Auktion: 514 / Evening Sale am 11.12.2020 in München Lot 226

 
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Willi Baumeister
Zwei Körperformen auf Lackgrund, 1940.
Öl und Lackfarbe auf Leinwand, auf festen Karto...
Schätzpreis: € 50.000 - 70.000
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Objektbeschreibung
Zwei Körperformen auf Lackgrund. 1940.
Öl und Lackfarbe auf Leinwand, auf festen Karton kaschiert.
Beye/Baumeister 904. Rechts unten signiert und datiert. Auf der Rahmenrückpappe mit einem Klebezettel, dort nochmals signiert sowie typografisch betitelt und bezeichnet. 44 x 34 cm (17,3 x 13,3 in).
Das vorliegende Gemälde gehört zur bedeutenden Werkreihe der "Eidos"-Bilder.
• Aus der bedeutenden Werkreihe der "Eidos"-Bilder, dem Höhepunkt in Baumeisters Entwicklung der 1930er Jahre.
• Gerade in diesen Gemälden zeigt sich durch das dynamische Überlagern von feinen Linien und amöbenartigen Formgebilden besonders schön der 'reflexive Prozesscharakter' von Baumeisters Malerei.
• Erstmals auf dem internationalen Auktionsmarkt (Quelle: www.artprice.com).
• Gemälde aus der "Eidos"-Folge befinden sich in zahlreichen Museumssammlungen, wie u. a. im Stedelijk Museum, Amsterdam, der Pinakothek der Moderne, München, der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, der Staatsgalerie Stuttgart und dem Kaiser Wilhelm Museum, Krefeld
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PROVENIENZ: Gertrud Weller, Horn/Bodensee.
Peter Weller, Stuttgart (bis 1962, Stuttgarter Kunstkabinett 3./4.5.1962. Wohl durch Erbschaft von Vorgenannter).
La Medusa, Studio d`Arte, Rom (seit 1962, Stuttgarter Kunstkabinett 3./4.5.1962, auf der Rahmenrückwand mit dem Etikett).
Galleria Alberto Valerio, Brescia (auf der Rahmenrückpappe mit dem Etikett).
Privatsammlung Italien (vom Vorgenannten erworben).

AUSSTELLUNG: Willi Baumeister, Galleria Lorenzelli, Mailand, Januar 1963 (auf der Rahmenrückpappe mit dem Etikett).
L’Arte in Occidente e la Cultura Zen. Henri Michaux, Julius Bissier, Marc Tobey, Giuseppe Capogrossi, Willi Baumeister, Brecia, La Nuova Città, Galleria d’Arte Contemporanea, 14.2.-12.3.1981.

LITERATUR: Stuttgarter Kunstkabinett Roman Norbert Ketterer, 37. Auktion, Stuttgart, 3./4.5.1962, Kat. S. 12, Nr. 22, Abb. Tafel 171.

"Der Höhepunkt in der Entwicklung der dreißiger Jahre ist mit den >Eidos<-Bildern erreicht."

Peter Beye, in: Willi Baumeister, Werkkatalog der Gemälde I, Ostfildern 2002, S. 14.

Aufrufzeit: 11.12.2020 - ca. 17.45 h +/- 20 Min.

Essay
Spielerisch leicht hat Willi Baumeister in den Gemälden, die seiner berühmten "Eidos"-Folge zuzuordnen sind, seine sich stetig wandelnden und weiterentwickelnden Formgedanken mithilfe einer Formwelt aus sich überlagernden, feinen Liniengefügen und amöbenartig über die Bildfläche wandernden Strukturen ins Bild gesetzt. 1938 setzt Baumeisters Arbeit mit dieser Motivik ein und die "Eidos"-Folge erreicht schließlich um 1940 ihren Höhepunkt. Es ist der ewige organische Prozess des Werdens und Vergehens, den Baumeister in sich trägt und in diesen faszinierenden Arbeiten in seiner gewohnt ausgewogenen Ästhetik niederschreibt. "Eidos" bezeichnet ein Urbild, das bei Baumeister aber nicht statisch aufgefasst wird, sondern einem steten Wandel unterliegt und deshalb von Leinwand zu Leinwand eine künstlerische Metamorphose durchwandert. Baumeister hat sich in dieser Zeit intensiv mit der Metamorphosenlehre, und dabei besonders mit Goethes Vorstellung des Urpflanzlichen befasst. So wie Goethe auf der Suche nach der botanischen Urform einer Pflanze war, aus der sich alle späteren Pflanzenarten entwickelt haben, so begibt sich Baumeister in seinen "Eidos"-Bildern auf die Suche nach einer künstlerischen Urform, als der zentralen Grundlage aller weiteren Formgedanken. Baumeisters wandlungsfähige Bildwelten entstehen erst auf der Leinwand, sind in Vorzeichnungen allenfalls angedeutet und finden ihre endgültige Form letztlich erst durch das Zusammenspiel aller sie bedingender Kräfte. Immer wieder experimentiert Baumeister mit der Eigendynamitk verschiedener Techniken, und so ist es in der archaisch anmutenden Komposition "Zwei Körperfomen auf Lackgrund" die spezielle Wirkung von Lackfarben, die ihn reizt. Mit diesen beginnt Baumeister ab den späten 1930er Jahren zu experimentieren, als er zusammen mit Kurt Schlemmer und anderen Künstlern in der Wuppertaler Lackfabrik Dr. Kurt Herberts ein reiches Experimentierfeld und Schutz vor dem NS-Regime findet. [JS]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Willi Baumeister "Zwei Körperformen auf Lackgrund"
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