Auktion: 514 / Evening Sale am 11.12.2020 in München Lot 120002599

 
120002599
Heinz Mack
Lichtfächer, 1964.
Aluminiumnetz auf Aluminiumplatte auf Holz, in ...
Schätzpreis: € 120.000 - 150.000
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Objektbeschreibung
Lichtfächer. 1964.
Aluminiumnetz auf Aluminiumplatte auf Holz, in Objektrahmen montiert.
Rechts unten mit der eingeritzten Signatur und Datierung. Verso nochmals signiert und datiert. 102 x 122 cm (40,1 x 48 in).

• Einer der ersten Lichtflügel aus der gefragten "ZERO"-Zeit.
• Großformatige Arbeit in besonders gutem Zustand.
• Das Werk entsteht im selben Jahr, als die Gruppe "ZERO" die Documenta 3 1964 bespielt und ihren internationalen Durchbruch feiert.
- Das Aluminiumgitter als stabilisierendes Material aus der Raumfahrt, erzeugt ein besonders filigranes variierendes Lichtspiel.

Mit einem Zertifikat von Heinz Mack, Mönchengladbach.

PROVENIENZ: Privatsammlung Rheinland (direkt vom Künstler).

"Ich glaube an Engel; ich glaube an geistige Energie, die das begriffliche Denken nicht erreichen kann. Darum sehe ich in Leonardo auch den überragenden Künstler, weil er ein Ingenieur war, der Engel malte."
Zit. nach Anette Kuhn, Heinz Mack, in: Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst, S. 3.

Essay
Heinz Mack, Gründungsmitglied der Künstlergruppe "ZERO" und Meister der Reduktion, hat sich seinen ganz eigenen Platz in der Kunst der Moderne gesichert. Die Bildlösungen, die er während der "ZERO"-Zeit entwickelt, bleiben für sein ganzes Werk bestehen. Die Dynamisierung der Bildfläche wird für ihn zum immanenten Bildgesetz. Mack bedient sich einer Vielzahl von innovativen Materialien, die bis dato nicht üblich in der bildenden Kunst waren, um mit Licht als Gestaltungsmittel zu experimentieren. So integriert er Aluminium und Aluminiumgitter aus der Flugzeugindustrie oder das damals noch neue Material Plexiglas in seine Bildsprache. Diese technoiden Materialien ermöglichen es ihm, intensiver als es Farbe kann, ästhetische Bewegung sichtbar zu machen. Die Oberfläche nimmt das Licht des umgebenden Raums auf, es wird reflektiert, gebrochen und intensiviert, bis sich die Materialität des Objekts auflöst. Damit bleibt die Bewegung nicht an die Bildfläche gebunden, sondern bewegt sich hin zum Betrachter. Er kann und muss mit dem Werk in Interaktion treten. Durch die künstlerische Behandlung von Licht und Schatten werden Macks Schöpfungen ihrer materiellen Grundlage enthoben und zu sich stets wandelnden Sinnenseindrücken gesteigert. Macks poetische Schöpfungen entziehen sich somit nicht nur hinsichtlich der Wahl ihres Bildgegenstandes jeglicher Form von Gegenständlichkeit, sondern lassen den Betrachter geradezu an einem metaphysischen Kunsterlebnis teilhaben. Mack beginnt "Gegenstände zu entwickeln [..], auf denen sich das Licht ganz unmittelbar niederlassen konnte. Er malt das Licht nicht ab, sondern er zwingt es, sich selbst darzustellen, mitzuwirken an der Herstellung einer bestimmten optischen Qualität. In diesen Lichtreliefs scheint das Licht gebündelt, konzentriert, verstärkt, überhöht, intensiviert, kurzum: von einer sonst nicht wahrnehmbaren Faszinationskraft. Dies betrifft übrigens Kunst- und Naturlicht gleichermaßen. In den Skulpturen von Mack wird das Lichthafte des Lichts, nicht so sehr die Beleuchtungsqualität anschaulich." (Dieter Honisch, Mack. Skulpturen 1953-1986, Düsseldorf/Wien 1986, S. 12). Im selben Jahr, in dem der Lichtflügel entsteht, gestalten Mack, Piene und Uecker einen ganzen Lichtraum für die Documenta 3. Eine sich ständig verändernde Installation aus sieben lichtproduzierenden Arbeiten, die auf einer zeitgesteuerten Plattform angeordnet sind und den Raum umkreisen. Dem Prinzip, Licht und Bewegung zum wichtigsten Ausdrucksträger ihrer Kunst zu machen, entspricht auch der Lichtflügel von 1964. Das wabenähnliche Aluminiumgitter spannt Mack in Form eines Flügels auf eine strukturierte Aluminiumplatte, dabei wird das filigrane Netz mal mehr, mal weniger aufgefächert, an einer anderen Stelle verdichtet oder etwas geknickt. So entsteht ein schillerndes Gebilde, in dem sich je nach Lichteinfall und Betrachterstandpunkt das Licht unterschiedlich spiegelt. Diese wogende fließende Vibration dieser frühen Arbeit wird noch unterstützt durch die seitlich eingearbeiteten Flügel rechts und links des Aluminiumgitters, die dem Licht die unterschiedlichsten Wirkungsflächen geben. Durch die Subtilität und Leichtigkeit der großflächigen Gitterbewegung ist Mack im Jahr seiner Documenta-Teilnahme mit der vorliegenden Arbeit ein Werk von besonderer optischer Intensität und Ausstrahlungskaft gelungen. [SM]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Heinz Mack "Lichtfächer"
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Berechnung bei Differenzbesteuerung:
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Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

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Zuschläge über € 500.000: Teilbeträge bis einschließlich € 500.000 25%, Teilbeträge über € 500.000 20 % Aufgeld, jeweils zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer

Wir bitten um schriftliche Mitteilung vor Rechnungsstellung, sollten Sie Regelbesteuerung wünschen.

Berechnung bei Folgerechtsabgabe:
Bei Objekten, deren Künstler nicht bereits vor mindestens 70 Jahren verstorben ist, fällt eine Folgerechtsumlage i.H. von 2,4 % inklusive der gesetzlichen Umsatzsteuer an.