Auktion: 520 / Evening Sale am 18.06.2021 in München Lot 120002369

 
120002369
Hans Hartung
T 1931-1, 1931.
Öl auf Holz
Schätzpreis: € 80.000 - 120.000
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Objektbeschreibung
T 1931-1. 1931.
Öl auf Holz.
46 x 38 cm (18,1 x 14,9 in).

• Seltenes frühes abstraktes Gemälde, das für Hartungs weiteres gestisch-abstraktes Schaffen wegweisend ist.
• Der flächig gesetzte, breite Strich nimmt bereits zentrale Stilelemente späterer Arbeiten von Pierre Soulages vorweg.
• Frühestes abstraktes Gemälde des Künstlers auf dem internationalen Auktionsmarkt (Quelle: www.artprice. com).
• Im Dezember 2020 erzielte die stilistisch und farblich vergleichbare Komposition "T1934-2" aus dem Jahr 1934 den zweithöchsten Hartung-Zuschlag auf dem internationalen Auktionsmarkt.
• Bereits 1975 widmet das Metropolitan Museum of Art, New York, dem europäischen Protagonisten der abstrakten Malerei eine Einzelausstellung.
• Hartungs dynamische Schöpfungen wurden u. a. 2008 in der Ausstellung "Action Painting" der Fondation Beyeler, Riehen/Basel, neben den Werken der amerikanischen Vertreter de Kooning, Pollock und Twombly gezeigt
.

Das Werk ist im Archiv der Fondation Hartung-Bergman, Antibes, registriert und wird in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis des Künstlers aufgenommen.

PROVENIENZ: Galerie Kühl, Dresden (1931).
Sammlung Friedrich Bienert, Berlin (1931 vom Vorgenannten erworben, - mindestens 1969, verso mit Transportetikett).
Galerie Beyeler, Basel (verso mit dem Etikett).
Sammlung Deutsche Bank (vom Vorgenannten erworben).

AUSSTELLUNG: Hans Hartung. Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen, Galerie Heinrich Kühl, Dresden 1931.
Hans Hartung, Musée national d’art moderne, Paris 1969, Kat.-Nr. 20.

"Meiner Meinung nach ist die Malerei, die man die abstrakte nennt, kein Ismus, wie es deren in letzter Zeit viele gegeben hat, sie ist weder ein 'Stil' noch eine 'Epoche' in der Geschichte der Kunst, sondern einfach ein neues Ausdrucksmittel, eine andere menschliche Sprache - und zwar direkter als die frühere Malerei."
Hans Hartung

Essay
Hans Hartung ist einer der wenigen deutschen Künstler, die sich nach nur vereinzelten figürlichen Versuchen von Anfang an konsequent der Abstraktion verschrieben haben. Ein Vortrag von Wassily Kandinsky, den der in Leipzig geborene Künstler 1925 während seiner Studentenzeit hört, wird dabei zum Schlüsselerlebnis. Fortan beginnt Hartung ausschließlich abstrakt zu arbeiten und wird schließlich zu einem der herausragenden Vertreter des europäischen Informel. Unsere leuchtende Komposition, die Hartung in flächig breitem Duktus auf den Malgrund setzt, scheint bereits den breiten Strich späterer Kompositionen von Pierre Soulages vorwegzunehmen. War der Schritt zur abstrakten Malerei für andere Künstler oft das Ergebnis eines langen Weges der Suche, so ist sie für Hartung vielmehr die frühe Grundlage eines besonders reichen gestischen Schaffens, das bis in die 1980er Jahre reicht. Diese künstlerische Konsequenz wird Hartung in der Zeit des Nationalsozialismus allerdings zum Verhängnis, weshalb die große öffentliche Würdigung seines Schaffens erst in der Nachkriegszeit einsetzt. Seine ungegenständlichen Arbeiten finden erst dann ein aufnahmewilliges Publikum. Zudem wird seine Zugehörigkeit zur École de Paris, die in den 1950er Jahren Mittelpunkt der europäischen Avantgarde ist, besonders gewürdigt. Hartungs Bildfindungen sind freie Formen eines dynamischen Schaffensprozesses, die sich durch ihren besonderen grafischen Gestus auszeichnen. Bereits in den 1970er Jahren wird Hartungs Œuvre nicht nur in Deutschland mit einer Retrospektive im Wallraf-Richartz-Museum in Köln, sondern 1975 sogar mit einer Einzelausstellung im Metropolitan Museum, New York, geehrt. Auf der New Yorker Ausstellung werden vorrangig Arbeiten der frühen 1970er Jahre gezeigt, in denen Hartung das lineare Formenpotenzial der beiden vorangegangenen Jahrzehnte mit neuen, stärker flächig ausgerichteten Formelementen verbindet. Seine Kompositionen zeigen in dieser Zeit häufig breite, mit dem Spachtel oder breiten Flachpinseln aufgetragene Farbzonen, welche mit den feinen Liniensystemen früherer Arbeiten zu ausdrucksstarken Farbklängen verschmolzen werden. Diese flächig ausgeführte Gestik der 1970er Jahre ist aber keineswegs neu in Hartungs Œuvre, wie unsere leuchtende Komposition aus dem Jahr 1931 zeigt. Die äußerst frühe abstrakte Komposition überzeugt durch ihre progressive, flächig-gestische Bildsprache und das Element der Überlagerung, beides Stilmittel die nicht nur für Hartungs weiteres malerisches Œuvre in entscheidender Weise prägend sein werden. Hartungs Arbeiten befinden sich heute in zahlreichen internationalen Museen, u. a. im Metropolitan Museum of Art, New York, dem Museum of Modern Art, New York, und der Tate Gallery, London. [JS]
 


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Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Hans Hartung "T 1931-1"
Dieses Objekt wird regelbesteuert angeboten.

Berechnung der Regelbesteuerung:
Zuschlag bis einschließlich € 500.000: 25 % Aufgeld zuzügl. der gesetzlichen Umsatzsteuer
Zuschläge über € 500.000: Teilbeträge bis einschließlich € 500.000 25%, Teilbeträge über € 500.000 20% Aufgeld, jeweils zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer

Berechnung der Folgerechtsabgabe:
Bei Objekten, deren Künstler nicht bereits vor mindestens 70 Jahren verstorben ist, fällt eine Folgerechtsumlage i.H. von 2% zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer an.