Auktion: 512 / Klassische Moderne II am 12.12.2020 in München Lot 438

 
438
Karl Hartung
Weiblicher Torso, Um 1948/49.
Bronze mit brauner Patina
Schätzpreis: € 20.000 - 30.000
+
Objektbeschreibung
Weiblicher Torso. Um 1948/49.
Bronze mit brauner Patina.
Krause 412. Auf der Standfläche mit dem Nachlassstempel. Posthumer Guss aus einer Auflage von 6 Exemplaren plus 1 Künstlerexemplar. Höhe: 41,5 cm (16,3 in). [CH].

• Von der Natur inspiriertes Werk mit reduzierter Formensprache und von zeitloser Schönheit.
• Visualisierung seines damaligen künstlerischen Schaffens zwischen Figuration und Abstraktion.
• Karl Hartungs anthropomorphe Akte aus den Jahren 1948/49 zählen zu den bekanntesten Werken des Künstlers.
• Ein weiteres Exemplar dieser Bronze befindet sich in der Sammlung Deutsche Bank AG, Frankfurt am Main.
• 1957 ist Karl Hartung mit einem weiblichen "Torso" (1950) an der bedeutenden Ausstellung "German Art of the Twentieth Century" im Museum of Modern Art, New York, beteiligt
.

Wir danken dem Nachlass Karl Hartung für die freundliche wissenschaftliche Beratung.

PROVENIENZ: Nachlass Karl Hartung.
Sammlung Rauert, Hamburg (2002 vom Vorgenannten erworben).

AUSSTELLUNG: (wohl jeweils ein anderes Exemplar)
Karl Hartung, Haus am Waldsee, Berlin, 2.9.-12.10.1952, Kat.-Nr. 90.
Karl Hartung, Kestner-Gesellschaft, Hannover, 28.5.-28.6.1953, anschl. Hamburger Kunstverein, Hamburg; Museum Folkwang, Essen; Kunsthalle, Bremen, und andere, Kat.-Nr. 28.
Abstraktion Figuration. Kunst in Deutschland 1945-1955, Galerie Pels-Leusden, Berlin, 9.9.-15.11.1989.
Sommergäste, Galerie Pels-Leusden, Kampen (Sylt), 5.6.-20.8.1994, Berlin, 29.8.-9.10.1994, Kat.-Nr. 62.
Karl Hartung. Werke und Dokumente, Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg, 5.3.-1.6.1998; Georg Kolbe Museum, Berlin, 21.6.-23.8.1998; Schleswig-Holsteinische Landesmuseen, Schloss Gottorf, Schleswig, 11.10.-22.11.1998; Skulpturenmuseum Glaskasten, Marl, 6.12.1998-24.1.1999, und Gerhard-Marcks-Haus, Bremen, 31.1.-11.4.1999, Kat.-Nr. W31 (mit S-W-Abb., S. 110).

LITERATUR: (ein anderes Exemplar)
Cornelia Ewigleben und Hartwig Altenmüller, Die Sammlung Hubertus und Renate Wald, Hamburg 1998, S. 103 (mit Abb).

Aufrufzeit: 12.12.2020 - ca. 17.53 h +/- 20 Min.

Essay
Die Entwürfe zu der hier angebotenen Arbeit entstehen Ende der 1940er Jahre, zu einer künstlerisch besonders spannenden, ereignisreichen und erfolgreichen Zeit im Leben des Künstlers. Kurz nach Ende des Krieges, in der allgemeinen Stimmung künstlerischen Aufbruchs arbeitet Hartung mit großer Energie und kreativem Tatendrang an Skulpturen und Plastiken aus den unterschiedlichsten Materialien, darunter Holz, Stein, Terrakotta und natürlich Bronze. Erste Einzelausstellungen seiner Arbeiten finden in der Galerie Gerd Rosen (1946 und 1948) und in der Galerie Springer in Berlin statt. 1949 nimmt Hartung an der ersten großen Ausstellung der 1948 gegründeten internationalen Künstlervereinigung "CoBrA" im Stedelijk Museum in Amsterdam teil. 1953 ehrt ihn die Kestner-Gesellschaft in Hannover mit einer ersten großen, musealen Retrospektive. In ebendiesen Jahren ist Hartung zudem auch kunst- und kulturpolitisch sehr aktiv. So ist er 1948 zusammen mit Jeanne Mammen, Heinz Trökes u. a. Gründungsmitglied der Künstlergruppe "Zone 5" und 1949 neben Karl Hofer, Karl Schmidt-Rottluff, Bernhard Heiliger u. a. auch Mitbegründer der Künstlergruppe "Berliner Neue Gruppe". 1950 engagiert er sich für die Neugründung des 1936 von den Nationalsozialisten aufgelösten Deutschen Künstlerbundes. Heute zählt man Karl Hartung zu den zentralen Persönlichkeiten der deutschen Bildhauerei Mitte des 20. Jahrhunderts.
Zu Beginn seiner künstlerischen Laufbahn setzt sich der Künstler zunächst intensiv mit den Werken der Antike, insbesondere mit der archaischen griechischen Bildhauerei auseinander. Ab 1936 nach seinem Umzug nach Berlin und während seiner Reisen nach Paris Ende der 1930er und zu Beginn der 1940er Jahre beschäftigt sich Hartung dann auch mit dem Schaffen seiner europäischen Künstlerkollegen, darunter Aristide Maillol, Henry Moore, Jean Arp, Constantin Brancusi und Henri Laurens. Seine Kunst durchläuft in diesen Jahren einen Wandel, der parallel zu der Entwicklung der europäischen Bildhauer-Avantgarde zu setzen ist. Hartung schafft einige völlig abstrakte Arbeiten und unterzieht auch seine figürlichen Werke einer stärkeren Abstrahierung. Die menschliche Figur, ihre Formen und ihre Physiognomie bleiben das große, allumfassende Thema seines Œuvres, die Symbiose von Gegenständlichkeit und Abstraktion wird dessen künstlerischer Kern, der jeder seiner Arbeiten von nun an innewohnt.
In ihrer Balance zwischen Figürlichkeit und Abstraktion vermag die hier angebotene, formal stark reduzierte und zeitlos schöne Bronze Hartungs künstlerische Überlegungen dieser Zeit sinnbildhaft zu visualisieren. Die Abstraktion als Verfremdungseffekt, die durch die glatte, weiche und gerundete Oberfläche noch intensivierte, eindrucksvolle Materialästhetik sowie das bewusste Abweichen von Symmetrie in Haltung und Form durch das auf einer Seite stärker nach außen gewölbte Becken verleihen unserem weiblichen Torso nicht nur den Ausdruck von warmer Lebendigkeit, sondern auch ein subtiles Bewegungsmoment und den Eindruck weiblichen Selbstbewusstseins und sinnlicher Erotik. [CH]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Karl Hartung "Weiblicher Torso"
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Bei Objekten, deren Künstler nicht bereits vor mindestens 70 Jahren verstorben ist, fällt eine Folgerechtsumlage i.H. von 2,4 % inklusive der gesetzlichen Umsatzsteuer an.