Auktion: 498 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 18.07.2020 in München Lot 120000782

 
120000782
Adolph von Menzel
Studie eines biertrinkenden Mannes, 1893.
Bleistiftzeichnung
Schätzpreis: € 5.000 - 7.000
+
Objektbeschreibung
Studie eines biertrinkenden Mannes. 1893.
Bleistiftzeichnung.
Links unten monogrammiert und datiert. Auf Velin. 13 x 21 cm (5,1 x 8,2 in), blattgroß.

• Faszinierende Leichtigkeit und Treffsicherheit des zeichnerischen Ausdrucks
• Charakteristische Technik des späten zeichnerischen Werks
.

Wir danken Herrn Dr. Claude Keisch, Berlin, für die freundliche Auskunft.

PROVENIENZ: Privatbesitz Süddeutschland.
Galerie Schüller im Bayerischen Hof, München.
Privatsammlung Süddeutschland (2005 bei Vorgenanntem erworben).

Essay
Adolph von Menzel ist unzweifelhaft einer der begnadetsten Zeichner des 19. Jahrhunderts. Mit faszinierender Treffsicherheit und technischer Meisterhaftigkeit hält er in seinen über 6000 Zeichnungen und 77 Skizzenbüchern und Heften Ausschnitte der Wirklichkeit fest. Unmittelbar und ungestellt, folgt unser Auge seinem betrachterisch-forschenden Blick, der sich in der vorliegenden Zeichnung sowohl dem Bewegungsmoment widmet, in dem der Mann zum Trinken ansetzt – als auch daneben abschweift um die den Bierkrug fassende Hand zu studieren, daraufhin den glänzenden Haarwirbel des jungen Kopfes in den Blick nimmt. Diese Fragmentierung, das Nebeneinanderstellen und Ineinanderübergehen der Augenblicke charakterisieren die unablässige Aufmerksamkeit des Menzelschen Blicks. Sowohl Dinge als auch Menschen werden gleichermaßen als Studienobjekte behandelt, oft in Bewegung und aus verschiedenen Perspektiven, was ihnen Natürlichkeit und gleichzeitig fotografisch-gezeichnete Anmutung verleiht. Diese zeichnerischen Momentaufnahmen verraten auch die Schnelligkeit und Präzision, mit der es Menzel gelingt, die ungestellten und im alltäglichen Leben statt inszeniert im Atelier beobachteten Szenen und Modelle mit dem Auge zu durchdringen und die Hand mit der nötigen Strichführung folgen zu lassen. Belebte Motive wie Menschen und Tiere zeigt er oft auf einem Blatt in unterschiedlichen aufeinanderfolgenden Körperhaltungen, natürlich und wie zufällig beobachtet; Dinge und Objekte, auch die scheinbar unbedeutenden des täglichen Gebrauchs, studiert er akribisch in ihrer Stofflichkeit und Oberflächenbeschaffenheit und modelliert sie zeichnerisch nach, wie beispielsweise auch in einem Studienblatt, auf dem Bierkrüge in verschiedensten Ansichten und Detailstudien ungeheure Präsenz erlangen. Oftmals dienen ihm die Zeichnungen als Material für Grafiken, häufig Lithografien – Menzel hatte seine Laufbahn in der Lithografiewerkstatt seines Vaters begonnen - , aber auch für Radierungen und Holzschnitte, sowie für in Öl ausgeführte Gemälde. In den späteren Jahren, aus denen auch unsere Zeichnung stammt, wird die ständige Beschäftigung des Auges und der Hand schließlich zum Selbstzweck, als nach 1875 die Zahl seiner Gemälde deutlich zurückgeht. Charakteristisch für diese Zeit ist die Auflösung der Linien und Konturen in einer fast schon malerischen Behandlung der Zeichnung durch verwischte Strukturen und weichen Schraffuren. Von seinem Zeitgenossen und Malerkollegen Paul Meyerheim wird Menzel als manischer Zeichner beschrieben: „Kein Gegenstand war ihm zu gering, und er zeichnete, wo er ging und stand, mit geradezu krankhaftem Eifer.“ Aufgrund seines eher scheuen und zurückhaltenden Temperaments scheint er dabei für den Beobachterposten prädisponiert. In seinem Mantel führt er Skizzenblock und Bleistift stets bei sich, um selbst nach durchzechter Nacht in einem seiner Berliner Stammlokale „[…] sein Skizzenbuch hervorzuholen, um nächtliche Gestalten, Straßenarbeiter oder ein Stück Straße im Schein einer Laterne festzuhalten.“ (Paul Meyerheim). An solchen Orten der menschlichen Zusammenkunft studiert er die Gäste beim Zigarrerauchen, Zeitunglesen und Biertrinken, nicht nur in Berlin, sondern auch während seiner zahlreichen Sommer-Aufenthalte in Bayern und Österreich, wo er beispielsweise im Peterskeller in Salzburg anzutreffen war. So sind seine Zeichnungen auch ein sehr persönliches Zeugnis des Lebens einer vergangenen Epoche. [KT]
 


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