Auktion: 500 / Evening Sale am 17.07.2020 in München Lot 119002869

 
119002869
Günther Uecker
Feld, 1997.
Schätzpreis: € 300.000 - 400.000
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Objektbeschreibung
Feld. 1997.
Nägel und weiße Farbe, auf Leinwand auf Holz.
Verso signiert, datiert, betitelt und mit Richtungspfeil sowie gewidmet. 105 x 75 x 15 cm (41,3 x 29,5 x 5,9 in).
Mit einer gezeichneten Hängeanweisung von Günther Uecker, Bleistift auf Papier, signiert, 43 x 23 cm, Blattgröße. [SM].
• Aus Ueckers berühmter zentraler Werkgruppe der "Nagelfelder"
• Großformatiges Kraftfeld von expressiver Wirkung
• Besonders dichte, hochdynamische Nagelung
• Marktfrische Arbeit aus einer großen deutschen Privatsammlung
.

PROVENIENZ: Privatsammlung Hessen (direkt vom Künstler).

"Wer ihm [Uecker], wie ich, einmal bei der Arbeit zuschauen durfte, gewann den Eindruck, dass er die Nägel fast blind und blitzschnell in einer einzigen und durchgehenden Aktion in das Feld setzte, das er erst nach Abschluss der Aktion als Ganzes zu Gesicht bekam oder dann, wenn seine Erschöpfung es erzwang. [..] In der Spontaneität der meisten seiner großen Nagelfelder könnte man auch eine Fortsetzung des Action Painting - nur mit anderen Mitteln - sehen, obwohl man bei Uecker das Bild nicht aus der Aktion, sondern die Aktion aus dem Bild erklären muss."
Dieter Honisch, in: Günther Uecker. Zwanzig Kapitel, 2005, S. 60.

Essay
Unsere großformatige, kraftvolle Arbeit "Feld" aus dem Jahr 1997 gehört zu Ueckers berümtester und begehrtester Werkgruppe der "Felder", die sich an Ueckers frühere, streng lineare "Raster" und "Strukturen" anschließen. Die "Felder" werden zum zentralen, unermüdlich variierten und weiterentwickelten Werkkomplex des international gefeierten "ZERO"-Künstlers. Uecker hat ganz im Sinne der "ZERO"-Bewegung die Kunst mit seinen Nagelbildern neu erfunden, sie von der bis dahin prägenden Bedeutung des malerischen Duktus als künstlerischer Handschrift befreit. Seit den 1960er Jahren setzt sich Uecker, der den Nagel zu seinem unverwechselbaren künstlerischen Ausdrucksmittel erklärt und ihm erstmals eine geistig-poetische Dimension verliehen hat, immer wieder mit dem von ihm erfundenen Sujet des Nagelfeldes auseinander und breitet anfänglich noch in kleinem, dann auch in zunehmend größerem Format ein dichtes Nagelgefüge in wirbelartiger Bewegung über die Leinwand aus. Seit den 1980er Jahren verwendet Uecker größere Nägel, mit langen Nagelhälsen, die er noch kraftvoller auf den Bildträger setzt und die nun zunehmend in weniger strenger Gliederung, sondern in stärker ausgreifenden Bewegungen die Bildfläche strukturieren. Auch lässt er die wogenden Nagelhälse nun teils ungefasst in ihrer dunklen Oberfläche stehen und bezieht auf diese Weise einen stärkeren Hell-Dunkel-Kontrast in seine Kompositionen mit ein, der durch die Licht-Schatten-Wirkung noch verstärkt und verlebendigt wird. In Ueckers Arbeiten der 1980er und 1990er Jahre tritt die Wucht und Härte ihres Entstehungsprozesses unmittelbarer als in den formal reduzierten Arbeiten der 1960er Jahre zutage. Muss sich der einzelne Nagel im Frühwerk in seiner genauen Ausrichtung noch stärker in die strenge Gesamtchoreografie der Nagelhälse einfügen, so erscheint er nun zunehmend emanzipiert, geht deutliche Gegenbewegungen und spannungsreiche Konfrontationen ein. Ueckers einzigartige künstlerische Schöpfungen, deren formale Zurückhaltung und monochrome Strenge ab den 1980er Jahren zunehmend aufgebrochen wird, rufen Erinnerungen an Landschaftseindrücke wach. Während Ueckers Nagelfelder der 1960er Jahre lediglich sanft vom Wind bewegten Kornfeldern gleichen, erinnern seine späteren "Felder" an vom Sturm gezeichnete Getreide- oder Dünenlandschaften, und damit an kraftvoll beeindruckende Natureindrücke, wie sie für Ueckers Kindheit auf der Halbinsel Wustrow prägend waren. Erst im Dezember 2019 hat mit "Weisses Feld" ein großformatiges Spitzenwerk der 1990er Jahre in unserem Evenig Sale für 1,6 Millionen Euro den Besitzer gewechselt. Und so freuen wir uns, nun mit "Feld" eine weitere marktfrische Arbeit aus dieser eindrucksvollen Schaffensphase anbieten zu können.
Günther Ueckers Schaffen wird unter anderem 2005 mit einer großen Einzelausstellung im Martin-Gropius-Bau und in der Neuen Nationalgalerie in Berlin geehrt. 2015 folgt eine umfangreiche Überblicksschau im K20 - Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Seine Werke befinden sich heute in einer Vielzahl bedeutender öffentlicher und privater Sammlungen, etwa dem Folkwang Museum, Essen, dem Museum Frieder Burda, Baden-Baden, sowie der Neuen Nationalgalerie und dem Hamburger Bahnhof, Museum für Gegenwartskunst, Berlin. Uecker, der zu den bedeutendsten deutschen Künstlern zählt, gilt dank seines unverwechselbaren Œuvres darüber hinaus als ein Phänomen des Kunstmarktes. Seine Preise steigen stetig und seine großformatigen Nagelbilder konnten in den vergangenen Jahren regelmäßig Rekorderlöse verzeichnen. So auch ein großformatiges Nagelbild aus dem Jahr 1997, das im März 2017 in London für 2,5 Millionen Euro zugeschlagen wurde und damit den aktuellen Spitzenpreis des Künstlers hält. [JS]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Günther Uecker "Feld"
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Berechnung bei Differenzbesteuerung:
Zuschlag bis einschließlich € 500.000: 32 % Aufgeld
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Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

Berechnung bei Regelbesteuerung:
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Zuschläge über € 500.000: Teilbeträge bis einschließlich € 500.000 25%, Teilbeträge über € 500.000 20% Aufgeld, jeweils zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer

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Berechnung bei Folgerechtsabgabe:
Bei Objekten, deren Künstler nicht bereits vor mindestens 70 Jahren verstorben ist, fällt eine Folgerechtsumlage i.H. von 1,5% zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer an.