Auktion: 498 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 18.07.2020 in München Lot 120000790

 
120000790
Wilhelm von Kobell
Landschaft bei Wolfratshausen, Um 1798/99.
Aquarell
Schätzpreis: € 4.000 - 6.000
+
Objektbeschreibung
Landschaft bei Wolfratshausen. Um 1798/99.
Aquarell und Tusche über Bleistiftzeichnung.
Vgl. Wichmann 478. Rechts unten signiert und ortsbezeichnet "Wilhelm K: / Wolffertshausen". Auf Bütten (mit dem Wasserzeichen C & I Honig). 19 x 23,5 cm (7,4 x 9,2 in).

• Aus dem Frühwerk des Künstlers.

Wir danken Frau Dr. Claudia Valter, Graphische Sammlung des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg, für die freundliche Auskunft.

PROVENIENZ: Sammlung Geheimrat Arthur Louis Sellier (1869-1967), München/Berlin.
Antiquariat Ackermann & Sauerwein, München.
Kunsthandlung Franz Hanfstaengl, München (1937 vom Vorgenannten erworben).
Galerie G. Meier, München.
Privatsammlung Süddeutschland (2006 vom Vorgenannten erworben).

Essay
Wilhelm Kobell zählt zu einer der wichtigsten Figuren bei der Herausbildung der sogenannten Münchner Schule, die sich bereits unter Johann Georg von Dillis zu formieren beginnt. In ihrer Orientierung an die Naturnähe niederländischer Landschaften und englischer Aquarellmalerei wuchs das Interesse an der Erkundung der regionalen Landschaft, die die Künstler in langen Wanderungen durchliefen. Auch Kobell beginnt mit der Entdeckung der oberbayerischen Landschaft, nachdem er 1793 aus Mannheim nach München kommt. In den Sommermonaten, die er auf Schloss Emming am Ammersee, dem Landsitz seines Schwiegervaters verbringt, erkundet er die malerische sanfte Landschaft zwischen Ammersee, Starnberger See und Tegernsee. Es entstehen dort Aquarelle in feiner Tonalität, in denen die direkte Naturbeobachtung deutlich zu erkennen ist. Kobell vereint darin sowohl sein malerisches als auch zeichnerisches Talent, das er in seinen Anfangsjahren als Grafiker unter Beweis stellen konnte. Der Blick wird diagonal über hintereinandergeschobene Ebenen in die Weite des Bildraums geführt, wo sich in kühler Transparenz die Berge, in hellem Blau laviert, abzeichnen. Kobell nutzt zur Erzeugung der Luft- und Lichtwirkung geschickt den weißen Untergrund des Papiers, der die durchscheinende, lichterfüllte Klarheit der Atmosphäre unterstützt. Im mit der Feder akzentuierten Vordergrund, wo sich zwischen den einfachen alten Scheunen das Leben der Landbewohner bei ihren täglichen Besorgungen abspielt, wird das scheinbar Unbedeutende zum Charakteristischen uminterpretiert. Die Menschen werden zu mehr als nur Staffagefiguren, sie sind Teil der Landschaft und werden mit dieser im Einklang lebend gezeigt. Idyllische Einfachheit und die dem Menschen wohlwollend gegenüberstehende Natur bestimmen den Ausdruck von Kobells frühen Landschaften. [KT]
 


Weitere Abbildungen
 
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