannte Pleinairmalerei und die "Paysage intime", bei der ein Stück vertrauter Natur unter freiem Himmel bei natürlichen Lichtverhältnissen und naturgegebener Farbigkeit dargestellt ist. In der Folge wählt Spitzweg neben den hochformatigen Gassen und Häusern immer häufiger in breitem, panoramaartigen Querformat die Aussicht in die freie Natur. Er bedient nicht mehr nur das für ihn so berühmte Genre, sondern versteht sich auch als großartiger Beobachter von Landschaften, in die er den Menschen in kleiner Staffage – wie hier die zwei jungen Mädchen mit einer Katze im Gefolge – als Zeugen und Bewunderer einmaliger Blicke einbezieht. Es sind diese einzigartigen Gebirgslandschaften mit dem "Blick ins Tal" wie hier, die der Künstler selbst erwandert hat. Er hält sie in zahlreichen Skizzen, kleinen Ölstudien mit erzählerischem Beiwerk fest, um dann im Atelier die große Weite der Landschaft zu erinnern. Spitzweg erzählt von den mühevollen Aufstiegen durch enge Schluchten, über Lichtungen und genießt mit den beiden Dirndln den Blick ins Tal vom Plateau der Alm unter dem Gipfel des Herzogstands. Dem Betrachter und den beiden Mädchen eröffnet sich die weite Ebene in Richtung Landsberg am Lech und über den dazwischen im Dunst liegenden Ammersee und Starnberger See. Man spürt Spitzwegs Begeisterung am romantischen Fernblick und seinen Respekt vor der naturgegebenen Nuancierung. Die Brechung des Lichts in ihrem sanften Wechsel passt er meisterhaft an, ausgehend von dem stimmungsvoll detailliert erzählten Vordergrund der Alm über die dunstige, ausgedehnte Landschaft bis zum Horizont und darüber schließlich dem weiten wolkenlosen Himmel. [MvL]
 


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