Auktion: 498 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 18.07.2020 in München Lot 538

 
538
Carl Rudolph Sohn
Die entdeckten Liebesbriefe, Wohl 1890.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 15.000 - 20.000
+
Objektbeschreibung
Die entdeckten Liebesbriefe. Wohl 1890er Jahre.
Öl auf Leinwand.
Rechts unten signiert. 117 x 151 cm (46 x 59,4 in).

• Selten auf dem Auktionsmarkt angebotene großformatige, beeindruckende Szene
• Erzählerisch raffinierte Komposition mit dramatischer Lichtführung
• Unter dem Eindruck des Englandaufenthaltes entstandenes Werk
.

PROVENIENZ: Sammlung Peter Paul Mülhens, Köln.
Sammlung Wilhelm Koep, Köln (zw. 1925-1945 vom Vorgenannten als Geschenk erhalten).
Privatbesitz Süddeutschland (vom Vorgenannten aus Familienbesitz durch Erbfolge erhalten).

Aufrufzeit: 18.07.2020 - ca. 17.38 h +/- 20 Min.

Essay
Es ist mitten am Tag, als es passiert: Enttäuscht und wütend steht der Vater in der reichen, barocken Stube und schaut grimmig vor sich hin, in der Rechten einen Brief haltend. Zaghaft und vorsichtig nähert sich seine Tochter im reich bestickten Kleid von der Seite und schaut ihn fragend an. Mitten im Raum steht eine geöffnete Truhe, aus der Briefe und Papiere herausgewühlt wurden und sich nun über den Boden ergießen. Seine rothaarige Frau im weißen Kleid beugt sich zusammengesunken über den mit Samt bezogenen Schemel und verbirgt ihr Gesicht. Was ist passiert? Der Mann hat geheime Liebesbriefe seiner Gattin entdeckt. Es kam zu einer heftigen Szene mit Vorwürfen, die Briefe wurden verstreut und die in Ungnade gefallene Frau brach schließlich zusammen. Carl Rudolph Sohn beschreibt hier den Moment nach der eigentlichen aktionsreichen Auseinandersetzung, den Augenblick, in dem scheinbare Ruhe herrscht, sich jedoch viel innerhalb der dargestellten Personen abspielt. Es handelt sich hier um eine Art Situationsbild, wie es in der Düsseldorfer Malerschule gepflegt wurde. Die innere Verbitterung und Enttäuschung des Mannes spiegelt sich auf seinem Gesicht und in seiner Haltung wider, ebenso die Ängstlichkeit in der Mimik der Tochter. Die niederkniende Frau, die aus Verzweiflung ihr Gesicht abwendet, spielt auf das Thema der „fallen woman“ (gefallenen Frau) an, das im England des 19. Jahrhunderts immer wieder aufgegriffen wird. In Geschichten, Gedichten und Bildern (u. a. auch bei den Präraffaeliten) wird über das tragische Schicksal der Frau berichtet, die ihr Ansehen durch ein sexuelles Verhältnis vor oder während der Ehe mit einem Fremden verloren hat. Carl Rudolph Sohn kommt mit dem pikanten Thema sicherlich in seiner England-Zeit in den 1880er Jahren in Kontakt, als er auf Einladung von Queen Victoria zum Porträtieren bestellt wird und die berühmten Bildnisse der Königin selbst (1883) sowie des ihr eng verbundenen Dieners „John Brown mit Hund Spot“ (1883) entstehen.
Carl Rudolph Sohn entstammt einer Künstlerfamilie: Er ist der Sohn von Carl Ferdinand Sohn, Mitbegründer der Düsseldorfer Malerschule, Vetter und Schwager von Wilhelm Sohn, Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie, und Bruder des Porträtisten Richard Sohn. Carl Rudolph Sohn studiert zunächst Ingenieurwesen am Polytechnikum in Karlsruhe, ehe er 1867 die Einwilligung seines Vaters erhält, den Malerberuf zu ergreifen. Seitdem geht es mit schnellen Schritten voran: Er nimmt Unterricht an der Düsseldorfer Kunstakademie, lernt jedoch vor allem als Privatschüler bei seinem Vetter Wilhelm Sohn, mit dem er zusammen auf Reisen nach Paris, London und Italien geht. Zunächst macht er sich ab 1873 einen Namen als Porträtist durch das Bildnis seiner Gattin Else Rethel, der einzigen Tochter des Historienmalers Alfred Rethel. Schnell steigt er zum Bildnismaler des Großbürgertums und des Adels im In- und Ausland auf. An seinem Lehrer Wilhelm Sohn orientiert, verlegt er mit der Zeit seinen Schwerpunkt auf die Genremalerei. Interieurszenen aus dem 17. Jahrhundert mit historischen Kostümen in virtuoser Technik gemalt wie unser Werk, werden zu Publikumslieblingen. Die genaue Ausarbeitung der Gegenstände und Stoffe sowie das historische Ambiente faszinieren bis heute. [HO]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Carl Rudolph Sohn "Die entdeckten Liebesbriefe"
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Bei Objekten, deren Künstler nicht bereits vor mindestens 70 Jahren verstorben ist, fällt eine Folgerechtsumlage i.H. von 2,4 % inklusive der gesetzlichen Umsatzsteuer an.