Auktion: 508 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 12.12.2020 in München Lot 355

 
355
Carl Vinnen
Abend, 1897.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 2.000 - 3.000
+
Objektbeschreibung
Abend. 1897.
Öl auf Leinwand.
Verso auf der Leinwand signiert, datiert und auf dem Keilrahmen handschriftlich betitelt sowie mit verschiedenen handschriftlichen Bezeichnungen. 72,5 x 88 cm (28,5 x 34,6 in).

Aufrufzeit: 12.12.2020 - ca. 16.25 h +/- 20 Min.

Essay
Während seiner Studienzeit an der Kunstakademie in Düsseldorf lernt Carl Vinnen Fritz Mackensen und Otto Modersohn kennen, mit denen er 1889 den Sommer auf dem Gut seines Vaters in Osterndorf nahe Bremerhaven verbringt. Die beiden Künstlerfreunde sind gerade im Begriff, im 25 Kilometer entfernten Worpswede ihre Künstlerkolonie zu gründen, die schließlich in die Künstlervereinigung Worpswede mündet und um 1895 mit einer Ausstellung geschlossen an die Öffentlichkeit tritt. Obgleich sich Vinnen nie direkt in Worpswede niedergelassen hat, sucht er sich seine Motive oft zusammen mit den Worpsweder Künstlern in der eindrucksvollen Moorlandschaft und beteiligt sich an den Ausstellungen, so dass er zeitweise sogar als Kopf der Gruppe wahrgenommen wird. Er teilt auch deren naturmystische, kontemplative Landschaftsauffassung, die in seinem Werk jedoch in größeren Formaten von kraftvoller Farbigkeit ihren Niederschlag findet. In ruhigen, dunklen und kräftigen Farben gibt Vinnen den Blick auf das sanft geschwungene Ufer, an dem sich die kleine Moorkate mit dem Reetdach halb in den Bäumen verbirgt. Dahinter versinkt ein glühender Feuerball hinter den Hügeln. Das undefinierbare Licht des Übergangs der Dämmerung, das die Landschaft verschwommen erscheinen lässt, ist auch für Otto Modersohn, Fritz Overbeck und Paula Modersohn-Becker von größtem malerischen Interesse, was sich an den zahlreichen Landschaften mit aufgehendem, tief über dem samtig-dunklen Moor stehenden silbrigen Mond zeigt. Die träumerische Magie der Stille und Einsamkeit, in der die Natur ihr eigenes Schauspiel veranstaltet, wird für Carl Vinnen, der sich mittlerweile auf dem Gutshof Wohnung und Atelier eingerichtet hat, zum Faszinosum und sorgt für seine Anerkennung als Künstler: „Denn in diesen Werken ist eine so gewaltige Kraft der Empfindung und des Gestaltens, eine solche mächtige Pracht der Farbe, eine so herrliche Naturwahrheit, dass Vinnen sich durch sie […] als einen der größten Landschafter nicht nur, sondern als einen der hervorragendsten Maler überhaupt ausweist, die wir haben.“ (P.W., Ausstellung Worpsweder Künstler bei Eduard Schulte, Kunstchronik, Heft 12, 1901, S. 169). [KT]
 


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