Auktion: 508 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 12.12.2020 in München Lot 120002709

 
120002709
Karl Hagemeister
Der Schwielowsee bei Kaputh – Frühling, Um 1882.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 15.000 - 20.000
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Objektbeschreibung
Der Schwielowsee bei Kaputh – Frühling. Um 1882.
Öl auf Leinwand.
Warmt G 120. Rechts unten signiert. Verso auf dem Keilrahmen mit alten, teilweise fragmentierten Etiketten sowie handschriftlichen Nummerierungen. 80,5 x 111 cm (31,6 x 43,7 in).

PROVENIENZ: Galerie Georg Nicklas, Berlin.
Galerie Heinemann, München, Nr. 11400 (mit dem Etikett; 1912 vom Vorgenannten erworben).
Leo Spik, Berlin, Auktion 24.10.2002, Los 105.
Galerie Art 1900, Berlin.
Privatbesitz Berlin.

AUSSTELLUNG: Karl Hagemeister, Galerie Heinemann, München, 1912, Nr. 27.
Karl Hagemeister, Galerie Ernst Arnold, Dresden, 1913, Nr. 11.
Karl Hagemeister, Kunstverein Mannheim, 1914, Nr. 7.
Münchener Jahresausstellung, Glaspalast München, 1916, Nr. 782.
Prof. Karl Hagemeister, Galerie Heinemann, München, 1928, Nr. 14.

„Die Natur beobachten, in und mit ihr leben, ihre intimsten Stimmungen belauschen, das ist das große Geheimnis, das wir alle lernen müssen.“
Zit. nach: Karl Hagemeister, Kleine Selbstbiographie, Werder 1928 (Bröhan-Museum-Archiv)

Essay
Anfang der 1880er Jahre malt Karl Hagemeister zusammen mit Carl Schuch, mit dem ihn ab 1873 eine enge Freundschaft verbindet, im Seengebiet südöstlich von Potsdam. Als die beiden eine Reise nach Dresden unternehmen, um Gemälde der französischen Schule von Barbizon zu sehen, verstärkt sich der Entschluss, die Schönheit und Intimität der regionalen Landschaft in freier, unmittelbarer Weise vor dem Motiv einzufangen und in lockerem, bewegten Duktus auf die Leinwand zu bringen. In Ferch am Schwielowsee, wo sich Hagemeister schon 1877 niederlässt, obwohl er derzeitig noch zahlreiche Reisen in die Niederlande und Italien unternimmt, arbeitet er während der Besuche von Schuch mit diesem in intensiver und kreativer Symbiose. Beeinflusst von der kraftvollen Malweise vor allem des großen Vorbilds des französischen Realismus Gustave Courbet, aber auch von Wilhelm Trübner, der die breite energische Pinselschrift in Deutschland als künstlerisches Ausdrucksmittel zum Erfolg bringt, entstehen ausdrucksstarke Landschaften, in denen das Temperament der künstlerischen Handschrift sichtbar wird. Auf der Suche nach neuer Inspiration entscheidet sich Schuch 1882 nach Paris zu gehen, wohin ihm Hagemeister im Winter 1883 für kurze Zeit folgt. Die Unmittelbarkeit der Naturerfahrung ist jedoch für sein Schaffen unabdingbare Voraussetzung und neben dem in Paris ausbrechenden künstlerischen Dissens mit Schuch einer der Gründe, in die havelländische Heimatregion zurückzukehren. Dort führt Hagemeister nun inmitten der Abgeschiedenheit der Natur ein im Kontrast zum nahen Berlin gewissermaßen vorzivilisatorisches Leben und ernährt sich, außer von den Einkünften seiner Malerei, mit Jagen und Fischen. Das seenreiche, von kleinen Kanälen und Flüssen durchzogene Gebiet dient Hagemeister als Rückzugsort, in dem er gänzlich in die urwüchsige und unberührte Natur eintauchen kann. Viele der dortigen Anwohner besitzen selbst einen kleinen Kahn, so auch Hagemeister, der diesen zur Erkundung verborgener Orte im Dickicht des waldigen Gebietes nutzt. So gelingt es ihm, an jene Stellen zu gelangen, die so charakteristisch für seine Kompositionen sind: unmittelbare Aussichtspunkte in Nahsicht direkt vom niedrigen Kahn aus, über das dichte Schilf und die Gräser hinweg, verdeutlichen den Standpunkt des Malers und so auch des Betrachters direkt in der Natur, eingebettet wie die dort beheimateten Vögel, Rehe und andere Tierarten. Selten erscheinen menschliche Figuren, die zwar das Bindeglied zwischen ungebändigter und nutzbar gemachter Natur im Bild darstellen, sich in der fleckenhaft getupften Malweise jedoch nicht von der Vegetation unterscheiden. Im Variantenreichtum seiner Malweise drückt sich auch die Vielfalt der reichen Flora aus. Jedes Gras, Blättchen oder jeder Ast weist eine eigene materielle Qualität auf, die in der konturenlosen Alla-Prima-Malerei intuitiv in der Pinselführung nachempfunden wird und nicht – wie in der akademischen Landschaftsmalerei lange üblich – durch akribische zeichnerische Studien vorbereitet und anschließend mimetisch im Atelier nachzubilden versucht wird. Die Entscheidung, in stiller Einsamkeit zu malen und sich ganz in der Natur zu versenken, ist für das Schaffen und die künstlerische Entwicklung Hagemeisters von essenzieller Bedeutung. Prägend für eine solche mystifizierende Naturanschauung sind sicherlich seine Studienjahre in Weimar unter Friedrich Preller, unter dem er die letzten Züge einer romantischen Einheit von Mensch und Natur goethescher Prägung erfährt. Am Ende des industrialisierten 19. Jahrhunderts erscheint diese Suche nach ursprünglicher Harmonie wie die Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies, die in der kontemplativen Naturerfahrung ihre Erfüllung findet. [KT]
 


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