Auktion: 502 / Klassische Moderne II am 18.07.2020 in München Lot 375

 
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Alexej von Jawlensky
Meditation, 1935.
Öl auf Papier, vom Künstler auf schwarz bemalte...
Schätzpreis: € 40.000 - 60.000
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Objektbeschreibung
Meditation. 1935.
Öl auf Papier, vom Künstler auf schwarz bemalte Malpappe aufgelegt.
Jawlensky/Pieroni-Jawlensky 1653. Links unten monogrammiert sowie rechts unten datiert. Verso signiert, datiert und bezeichnet "N. 82 J". Dort außerdem von fremder Hand bezeichnet "death - life". 17,8 x 14 cm (7 x 5,5 in), blattgroß. [CH].

• Jawlenskys "Meditation" ist die lkone der Moderne.
• Eine Meditation aus Jawlenskys letzter und ergreifendster Gemäldeserie (1933-1937).
• Interessante Provenienz: Sammlung Galka Scheyer und Sammlung Lette Valeska.
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PROVENIENZ: Galka Scheyer (1889-1945), Los Angeles.
Sammlung Lette Valeska (1885-1985), New York/Los Angeles.
Privatsammlung Los Angeles.
Privatsammlung USA.
Privatsammlung Rheinland.

"Meine letzte Periode meiner Arbeiten hat ganz kleine Formate, aber die Bilder sind noch tiefer und geistiger, nur mit der Farbe gesprochen. Und jetzt lasse ich diese kleinen, für mich aber bedeutenden Werke für die Zukunft den Menschen, die Kunst lieben."
Alexej von Jawlensky, zit. nach: Ausst.-Kat. Alexej von Jawlensky. Reisen. Freunde. Wandlungen, Museum am Ostwall, Dortmund 1998, S. 119.

Aufrufzeit: 18.07.2020 - ca. 15.15 h +/- 20 Min.

Essay
Um 1929 zeigen sich bei Jawlensky, der sich 1922 von Werefkin trennt, nach Deutschland zurückgekehrt und im Juli in Wiesbaden deren Dienstmädchen Helene heiratet, die ersten Symptome einer Arthritis deformans, Finger, Ellbogen und Knie beginnen sich zu versteifen. Diese Umstände, die ihn häuslich binden und von jeglichen Kunstveranstaltungen und Treffen mit Sammlern und Galeristen entfernt, auch isoliert, zwingen Jawlensky ab etwa 1934, das Format seiner Werke drastisch zu verkleinern und er beginnt seine letzte Gemäldeserie, die "Meditationen", zu entwickeln. In einer lockeren, mit schmalem Pinsel expressiv ausgeführten Malweise gewinnt das bisher schöpferische Antlitz vorerst an konstruktiver Strenge, die Komposition entwickelt sich mit wenigen Details vom ovalen zum vertikalen stilisierten Aufbau. Die Konturen des Antlitzes bestehen aus abstrakten Andeutungen von Augen, Nase, Mund und Stirn, einzelne Pinselstriche deuten eine Begrenzung des Antlitzes an wie in diesem Fall, die "Meditation 1935 N. 82 J". Und trotzdem zeigen sie die ganze frontale Strenge und Reduziertheit, die Jawlensky mit feinsten Nuancierungen der Farbformen auf die dunkle Malfläche‚ mit feinen, parallel und senkrecht orientierten Pinselstrichen zum Ausdruck zu bringen vermag. Der Betrachter spürt die tiefe innere Konzentration des Künstlers, die, trotz seines fortschreitenden Handicaps mit einer enormen physischen Anstrengung gepaart, diese meditative Art des Malens nachvollziehen lässt. Der Kopf wird Begegnungsort zwischen Himmel und Erde, Darstellung eines philosophisch-religiösen Dialoges auf geistiger Ebene. Damit begibt sich der Künstler auf einen höchst individuellen künstlerischen Weg: Die "Meditation" ist die lkone der Moderne.
Auch die Provenienz dieser "Meditation" erregt Aufmerksamkeit. Wieder ist es Emmy "Galka" Scheyer, die Künstlerin, die der Künstler 1916 in Lausanne anlässlich einer Ausstellung kennenlernt und sie ihre künstlerischen Ambitionen aufgeben wird, um sich intensiv der Vermarktung der Werke Jawlenskys vor allem in Amerika anzunehmen. Mit ihr steht der Künstler in ständigem Kontakt und so sendet Jawlensky auch diese "Meditation" zu ihr in die USA; sie wohnt damals in Los Angeles. Es gelingt ihr den 'Kopf' an die deutsch-amerikanische Fotografin, Malerin und Bildhauerin Lette Valeska zu vermitteln. Als Hella-Hilde Heinemann in Braunschweig geboren, emigriert sie mit ihrem Mann und ihrer Tochter im Jahr 1937 nach New York City. 1938 trennt sich das Paar und Valeska zieht nach Los Angeles, wo sie sich nun Lette Valeska nennt und dort den Rest ihres Lebens verbringt. [MvL]
 


Weitere Abbildungen
 
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