Auktion: 503 / Kunst nach 1945 / Zeitgenössische Kunst II am 17.07.2020 in München Lot 154

 
154
Shaobin Yang
Ohne Titel (Fidel Castro), 2006-2012.
Öl auf Leinwand, 4-teilig
Schätzpreis: € 20.000 - 30.000
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Objektbeschreibung
Ohne Titel (Fidel Castro). 2006-2012.
Öl auf Leinwand, 4-teilig.
Jeweils verso auf der Leinwand signiert und datiert sowie fortlaufend beschriftet "No: 1" bis "No: 4". Je 74 x 94 cm (29,1 x 37 in).

PROVENIENZ: Privatsammlung Berlin.

AUSSTELLUNG: Yang Shaobin. The Dramas of Violence. Works from 1993-2007, CP Foundation, Jakarta, 9.-18.3.2007, S. 54-57 (mit Farbabb.).
Yang Shaobin. First Steps, Last Words, Museu de Arte de São Paulo Assis Chateaubriand, 13.8.-18.10.2009, S.42-43 (mit Farbabb.).
Yang Shaobin - ".. Since 1999", Galerie Alexander Ochs, Berlin, 21.9.-9.11.2013 (dort Gemälde No: 2 ausgestellt).

LITERATUR: Kunsthaus Lempertz Köln, 1111. Auktion, Zeitgenössische Kunst I, 2.6.2018, Lot-Nr. 645 (mit Farbabb.).

Aufrufzeit: 17.07.2020 - ca. 15.33 h +/- 20 Min.

Essay
Wir schreiben das Jahr 1999. Harald Szeemann zeigt zur 48. Biennale von Venedig ein erstes Bild des chinesischen Künstlers Yang Shaobin, ein in blutroter Farbe gemaltes Porträt, im Dialog mit einer Arbeit Sigmar Polkes. Damit sind die künstlerischen Folgen des Massakers am Platz des Himmlischen Friedens in der Welt. Mit dem 1963 geborenen Yang Shaobin betritt ein sich politisch verstehender Künstler die internationale Bühne.
Der Berliner Kunsthistoriker Sebastian Preuss schreibt wenig später: "Die erste Begegnung ist unvergesslich geblieben. Mitten im Getümmel der Art Cologne, im Lärm der Besucher, zwischen unzähligen nichtssagenden Kunstwerken und all den lauten Installationen zogen auf einmal diese Bilder in Bann und ließen alles andere vergessen. Zuerst war es ein Augenschock, dann aber zunehmend auch ein Angriff aufs Gemüt; eine Malerei, wie sie zuvor noch nicht zu sehen war. Mit seinen roten Bildern wurde Yang Shaobin weltweit bekannt, es ist der erste Höhepunkt in seinem Werk. Im Grunde geht es um nichts anderes als um Gewalt, um rohe, beängstigende Angriffe auf die menschliche Kreatur. […].
Yangs Malerei ist ein offenes System und in ständiger Entwicklung. 2003 wurden seine roten Bilder schwarz und grau; und es ist erstaunlich zu beobachten, wie ihre Dramatik magisch eingefroren, ja die Brutalität des Geschehens auf eine Art von koloristischer Metaebene entrückt wird. Es ist eine beinahe konzeptuelle Transformation der Farben und der Ikonografie – auch dies zweifellos ein Zeugnis davon, wie intensiv sich Yang jetzt mit westlicher Entwicklung auseinandersetzt."
In der traditionellen chinesischen Kunst gibt es keinen "Stil"; der Künstler Yang Shaobin unterwirft seine Arbeit also einem fortgesetzten Transformationsprozess, bleibt als einer der wenigen Chinesen seiner Generation interessiert an der Erforschung der Malerei und kommt so Mitte der 2000er Jahre zu einem weitergehend neuen Ausdruck.
Allerdings bleiben Gewalt und die sie vertretenden Potentaten von Mao Tse Tung bis Saddam Hussein, von Josef Stalin bis Muammar al-Gaddafi, von Hugo Chávez bis Fidel Castro Thema und künstlerisches Personal seiner Bilder.
Die vorliegende Serie aus vier Gemälden entsteht 2006 und bezieht sich auf ein Ereignis aus dem Spätherbst 2004 in Santa Clara auf Kuba.
Der damals 78-jährige Fidel Castro hält unter einem monumentalen, aus Stein gehauenen Denkmal der Revolutionsikone Che Guevara eine Rede. Wie immer endet Castro mit dem pathetischen Ausruf: Hasta la victoria siempre!
Das Publikum feiert den greisen Diktator frenetisch, er stolpert und verletzt sich am linken Bein, bricht sich den rechten Arm, wie er Tage später verlautbaren lässt. In einem damals mitgeschnittenen Video ist zu sehen, wie der gestürzte Castro unter einem Pulk von Menschen verschwindet und dann in der Traube hinausgetragen wird.
Yang Shaobin verändert und unterbricht mit der Reihenfolge seiner Gemälde diesen Ablauf der Ereignisse:
Fidel Castros ins Licht getauchtes Gesicht, mit seiner rechten Hand beschirmt, scheint in die Ferne sehen zu wollen. Der gefallene Castro steht wieder auf und geht in aufrechter Haltung zu seinem leerstehenden Stuhl. Unterbrochen wird der gezeigte Ablauf von einem weiteren Gemälde des Künstlers, das einen Besuch Chávez’ am Krankenbett von Fidel Castro zeigt.
Wie ein Golem, wie ein großer schwarzer Schatten, liegt eine übermächtig schwarze Figur, in der Chávez in Umrissen zu erahnen ist, über dem hageren kranken Diktator. Den aber zieht Yang Shaobin mit einem seidenen, an einen Brokat-Stoff erinnernden Mantel an.
Rot, die Farbe der Revolution, in China auch die Farbe der Kaiser; der Potentat als gefallener Kaiser sollte seinen bolivianischen Besucher um gut zweieinhalb Jahre überleben. [Alexander Ochs]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Shaobin Yang "Ohne Titel (Fidel Castro)"
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