Auktion: 498 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 18.07.2020 in München Lot 537

 
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Adolph von Menzel
Frühstücksstunde (Familie im Kaffeehaus), Vor 1891.
Pinsel- und Federzeichnung, Tusche und Deckweiß...
Schätzpreis: € 40.000 - 60.000
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Objektbeschreibung
Frühstücksstunde (Familie im Kaffeehaus). Vor 1891.
Pinsel- und Federzeichnung, Tusche und Deckweiß über Bleistift.
Rechts unten signiert. Auf chamoisfarbenem Velin. 22,9 x 31,5 cm (9 x 12,4 in), blattgroß.

• Besonders charakteristisches Motiv einer Szene im Kaffeehaus, wo Menzel gerne zeichnete
• Technisch sehr variantenreiche, meisterhafte Ausführung
• Ursprünglich von Menzel zur Tombola des Vereins Berliner Künstler für wohltätige Zwecke gestiftetes Blatt
.

Wir danken Herrn Dr. Claude Keisch, Berlin, für die freundliche Auskunft.

PROVENIENZ: Sammlung Otto Gerstenberg, Berlin.
Kunsthandlung J. P. Schneider, Frankfurt a.M.
Galerie Pels-Leusden, Berlin.
Sotheby‘s, London, Auktion am 27. Juni 2007, Los 19.
Privatsammlung Berlin.
Privatsammlung Norddeutschland.

AUSSTELLUNG: Adolph von Menzel 1815–1905. Ölgemälde, Gouachen, Pastelle, Aquarelle und Zeichnungen, Galerie Caspari, München 1932, Nr. 34.
Adolph von Menzel. Spätes Debut, Galerie Pels-Leusden, Zürich, 30.5.-7.9.2002, S. 60, Nr. 33 (mit Abb.).

LITERATUR: Max Jordan, Das Werk Adolph Menzels. Verzeichnis der Werke Adolph Menzels nach der Zeitfolge, München 1905, S. 72.
Julietta Scharf/Hanna Strzoda (Hrsg.), Die historische Sammlung Otto Gerstenberg. Bd. II, Berlin 2012, S. 169, Nr. 1005 (mit Abb.).

Aufrufzeit: 18.07.2020 - ca. 17.37 h +/- 20 Min.

Essay
Bevorzugt hält sich Adolph von Menzel in Gasthäusern, Cafés und Biergärten auf, um Menschen jeglichen Alters zu studieren. In Berlin trifft man ihn beispielsweise im Café Josty an, das ab 1880 in der Bellevuestraße am Potsdamer Platz, unweit von Menzels Wohnung im Zentrum Berlins, ein Künstlercafé betrieb. Das vorliegende Blatt ist der Tombola der Jubiläums-Ausstellung des Vereins Berliner Künstler 1891 gewidmet, bei dem Menzel selbst Mitglied war und dessen Vereinsgebäude sich Ende der 1880er Jahre ebenfalls in der Nähe des Tiergartens befand. Legendäre Künstlerfeste, Ausstellungen und wohltätige Lotterien zur Förderung der Berliner Künstler gehörten zu den Aufgaben des Vereins, zu dessen Tombola Menzel hier ein Blatt beisteuert. 1891 fand eine große internationale Ausstellung zum 50-jährigen Bestehen des Vereins statt, wo Menzel mit Gouachen, Zeichnungen und Gemälden vertreten war, darunter unter anderem sein berühmtes "Ballsouper" und "Im Jardin du Luxembourg Paris", auf denen er ebenfalls die Menschen in ihren unterschiedlichsten gesellschaftlichen Zusammenkünften und Verhaltensweisen, Körperhaltungen und Gewohnheiten studiert. Bei solchen Gelgenheiten wusste er selbst aber Prioritäten zu setzen: einen Herrn, vor dessen Haustür er frühmorgens eine interessante Treppe zeichnete und der ihn hereinbat, weist er in typischer Berliner Schnauzre zurecht: „Ich bin gekommen, um zu zeichnen und nicht um zu frühstücken, lassen Sie mich ugneschoren!“ (zit. Nach Max Jordan, Das Werk Adolph Menzels, München 1905 S. 94). Menzel charakterisiert hier facettenreich eine bürgerliche Familie bei ihrem vermutlich sonntäglichen Ausflug ins Kaffehaus. Die aufwendig frisierte Dame sieht stolz ihrer kleinen Tochter zu, wie sie gierig den Rest ihrer heißen Schokolade schlürft, der Vater hat sich nach dem Genuss von Likören hinter seine Zeitung zurückgeozgen. In beeindruckender Natürlichkeit entsteht eine Momentaufnahme, die in der Ausarbeitung sowohl zeichnerische als auch malerische Qualitäten aufweist. Der angeschnittene Ausschnitt, die locker auf den Tisch geworfene Serviette und die Versunkenheit der Personen in ihrem Gebaren sowie der laviert nur angedeutete Kleiderständer machen die Faszination und künstlerische Variationsbreite des Blattes aus und zeigen Menzels Vermögen, die auch noch so unbesondere Realität in große Kunst zu überführen. [KT]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Adolph von Menzel "Frühstücksstunde (Familie im Kaffeehaus)"
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Bei Objekten, deren Künstler nicht bereits vor mindestens 70 Jahren verstorben ist, fällt eine Folgerechtsumlage i.H. von 2,4 % inklusive der gesetzlichen Umsatzsteuer an.