Auktion: 498 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 18.07.2020 in München Lot 567

 
567
Hans Lietzmann
Pergola des Café Paradiso in Torbole, 1911.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 10.000 - 15.000
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Objektbeschreibung
Pergola des Café Paradiso in Torbole. 1911.
Öl auf Leinwand.
Rechts unten signiert und datiert. 80 x 145 cm (31,4 x 57 in).

• Biografisch und künstlerisch ein Hauptwerk.

PROVENIENZ: Sammlung Willy Franke, Luckenwalde bei Berlin (?).
Galerie Del Vecchio Leipzig, Gemälde-Sammlung aus dem Besitze des Herrn Fabrikbesitzer Willy Franke, Luckenwalde bei Berlin, sowie Gemälde aus anderem Besitz, Auktion am 18. März 1913, Nr. 102.
Rudolph Lepke's Kunst-Auctions-Haus Berlin, Gemälde erster Meister unserer Zeit. Dabei der künstlerische Nachlass des Malers Prof. O. von Kameke, Berlin, Auktion am 21. April 1914, Nr. 45.

Aufrufzeit: 18.07.2020 - ca. 18.07 h +/- 20 Min.

Essay
Bereits als Kind unternimmt Hans Lietzmann mit seinem Vater eine Reise an den Gardasee, an dessen Nordufer das pittoreske Fischerdörfchen Torbole zu seiner zweiten Heimat werden sollte. Nach einem Studium an der Kunstakademie in Berlin bricht er die anschließende Gesangsausbildung in München ab und lässt sich 1899 in Torbole nieder. Dort hat er eine Villa mit Olivenhain direkt am See erworben, die er Café Paradiso nennt. Er versammelt zahlreiche Künstler um sich, die sich unter seiner Leitung der Akt- und Landschaftsmalerei widmen. Als Mitglied der um 1905 gegründeten Künstlergruppe „Die Wanderer“ folgen seine landschaftlichen Motive den Spuren Goethes in der Darstellung Italiens als idyllischem Sehnsuchtsort. Das hier angebotene Gemälde evoziert geschickt diese Atmosphäre der Harmonie und der Wärme des Südens. Unter der Pergola seines Wohn- und Atelierhauses ist der sanfte Wind und das Plätschern des leicht bewegten Wassers spürbar, die Süße der dunkelvioletten, erntereifen Weinreben scheint dem Betrachter durch das Relief der Farbe zum Greifen nah. Helle Lichtreflexe dringen durch das schattenspendende Pflanzendach und die ornamentalen Arabesken der Weinranken, wodurch die geometrischen Formen der steinernen Architektur aufgelockert werden. Spannung erzeugt Lietzmann auch durch die raffinierte Kombination von Nah- und Fernsicht in dem panoramaartigen, vermutlich en plein air gemalten Querformat: Über die Balustrade hinweg eröffnet sich der weite Ausblick auf den Monte Brione und die charakteristischen, leuchtend gelben und roten Häuser im malerischen Ortskern von Torbole, über das Lietzmann 1928 einen Reiseführer für die zahlreichen deutschsprachigen Künstler und Urlauber verfasst. In Anlehnung an die Theorien und die Malerei der Neoimpressionisten Frankreichs nutzt Lietzmann die Gegenüberstellung von Komplementärkontrasten wie Blau und Orange sowie rötlichen und grünen Tönen, um eine maximale Leuchtkraft der vor allem im Vordergrund frei und sehr pastos aufgetragenen Farben zu erzielen. Das Zusammenspiel von warmen und kühlen Tönen ermöglicht dem Betrachter geradezu ein Nachspüren der Farbempfindungen dieser mediterranen Atmosphäre. So schafft Lietzmann nicht nur motivisch, sondern auch durch seine malerische Umsetzung einen Eindruck des Überflusses und der Sorglosigkeit. [KT]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Hans Lietzmann "Pergola des Café Paradiso in Torbole"
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