Auktion: 496 / Evening Sale am 06.12.2019 in München Lot 169

 
169
Günther Uecker
Weisses Feld, 1994.
Schätzung:
€ 500.000
Ergebnis:
€ 1.687.500

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Weisses Feld. 1994.
Nägel, weiße Farbe über Leinwand auf Holz.
Verso signiert, datiert und betitelt "Weisses Feld" sowie mit Richtungspfeil. 150 x 150 x 17 cm (59 x 59 x 6,6 in).

• Seltenes großformatiges Kraftfeld von malerischer Wirkung.
• Besonders dichte, hochdynamische Nagelung.
• Seit Entstehung Teil einer Berliner Privatsammlung und nun erstmals wieder öffentlich zu sehen
.
Dieses Werk ist im Uecker Archiv unter der Nummer GU.94.038 registriert und wird vorgemerkt für die Aufnahme in das entstehende Uecker-Werkverzeichnis.

PROVENIENZ: Privatsammlung Berlin (1994 über die Galerie Walter Storms, München, erworben).

"Wer ihm [Uecker], wie ich, einmal bei der Arbeit zuschauen durfte, gewann den Eindruck, dass er die Nägel fast blind und blitzschnell in einer einzigen und durchgehenden Aktion in das Feld setzte, das er erst nach Abschluss der Aktion als Ganzes zu Gesicht bekam oder dann, wenn seine Erschöpfung es erzwang. [..] In der Spontaneität der meisten seiner großen Nagelfelder könnte man auch eine Fortsetzung des Action Painting - nur mit anderen Mitteln - sehen, obwohl man bei Uecker das Bild nicht aus der Aktion, sondern die Aktion aus dem Bild erklären muss."
Dieter Honisch, in: Günther Uecker. Zwanzig Kapitel, S. 60.

Essay
Unsere großformatige, hochdynamische Arbeit "Weisses Feld" aus dem Jahr 1994 steht exemplarisch für Ueckers Nagelbilder, die den anhaltenden internationalen Ruhm des "ZERO"-Künstlers begründen. Bereits kurz nach ihrer Entstehung befindet sie sich im Besitz eines Berliner Sammlers und ist damit erfreulicherweise nun erstmals wieder öffentlich zu sehen. Seit den 1960er Jahren setzt sich Uecker, der den Nagel zu seinem unverwechselbaren künstlerischen Ausdrucksmittel erklärt und ihm erstmals eine geistig-poetische Dimension verliehen hat, immer wieder mit dem von ihm erfundenen Sujet des Nagelfeldes auseinander und breitet anfänglich noch in kleinem, dann auch in zunehmend größerem Format ein dichtes Nagelgefüge in wirbelartiger Bewegung über die Leinwand aus. Seit den 1980er Jahren verwendet Uecker auch größere Nägel, die er noch kraftvoller auf den Bildträger setzt und die nun zunehmend in weniger strenger Gliederung, sondern in stärker ausgreifenden Bewegungen die Bildfläche strukturieren. Auch lässt er die wogenden Nagelhälse nun zunehmend ungefasst in ihrer dunklen Oberfläche stehen und bezieht auf diese Weise von vorneherein einen stärkeren Hell-Dunkel-Kontrast in seine Kompositionen mit ein, der durch die Licht-Schatten-Wirkung noch verstärkt und verlebendigt wird. In Ueckers Arbeiten der 1980er und 1990er Jahre tritt die Wucht und Härte ihres Entstehungsprozesses unmittelbarer als in den formal reduzierten Arbeiten der 1960er Jahre zutage. Muss sich der einzelne Nagel im Frühwerk in seiner genauen Ausrichtung noch stärker in die strenge Gesamtchoreografie der Nagelhälse einfügen, so erscheint er nun zunehmend emanzipierter, geht deutliche Gegenbewegungen und spannungsreiche Konfrontationen ein. Ueckers einzigartige künstlerische Schöpfungen, deren formale Zurückhaltung und monochrome Strenge ab den 1980er Jahren zunehmend aufgebrochen wird, rufen Erinnerungen an Landschaftseindrücke wach. Während Ueckers Nagelfelder der 1960er Jahre lediglich sanft vom Wind bewegten Kornfeldern gleichen, erinnern seine späteren Arbeiten - wie auch unser beeindruckendes "Weisses Feld" - an vom Sturm gezeichnete Getreide- oder Dünenlandschaften, - Natureindrücke wie sie für Ueckers Kindheit auf der Halbinsel Wustrow prägend waren.
Bereits im Dezember 2014 konnte unser Haus die gleichformatige Arbeit "Weißer Wind" aus dem Jahr 1992, die fast wie ein Pendant zur vorliegenden Arbeit wirkt, erfolgreich versteigern. Und so freuen wir uns, nun mit "Weisses Feld" ein weiteres marktfrisches Hauptwerk aus dieser eindrucksvollen Schaffensphase anbieten zu können.
Günther Ueckers Schaffen wird unter anderem 2005 mit einer großen Einzelausstellung im Martin-Gropius-Bau und der Neuen Nationalgalerie in Berlin geehrt. 2015 folgt eine umfangreiche Überblicksschau im K20 - Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Seine Werke befinden sich heute in einer Vielzahl bedeutender öffentlicher und privater Sammlungen, etwa dem Folkwang Museum Essen, dem Museum Frieder Burda, Baden-Baden, sowie der Neuen Nationalgalerie und dem Hamburger Bahnhof, Museum für Gegenwartskunst, in Berlin. Uecker, der zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstlern zählt, gilt dank seines unverwechselbaren Œuvres darüber hinaus als ein Phänomen des Kunstmarktes. Seine Preise steigen stetig und seine großformatigen Nagelbilder konnten in den vergangenen Jahren regelmäßig Rekorderlöse verzeichnen. So auch ein großformatiges Nagelrelief aus dem Jahr 1997, das im März 2017 in London für 2,5 Millionen Euro zugeschlagen wurde und damit den aktuellen Spitzenpreis des Künstlers hält. [JS]
169
Günther Uecker
Weisses Feld, 1994.
Schätzung:
€ 500.000
Ergebnis:
€ 1.687.500

(inkl. 25% Käuferaufgeld)