Auktion: 500 / Evening Sale am 17.07.2020 in München Lot 219

 
219
Emil Nolde
Ein Paar, Mann und Frau, 1931-1934.
Aquarell und Tusche
Schätzpreis: € 100.000 - 150.000
+
Objektbeschreibung
Ein Paar, Mann und Frau. 1931-1934.
Aquarell und Tusche.
Rechts unten schwer leserlich signiert. Auf Japan. 25 x 33,3 cm (9,8 x 13,1 in), blattgroß.
Verso ein weiteres Doppelbildnis. [SM].

• Aus der gefragten Werkserie der "Phantasien".
• Eine besondere Qualität in seinen Aquarellen ist die differenzierte Charakterisierung von Personen und deren eindrucksvolle Typisierung.
• Ungewöhnliche, mystische Farbpalette.
• Durch die von Nolde entwickelte Nass-in-Nass-Technik wird selbst die Rückseite zum Kunstwerk
.
Mit einer Expertise von Dr. Manfred Reuther, Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde vom 17. März 2008.

PROVENIENZ: Alfred und Anne Hentzen, Hannover, später Hamburg.
Privatsammlung Schweiz.
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen (seit 2008).

AUSSTELLUNG: Emil Nolde. Aquarelle aus den Jahren 1894-1956. Frankfurter Kunstverein, 1967, Kat.-Nr. 92, Ausst.-Kat. mit Abb.
Emil Nolde. Die Kraft der Farbe. Aquarelle und Grafiken, Galerie- und Künstlerhaus Spiekeroog, 2009.

LITERATUR: Galerie Kornfeld, Bern, 6.6.2008, Los 103.

Aufrufzeit: 17.07.2020 - ca. 17.33 h +/- 20 Min.

Essay
Emil Nolde fasziniert das Individuelle des Gegenübers. Nur wenige Porträts, nämlich die seiner Frau Ada oder nach deren Tod die Bildnisse seiner letzten großen Liebe Jolanthe, zeigen einen noch intensiveren Zugang. Somit reihen sich diese Porträts in subtil gewählter Farbigkeit in das Werk des Künstlers, neben den Landschaften, religiösen Themen, Südseebildern, Blumen- und Gartenbildern und weiteren Porträts, zum Beispiel von Bauern, Nachbarn, Steuermann, Schwestern, Paaren, Gärtner, aber auch von Slowenen, Russen und Manusmännern, ein. Und auch exotische Masken und Beispiele der Volkskunst kann man in diesem Atemzug nennen, Masken etwa, die Nolde in den ethnologischen Sammlungen entdeckt, skizziert und die unter seiner Hand und Fantasie zu Masken-Porträts mutieren und mit Gesichtszügen und roten Wangen zu Typen werden. Der lebendige Ausdruck, der die Porträts bestimmt und der sich vor allem in der vielfältigen Augenpartie erkennen lässt, ist einer Persönlichkeit zugeordnet, die Nolde mit der Kraft ihrer wachen Ausstrahlung sichtlich beeindruckt hat. Nolde malt Typen, Phänotypen, die regionale Merkmale zeigen, ähnlich einer Landschaft oder wie Blumen in seinen Rabatten und Gärten. Noldes künstlerische Sprache ist gespickt mit delikater Stimmung und sein Ausdruck ist leidenschaftlich gesteigert bis zu archaisch anmutender Stilisierung. Eine besondere Qualität in seinen Aquarellen ist die differenzierte Charakterisierung von Personen und deren eindrucksvolle Typisierung. Noldes Leben zwischen der Großstadt Berlin und der Landschaft im Norden, seine Reisen in die nahe Umgebung und nicht zuletzt die Exkursion in das ferne Neu Mecklenburg bieten dem Künstler anregende Vorlagen für seine bisweilen bizarr anmutenden ortsbedingten Physiognomien. Welche Personen sich in den beiden Bildnissen spiegeln, ist ungewiss. Der große Teil der Porträts und Bildnisse Noldes lässt sich nicht personenbezogen zuordnen. Für Nolde gilt: „Die Menschen sind meine Bilder. Lachet, jubelt, weinet, oder seit glücklich. Ihr seit meine Bilder, und der Klang Eurer Stimme, das Wesen Eurer Charaktere in aller Verschiedenheit, Ihr seit dem Maler Farbe. “Man kann natürlich den Versuch unternehmen, die markanten Profile der Geschwister in vergleichbaren Aquarellen und Gemälden mit Hinweisen auf das Unbekannte auszumachen, etwa das leicht nach vorne geschobene markante Kinn, die vollmundigen Lippen unter den spitzen, aussagekräftigen Nasen und das unterschiedlich gefärbte Haar, zinnoberrot bei der einen, zurückhaltend braunviolett bei der anderen Schwester. Sicher, für Nolde ist es wichtig, Charaktere als Modell zur Verfügung zu haben, deren ausgeprägte Profile und Wesensmerkmale herauszustellen und dennoch frei zu agieren, auch Gesichter im klassischen Porträtstil zu erfinden, ähnlich der Typen, welche die Bühnen seiner religiösen Bilder bevölkern. [MvL]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Emil Nolde "Ein Paar, Mann und Frau"
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Bei Objekten, deren Künstler nicht bereits vor mindestens 70 Jahren verstorben ist, fällt eine Folgerechtsumlage i.H. von 2,4 % inklusive der gesetzlichen Umsatzsteuer an.