Auktion: 508 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 12.12.2020 in München Lot 319

 
319
Carl Morgenstern
Eltville am Rhein, 1863.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 8.000 - 10.000
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Objektbeschreibung
Eltville am Rhein. 1863.
Öl auf Leinwand.
Links unten signiert und datiert. Verso auf dem Keilrahmen handschriftlich bezeichnet sowie mit altem fragmentarischen Etikett. 31 x 43 cm (12,2 x 16,9 in).

PROVENIENZ: Sammlung Dr. Eduard Franz Souchay de la Duboissière, Frankfurt (1863 als Auftragswerk direkt vom Künstler erworben, seither in Familienbesitz).

LITERATUR: Inge Eichler, "Carl Morgensterns Flusslandschaften unter besonderer Berücksichtigung seiner Rhein- und Nahelandschaften", in: Mainzer Zeitschrift, Jg. 73/74, 1979, S. 235-260, bes. S. 249 (mit Abb. Taf. 44c).

Aufrufzeit: 12.12.2020 - ca. 15.49 h +/- 20 Min.

Essay
Die Ansicht des kleinen, malerisch am Rheinufer gelegenen Städtchens Eltville genießt im Werk Carl Morgensterns nicht unerheblichen Sonderstatus. Sie ist eine der wenigen am Rhein entstandenen Motive, die - anders als ein Großteil seiner italienischen Landschaften - auf ausdrücklichen Auftrag hin gemalt wurden. So widmet sich Morgenstern der Ansicht von Eltville ein einziges Mal im Rahmen eines Auftrags des Frankfurter Senators, Politikers und Juristen Eduard Franz Souchay. Dieser ist dem Künstler seit der Überreichung einer von Morgenstern gemalten Frankfurter Ansicht für den Stadtrat seit 1850 freundschaftlich verbunden. Souchay bestellt sechs Flusslandschaften der rheinischen Gegend, unter anderem von Rüdesheim, Nassau an der Lahn und Heidelberg, eine letzte entsteht 1866 von Bacharach bei Abendbeleuchtung. Durch Erbteilung und Vermächtnisse zerstreut sich die Serie, wenigstens drei der Gemälde sind aktuell bekannt. Im Frühjahr 1863 nimmt Morgenstern am spektakulären Künstlerfest in Köln teil und macht auf der Rückreise rheinaufwärts Halt in Rüdesheim, um sich am nächsten Tag in aller Frühe nach Eltville auf Motivsuche zu begeben, wie er schreibt: „ […] fuhr heute morgen, siebeneinhalb Uhr bis Eltville, habe heute von hier allerlei gezeichnet, ist aber nicht, was ich will, muss Nachmittag einen Nachen nehmen und suchen, ob und wie ich mein Bild zusammenfinde“ (zit. nach: Inge Eichler, "Carl Morgensterns Flusslandschaften unter besonderer Berücksichtigung seiner Rhein- und Nahelandschaften", in: Mainzer Zeitschrift, Jg. 73/74, 1979, S. 235-260, S. 249). Die kompositorische Suche nimmt einige Zeit in Anspruch; so findet Morgenstern die entscheidende Formulierung wohl am Nachmittag von seinem Nachen aus, wie man dem Stand der Sonne in der Beleuchtung der Häuserfront entnehmen kann. Zu sehen sind in architektonischer Genauigkeit die Pfarrkirche St. Peter und Paul mit deren charakteristischem gotischen Turm mit barocker Haube, der Wohnturm der anliegenden Bischofsburg und Teile der neogotischen Umgestaltung. Effektvoll komponiert Morgenstern Landschaft und Architektur, indem er die höchste Erhebung des Dreibornkopfes zwischen die beiden Türme setzt. Ebenso nutzt er die Masten des Lastkahns auf der linken Seite als Repoussoir und stellt mit den kleinen Booten eine Verbindung zur Anlegestelle am anderen Ufer her, um die Weite des Rheins in vedutistischer Meisterschaft zu akzentuieren. Die Besonderheit an Morgensterns Landschaften ist dabei seine delikate, irisierende Farbgebung, die der Oberfläche einen transparenten, emaille-artigen Schmelz verleiht. [KT]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Carl Morgenstern "Eltville am Rhein"
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