Auktion: 496 / Evening Sale am 06.12.2019 in München Lot 124

 
124
Jeanne Mammen
Vor der Theaterkasse, Um 1932.
Tuschfederzeichnung
Schätzung:
€ 25.000
Ergebnis:
€ 47.500

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Vor der Theaterkasse. Um 1932.
Tuschfederzeichnung und Aquarell über Bleistift.
Döpping/Klünner A 429. Rechts oben signiert. Auf Velin 38,8 x 34,3 cm (15,2 x 13,5 in), blattgroß.

• Aus dem wichtigsten Werkkomplex der Jahre 1928-33, dem Höhepunkt ihres Schaffens.
• Fein erfasste und sehr komplex ausgearbeitete Straßenszene.
• Herrliches Zeugnis der Berliner Gesellschaft zu Beginn der 30er Jahre
.

PROVENIENZ: Privatsammlung Hamburg.
Privatsammlung Norddeutschland.

LITERATUR: Simplicissimus, Heft 32, 37. Jg., November 1932, Farbabb. S. 466 (bez. "Ersatz").
"Nee, weeßte, Mieze, wenn wa unseren Tarif nich bald den Kinopreisen anpassen, denn wird det bessere Herrenpublikum allmählich von der Liebe janz zur Kunst abwandern!" (Simplicissimus 32, Nov. 1932, S. 381, Bildunterschrift zu unserem Blatt)

Essay
Besonders diese Zeichnungen und Aquarelle aus dem Berlin in der Zeit der Weimarer Republik stehen bis heute für das künstlerische Renommee Jeanne Mammens. Ab der Mitte der 1920er Jahre kann sie diese Gesellschaftsstudien an Illustrierte und Zeitschriften verkaufen. Zunächst sind es vor allem Frauenzeitschriften mit dem Schwerpunkt Mode, doch schon bald hat sich Jeanne Mammen einen Namen gemacht und arbeitet neben Künstlern wie George Grosz und Rudolf Schlichter für die gesellschaftskritischen Zeitschriften der liberalen bürgerlichen Intelligenz. Dabei steht oft die Frau im Mittelpunkt, in allen Schichten und über alle Klassenschranken hinweg. Sie legt mit kritischem Blick in ihren Zeichnungen menschliche Schwächen bloß, oft durchaus verständnisvoll, wenn auch nicht immer wohlwollend.
Unser Blatt gehört zu diesem wichtigen Werkkomplex der Jahre 1928 bis 1933, der zum Höhepunkt ihres Schaffens zählt und ihr künstlerisches Renommee nachhaltig prägt. Die Leute stehen an, um bei einer Uraufführung eines Films dem Alltag zu entfliehen. So auch die beiden "leichten Mädchen", hier wohl eher privat unterwegs, welche die stets steigenden Preise auch für ihr Metier kommentieren. Kurt Tucholsky hat schon 1929 geschrieben: "Die zarten suftigen Aquarelle, die Sie in Magazinen und Witzblätter veröffentlichen, überragen das undisziplinierte Geschmier der meisten Ihrer Zunftkollegen derart, dass man Ihnen eine kleine Liebeserklärung schuldig ist." (zit. nach: Klara Drenker-Nagels, Die Zwanziger und frühen Dreißiger Jahre, in: J. Merkert, Jeanne Mammen, Köln 1997, S. 43). [EH]
124
Jeanne Mammen
Vor der Theaterkasse, Um 1932.
Tuschfederzeichnung
Schätzung:
€ 25.000
Ergebnis:
€ 47.500

(inkl. 25% Käuferaufgeld)