Auktion: 502 / Klassische Moderne II am 18.07.2020 in München Lot 404

 
404
Wilhelm Morgner
Kreuzigung, 1912.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 40.000 - 60.000
+
Objektbeschreibung
Kreuzigung. 1912.
Öl auf Leinwand.
Rechts unten monogrammiert und datiert. Verso von fremder Hand datiert, betitelt und bezeichnet. 130 x 104,5 cm (51,1 x 41,1 in).
Die Leinwand wurde 1970 komplett restauriert. Verso auf mit grauer Farbe gefestigten Leinwand von fremder Hand rechts oben bezeichnet "Restauriert 1970" und mittig "Kreuzigung Morgner 1912". (Siehe Zustandsbericht).
• Wilhelm Morgner gilt als Ausnahmetalent des Expressionismus
• Im Entstehungsjahr 1912 nimmt Wilhelm Morgner an der Sonderbund-Ausstellung in Köln teil
• Ausdrucksstarke Leuchtkraft der reinen Farbe - ein typisches Merkmal von Wilhelm Morgner
• Richtungsweisendes Werk des 1917 allzufrüh mit 26 Jahren gefallenen Künstlers
.

Das Werk ist im Wilhelm-Morgner-Archiv, Soest, unter der Nummer G 301 registriert. Mit 'G' - Nummern sind zweifelhafte und bisher ungeklärte Fälle in diesem Archiv registriert.

PROVENIENZ: Claus Korff-Morgner, Soest.
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen.
Privatsammlung.

LITERATUR: Wilhelm Morgner. Biblische Themen, Museum Abtei Liesborn, 1985, S. 57 (mit Abb.).

Aufrufzeit: 18.07.2020 - ca. 15.44 h +/- 20 Min.

Essay
Die ungewöhnlichen Bildauffassungen Wilhelm Morgners können auch noch in heutiger Zeit verstörend wirken. Morgner geht es nicht einfach nur um die Übernahme und Integration gewisser Stilelemente in sein Werk. Aufbauend auf Vorbildern, hier vor allem demjenigen van Goghs, schafft Morgner sich eine Bildwelt, die er mit der ihm eigenen Malweise verwirklicht. Die aus dem Divisionismus erwachsene Technik, deren Farbparallelismen oft irritierend wirken, verleiht in ihrer gestalterischen Kraft den Themen eine neue Dimension der Aussage. Eine Kreuzigungsszene, deren emotionaler Charakter in der Kunst nicht selten überbetont wird, ist hier allen frommen Dekors entkleidet, um zur reinen Schaustellung zu werden. Morgner zwingt den Betrachter also indirekt, einen Vorgang real nachzuvollziehen ohne Zuhilfenahme bildmäßiger Details, die ihm den Zugang erleichtern würden. Mit der gleichen Radikalität, mit der Morgner die Szene schildert, soll sie sich auch in den Köpfen der Betrachter abspielen. Wie Morgner dachte, ist von ihm selbst überliefert: "Ich kann nur Künstler werden, wenn ich mich selbst zertrümmere. Tue ich das nicht, dann gelingt es mir nie, die Unendlichkeit zu erleben, noch viel weniger mitzuteilen. Ich habe mich mit der Tatsache der Opferung abgefunden." (zit. nach: Hans Lühdorf, Wilhelm Morgner, Westfalen, Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde, Münster 1952, Heft 1, S. 57).
1913 wird der Künstler zum Militärdienst eingezogen und fällt 1917 bei Langemarck. Erst mit der Wiederentdeckung des Expressionismus in den 1950er Jahren erhält das Œuvre dieses wegweisenden Künstlers schließlich die Anerkennung, die ihm als einem der Besten seiner Zeit zusteht. [EH]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Wilhelm Morgner "Kreuzigung"
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Bei Objekten, deren Künstler nicht bereits vor mindestens 70 Jahren verstorben ist, fällt eine Folgerechtsumlage i.H. von 2,4 % inklusive der gesetzlichen Umsatzsteuer an.