Auktion: 514 / Evening Sale am 11.12.2020 in München Lot 120002669

 
120002669
Konrad Klapheck
Der verhinderte Apostel, 1992.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 80.000 - 120.000
+
Objektbeschreibung
Der verhinderte Apostel. 1992.
Öl auf Leinwand.
Verso signiert und datiert. 90 x 60,5 cm (35,4 x 23,8 in).

• Klapheck gilt als Erfinder und Meister des Maschinenbildes, das er als Spiegel menschlicher Existenz begreift
• In seinen irritierenden Bildwelten hat Klapheck seit den 1950ern nicht nur Elemente des Fotorealismus, sondern auch der Pop-Art vorweggenommen.
• Herausragendes Beispiel für Klaphecks Hinwendung zu existenziellen Bildinhalten, welchen er durch die Fokussierung auf die kleinen Dinge des Alltags in verzerrten Proportionen und surrealen Neukombinationen Ausdruck verleiht.
• Das vergleichbare Gemälde "Bekenntnis" (1989) befindet sich in der Sammlung der Hamburger Kunsthalle
.

Die Arbeit ist im unveröffentlichten Werkverzeichnis des Künstlers unter der Nummer 312 registriert. Wir danken Frau Prof. Elisa Klapheck für die freundliche Beratung.

PROVENIENZ: Galerie Lelong, Paris.
Privatsammlung Schweiz.
Schönewald Fine Arts, Düsseldorf (verso mit dem Etikett).
Galerie Jahn und Jahn, München.
Privatbesitz (vom Vorgenannten erworben).

AUSSTELLUNG: Konrad Klapheck. À l'âge de la violence, Galerie Lelong, Paris, Oktober - November 1997, Kat.-Nr. 4, mit Abb. (verso mit dem Etikett).
Konrad Klapheck. Im Zeitalter der Gewalt, Galerie Lelong, Zürich, 1998 (verso mit dem Etikett).
Konrad Klapheck - Tableaux Récents, MAMCO - Musée d'Art Moderne et Contemporain, Genua, Februar - Mai 2004.
Konrad Klapheck: Paintings, Zwirner & Wirth, New York, November - Dezember 2007, S. 115.
The Real: Three Propositions, White Cube, Bermondsey, London, Juli - September 2019 (verso mit dem Etikett).

LITERATUR: Arturo Schwartz, Konrad Klapheck, Mailand 2002, S. 160, mit Abb.
"Ich beschloß, ein ganzes System aus den Maschinenthemen aufzubauen und meine Biographie durch sie zu erzählen."
Konrad Klapheck, zit. nach: Mensch und Maschinen. Bilder von Konrad Klapheck, Bonn 2006, S. 85

