Auktion: 498 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 28.05.2020 in München Lot 120000075

 
120000075
Ferdinand Leeke
Waldnymphe und Hirte, 1905.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 3.000 - 4.000
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Objektbeschreibung
Waldnymphe und Hirte. 1905.
Öl auf Leinwand.
Rechts unten signiert und datiert sowie ortsbezeichnet "Meran". Verso handschriftlich nummeriert und bezeichnet. 133 x 90 cm (52,3 x 35,4 in).

PROVENIENZ: Sotheby’s Amsterdam, Auktion 14.4.1992, Los 134 (m. Abb.).
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen.

Essay
Ferdinand Leeke studiert an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Ludwig von Herterich und Alexander von Liezen-Mayer, einem Schüler von Carl Theodor von Piloty. Sein Frühwerk zeigt sich daher deutlich von der theatralischen Inszenierung der Historienmalerei der Piloty-Schule beeinflusst. 1889-1898 malt er im Auftrag Siegfried Wagners, dem Sohn des Komponisten, zehn Gemälde zu den Opern Richard Wagners, und liefert Illustrationen zu den „Deutschen Heldensagen“ von Richard Weitbrecht. Um 1900 wendet sich Leeke dann zunehmend der Münchener Secession zu, Einflüsse Franz von Stucks sowie auch Arnold Böcklins sind in der Darstellung von Nixen, Nymphen und Faunen in Anlehnung an die griechische Mythologie zu spüren. Die hier gezeigte träumerische Szene findet jedoch nicht unter italienischen Zypressen, sondern am Rande schneebedeckter Berge einer Voralpenlandschaft statt. Die blonde Nymphe kommt als Waldgeist der germanischen Sagenwelt aus ihrem Baumversteck hervor, um der Melodie des Ziegenhirten zu lauschen. Gleichzeitig spielt Leeke allerdings auch auf die der antiken Mythologie entnommene Geschichte von Pan und Syrinx an: Diese Nymphe entzieht sich der erotischen Verfolgung Pans durch die Verwandlung in ein Schilfrohr, aus dem sich Pan anschließend eine Flöte schnitzt. Die Flöte als Symbol der Verführung und der Liebesallegorik lässt wiederum an das deutsche Sagenmotiv des Venusbergs und seiner Verwendung in der romantischen Dichtung bei Ludwig Tieck oder Clemens Brentano denken, vor allem aber an den Beginn von Richard Wagners Oper „Tannhäuser“. Frau Venus, geflüchtet vor dem Christentum Roms, hat sich in einen zauberhaften Berg im Norden zurückgezogen und lebt dort mit ihren Nymphen. Die Verbindung von Musik und Malerei ist dabei charakteristisch für die künstlerische Strömung des Wagnerismus in ganz Europa, die sich ab den 1870er Jahren als Reaktion auf die allgemeine Wagner-Begeisterung bemerkbar macht. Bedeutendster Vertreter in Frankreich ist Henri Fantin-Latour, dessen Gemälde und Illustrationen Leeke bekannt gewesen sein dürften. In weichem, sfumato-artigem Farbauftrag inszeniert er nicht nur die Figuren aus Wagners Opern, sondern auch die hier präsentierte lyrische Szenerie zwischen Traum und Realität. [KT]
 


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