Auktion: 512 / Klassische Moderne II am 12.12.2020 in München Lot 120002422

 
120002422
Emil Nolde
Drei Halbfiguren mit gelbem Haar und blauer Kleidung, Um 1931.
Aquarell und Tuschfederzeichnung
Schätzpreis: € 40.000 - 60.000
+
Objektbeschreibung
Drei Halbfiguren mit gelbem Haar und blauer Kleidung. Um 1931.
Aquarell und Tuschfederzeichnung.
Rechts unten signiert. Auf Japan. 17,8 x 13 cm (7 x 5,1 in), blattgroß.

• Ungewöhnlich farbkräftig erhaltenes Aquarell
• Aus der wichtigen Zeit der "Phantasien"
• Eine der Preziosen im Aquarellwerk des Künstlers
.

Mit einer Fotoexpertise von Prof. Dr. Manfred Reuther vom 15. August 2013. Das Aquarell ist in der Ada und Emil Nolde Stiftung, Seebüll, registriert.

PROVENIENZ: Privatsammlung (als Geschenk vom Künstler erhalten).
Privatsammlung Berlin (durch Erbschaft vom Vorgenannten).
Privatsammlung Niederlande.

Essay
Mit der Werkgruppe der "Phantasien" gelingt es Nolde einmal mehr sich selbst und seine Meisterschaft in der Technik des Aquarells zu übertreffen. Aus den scheinbar zufällig gesetzten Farbklecksen arbeitet er mit Tusche und Feder zeichnerisch die Umrisse der Figuren heraus. Die sehr polychrome Auffassung basiert auf einer künstlerischen Freiheit, die sich Nolde in diesen Jahren erarbeitet hat und die seinem gesamten späteren Werk ihre Prägung gibt. Der Gestaltungswille, aus dem Pinselstrich und der Farbe den Gegenstand zu formen, findet sich hier bis auf das Äußerste gesteigert. Der farbdurchtränkte Bildgrund entwickelt mit seinen sanften Übergängen eine eigene Dynamik und bedarf einer beschreibenden Zeichnung. Der Betonung des Malerischen steht das gezeichnete Motiv gegenüber und verleiht der Komposition ihren besonderen Reiz. Als Nolde erstmals 1934 die "Phantasien" bei Ferdinand Möller in Berlin präsentiert, sind sie eine Sensation, werden aber kontrovers diskutiert. Die Arbeit "Drei Halbfiguren mit gelbem Haar und blauer Kleidung" vermittelt den ganzen Zauber der originalen Farbenpracht Nolde'scher Aquarelle. Das Trio der Dargestellten in den eng aneinandergerückten Köpfen entspricht einem Kompositionsschema, das Emil Nolde bevorzugt angewendet hat. Ob Blumen, Figuren oder Porträts, Nolde sah sie gern in dieser Dreierkombination, bildbeherrschend aneinandergedrängt. Die Dichte dieser Komposition, auch in der intensiven Farbwirkung, vermittelt, trotz des kleinen Formates, eine fast gemäldehafte Wirkung, die Nolde möglicherweise angestrebt, aber in seinem späteren Werk nicht weiterverfolgt hat. Das Blatt dürfte zu den besonderen Preziosen im Aquarellwerk des Künstlers zählen, vermittelt es doch jene Authentizität der Aussage, die andere Aquarelle der Zeit aufgrund der Einwirkungen des Lichtes nur erahnen lassen. [SM]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Emil Nolde "Drei Halbfiguren mit gelbem Haar und blauer Kleidung"
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