Auktion: 502 / Klassische Moderne II am 18.07.2020 in München Lot 303

 
303
Gabriele Münter
Büsche am Ufer, Kallmünz, 1903.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 20.000 - 30.000
+
Objektbeschreibung
Büsche am Ufer, Kallmünz. 1903.
Öl auf Leinwand.
Verso auf der Leinwand mit dem Nachlassstempel sowie einem Etikett mit der teils handschriftlichen und teils gestempelten Nummer "L 624". 9 x 16,5 cm (3,5 x 6,4 in).

• Die kleinen Ölskizzen gelten als entscheidende Meilensteine im Werk Münters.
• Frühe Verwendung expressiver Farbigkeit.
• In Kallmünz verlobt sich Münter mit dem noch verheirateten Wassily Kandinsky
.

Mit einer schriftlichen Bestätigung der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung vom 22. Oktober 2013 (in Kopie). Das Gemälde wird in das Werkverzeichnis der Gemälde von Gabriele Münter aufgenommen.

PROVENIENZ: Aus dem Nachlass der Künstlerin.
Kunsthandel Franz Resch, Gauting.
Kunsthandel Sabine Helms, München.
Privatsammlung München.

AUSSTELLUNG: Gabriele Münter und ihre Zeit. Galerie Neher, Essen, 18.11.-18.12.1990, hier unter dem Titel "Büsche am Ufer (Kallmünz)" (mit Farbabb., S. 13).
Schöne Aussichten. Der Blaue Reiter und der Impressionismus. Franz Marc Museum, Kochel 22.3-29.7.2015, S. 195, hier unter dem Titel "Kleine Seelandschaft" (mit Farbabb., S. 82).

Aufrufzeit: 18.07.2020 - ca. 14.03 h +/- 20 Min.

Essay
Im Sommer 1903 besucht Wassily Kandinsky mit seiner Klasse der Malschule Phalanx den Ort Kallmünz (Opf.) an der Naab. Der malerisch an den Felsen des Schlossberges geschmiegte Ort im Naabtal bietet vielerlei Motive. Gabriele Münter besucht seit 1901 diese Kunstschule und hier die Malklasse von Kandinsky. Nach einer ersten Studienfahrt nach Kochel 1902 ist dies die zweite Reise mit der Phalanx für Gabriele Münter. Die beiden kamen sich auch persönlich näher und Kandinsky verlobt sich schließlich in Kallmünz mit seiner Schülerin und dies, obwohl er noch verheiratet ist. So ist dieser Kallmünz- Aufenthalt 1903 für Gabriele Münter sicherlich aus jenen ganz persönlichen Gründen sehr wichtig gewesen. Auch künstlerisch hat sich bei diesem Aufenthalt in dem kleinen fränkischen Ort Wesentliches für die Künstlerin verändert. In reiner Spachteltechnik, die einen kompakten und doch differenzierten Farbauftrag ermöglicht, entsteht diese kleine prägnante Arbeit. Sie lebt aus der Ursprünglichkeit, mit der sie geschaffen wurde. Durch die Art des Farbauftrages wirken die einzelnen Farben in der Komposition nebeneinander und vereinen sich erst im Gesamtzusammenhang. Im Himmel und Wasser ist der Auftrag luzide und leicht und wie auch bei späteren Arbeiten Gabriele Münters scheint der Bildgrund als gestalterisches Mittel durch die Farbe hindurch. Dies ist ein ganz eigenständiges Charakteristikum ihrer Kompositionen auch über die weiteren Jahre hinweg. Das Gemälde die "Büsche am Ufer" ist ein kleines Meisterwerk spontaner Landschaftsauffassung in einem Kolorit, das sich in seinen Grundtönen weitestgehend aus ungemischten Farben zusammensetzt. Ein spontanes kleines Ölbild, das unter freiem Himmel entstanden ist. Münter arbeitet hier, mit ihren Mitschülern, in der Tradition des 'plein-air' der Schule von Barbizon und der Impressionisten. Bei dem vorliegenden Gemälde zeichnet sich bereits eine Selbstverständlichkeit der gefühlten Farbe ab, die Gabriele Münter wenige Jahre später in Murnau zur Vollendung bringen wird. Der rosa gefärbte Himmel tönt auch den See. Himmel und Wasser stehen neben saftig grünen und königsblauen Bäumen: Gabriele Münter bringt hier schon mit expressiver Farbgkeit ihr inneres Erleben auf die Leinwand und geht damit einen wichtigen Schritt für ihre weitere Entwicklung. [EH]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Gabriele Münter "Büsche am Ufer, Kallmünz"
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