Essay
Konrad Klapheck ist der Erfinder und unangefochtene Meister des Maschinenbildes. 1955 hat er sein erstes Schreibmaschinengemälde geschaffen und damit den entscheidenden Ausgangspunkt für sein weiteres Schaffen gefunden, das fortan Nähmaschinen, Bügeleisen, Wasserkessel, Telefone und andere Gegenstände des häuslichen Alltags in den Fokus rückt. Rückblickend hat Klapheck einmal festgehalten: "Mit Hilfe meiner Maschinenbilder konnte ich, ohne zu suchen, die Vergangenheit wieder finden und die Lebensprobleme der Gegenwart bewältigen. [..] Ich beschloß, ein ganzes System aus den Maschinenthemen aufzubauen und meine Biographie durch sie zu erzählen." (K. Klapheck, zit. nach: Mensch und Maschinen. Bilder von Konrad Klapheck, Bonn 2006, S. 85). Die Fokussierung auf den Alltagsgegenstand, der durch Monumentalisierung, Ausschnitthaftigkeit, Isolation und Neukombination verfremdet wird, ist nicht nur Klaphecks künstlerisches Lebensthema, sondern auch sein kunsthistorisches Alleinstellungsmerkmal, das ihn bald schon international bekannt macht. Seine einzigartige Bildsprache bleibt in Erinnerung, sie irritiert und fasziniert zugleich. Mit seinen real-surrealen Bildwelten hat Klapheck die Malerei des Fotorealismus und der Pop-Art in Teilen vorweggenommen und zugleich überwunden. Es ist diese besondere Detailschärfe und Sachlichkeit der Darstellung in Kombination mit verfremdenden Elementen und oftmals menschlich-emotionalisierenden Bildtiteln, die das Empfinden des Betrachters zwischen Nähe und Distanz oszillieren lässt. Für Klapheck steht nie allein der Gegenstand, sondern immer der durch diesen repräsentierte Mensch im Zentrum: " [..] als ich mich ausschließlich auf [..] die Maschinen, auf die kleine Technik von Haushalt und Büro konzentriert habe, bin ich natürlich [..] gefragt worden: 'Ja, Sie haben doch so entzückende Kinder, wollen Sie nicht die mal malen? Und warum klammern Sie den Menschen aus?' Und damals habe ich immer gedacht: Aber der Mensch steht doch im Zentrum meines Werkes, er ist doch das Thema! Aber ich benutze die Instrumente, deren sich der Mensch bedient. Seit der Steinzeit hat sich der Mensch Selbstbildnisse geschaffen, vom ersten Steinkeil angefangen bis zum Computer von heute. Der Mensch spiegelt sich ja in den Gebrauchsgegenständen, die er geschaffen hat." (K. Klapheck, 2002, zit. nach: Klapheck. Bilder und Texte, München 2013, S. 114). Dem sezierenden Blick des Malers auf seine alltägliche Umwelt ist nichts entgangen, und so widmet er sich gerade in seinen späteren Arbeiten verstärkt den kleinen Dingen, wie Kabeln, Ketten, Steckern und Schlüsseln. "Der verhinderte Apostel" ist ein besonders schönes Beispiel für dieses Interesse an den kleinen, vermeintlich unbedeutenden Details unseres Alltags, die - wie der Schlüssel im Schlüsselkästchen - auf Klaphecks Leinwand zu Protagonisten werden. Ausgehend von den meist weiblich-mütterlich assoziierten Haushaltsgeräten in den Arbeiten der 1950er und 1960er Jahre, finden sich später mit Fahrrädern, Motorrädern und Rollschuhen auch Erinnerungen an die eigene Jugend und die seiner Kinder in seinem Werk, bis schließlich ab den späten 1980er Jahren auch Glaubens- und Jenseitsvorstellungen Aufnahme finden. Nach dem plötzlichen Tod seiner Frau bei einem Brand malt Klapheck, der jüdischen Glaubens ist, 1988 eine rote Schreibmaschine mit hebräischen Buchstaben und benennt dieses Werk "Schmerz". Arbeiten mit den Titeln "Das Opfer", "Bekenntnis" (1989, Hamburger Kunsthalle), "Angst" und "Schicksal" folgen. Erst Ende fünfzig ist Klapheck, als er "Der verhinderte Apostel" malt, das einen angeketteten und damit nutzlos gewordenen Schlüssel im Schlüsselkästchen zeigt, den Klapheck durch den Bildtitel als den Schlüssel zum Himmelreich ausweist. Mit seinen ikonenhaften Maschinen- und Objektgemälden ist Klapheck nicht nur zum Erzähler seiner eigenen Biografie geworden, sondern auch zum Erzähler unserer kollektiven Vergangenheit. [JS]
 


Weitere Abbildungen
 
Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Konrad Klapheck "Der verhinderte Apostel"
Dieses Objekt wird regelbesteuert angeboten.

Berechnung der Regelbesteuerung:
Zuschlag bis einschließlich € 500.000: 25 % Aufgeld zuzügl. der gesetzlichen Umsatzsteuer
Zuschläge über € 500.000: Teilbeträge bis einschließlich € 500.000 25%, Teilbeträge über € 500.000 20% Aufgeld, jeweils zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer

Berechnung der Folgerechtsabgabe:
Bei Objekten, deren Künstler nicht bereits vor mindestens 70 Jahren verstorben ist, fällt eine Folgerechtsumlage i.H. von 2% zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer an.