Auktion: 514 / Evening Sale am 11.12.2020 in München Lot 120002727

 
120002727
Mark Tobey
Untitled, 1969.
Tempera auf Styropor
Schätzpreis: € 90.000 - 150.000
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Objektbeschreibung
Untitled. 1969.
Tempera auf Styropor.
Links unten signiert und datiert. Auf Unterlagekarton montiert. 99,2 x 49,5 cm (39 x 19,4 in). Unterlagekarton: 123,3 x 71,6 cm (48,5 x 28,2 in).

• Eines der berühmten "White Writing"-Gemälde im "Allover"-Stil, mit denen Mark Tobey bereits in den 1930er Jahren und noch vor Jackson Pollock neue Wege einschlägt.
• Weitere Arbeiten des Künstlers aus den 1960er Jahren befinden sich u. a. in den Sammlungen des Museum of Modern Art und der Solomon R. Guggenheim Foundation in New York sowie im Fogg Museum/Harvard Art Museums, Cambridge (MA)
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PROVENIENZ: Privatsammlung Schweiz.

AUSSTELLUNG: Mark Tobey. Werke 1945-1975, Hachmeister Galerie, Münster, 17.4.-20.7.1991, Kat.-Nr. 30, S. 62f. (mit Farbabb.).
Mark Tobey. Retrospektive, Schloss Cappenberg, Selm 1996.
Mark Tobey. Temperabilder, Graphik, Kunstverein Villa Wessel, Iserlohn, 15.11.1997-18.1.1998.
Ausstellungsreihe: Schnittstellen. Westliche Moderne und die Kulturen Asiens II. (Qi Yang und Mark Tobey), Museum Villa Rot, Burgrieden-Rot, 1.4.-16.9.2001.

"Some critics have criticized me for being what they called an Orientalist and for using Oriental models for my work. But they were wrong. Because when I was struggling in Japan and China with Sumi-ink and the brush, trying to understand the calligraphy of the Far-East, I became aware that I would never be anything other than the Westerner that I am. But what I did develop there was what I call the calligraphic impulse that has opened out new horizons for my work."
Mark Tobey, zit. nach der Website des Committee Mark Tobey (CMT), www.cmt-marktobey.net/texts-from.html

Essay
Das internationale Kunstmagazin "Apollo" bezeichnet ihn 2017 als "the forgotten father of Abstract Expressionism" (Apollo online, 12.5.2017), denn Mark Tobey malt bereits in den 1930er Jahren erste "Allover Paintings", zwei Jahre bevor Jackson Pollock - der wohl berühmteste Vertreter dieser Stilrichtung - beginnt, an ersten eigenen Gemälden im "Allover"-Stil zu arbeiten. Mit diesen abstrakten, aber neuartigen Werken löst sich die Malerei nun völlig von ihrer konventionellen darstellerischen Funktion: Wie auch in der vorliegenden Arbeit liegen den Kompositionen keine figürlichen Andeutungen zugrunde, sie zeigen keine gestisch-expressiven Pinselschwünge und enthalten keinen optisch hervorgehobenen Mittelpunkt, auf den sich das Auge des Betrachters fokussieren könnte. Stattdessen fliegt der Blick ungestört über die Leinwand und über die sie wie ein kalligrafisches Netz überspannende, dynamisch-verwirbelte, kleinteilige Linien-Konstruktion.
Die Inspirationen für seine außergewöhnlichen Gebilde findet Tobey während zahlreicher Reisen und Auslandsaufenthalte. 1925 geht er zunächst nach Paris, bereist in den folgenden Jahren Frankreich und Griechenland, besucht Barcelona und Konstantinopel sowie den Nahen Osten, wo er ein Interesse für persische und arabische Schriften entwickelt. In den 1930er Jahren bereist er Marokko, die USA und den Orient und verbringt einen Monat in einem Zen-Kloster in der Nähe von Kyoto. In dieser Zeit setzt er sich besonders intensiv mit der japanischen und chinesischen Kalligrafie auseinander, in der er eine bis dato ungekannte künstlerische Freiheit, abseits von tradierten Vorstellungen von Form und Gestaltung für sich entdeckt: "Ich habe dort das empfangen, was ich den kalligraphischen Impuls nenne, der meiner Arbeit neue Dimensionen erschlossen hat." (zit. nach: www.moellerfineart.com/about/past-exhibitions/mark-tobey). Diese wichtigen Impulse verarbeitet Tobey u. a. mit Tinte und Aquarell in seinen "Sumi"-Bildern aus den 1950er Jahren. Noch deutlicher sind die Eindrücke aber schon ab Mitte der 1930er Jahre in den "White Writing"-Bildern zu entdecken, denen auch die hier angebotene Arbeit aus den 1960er Jahren zuzuordnen ist. In ihr lässt sich sowohl ein gewisser spiritueller Aspekt als auch eine beeindruckende Kraft und ähnlich flirrende Energie erkennen wie in den früheren "White Writing"-Arbeiten, was auch auf seine Studien des Zen-Buddhismus und seinen festen Glauben an die Religion der Baha'í zurückzuführen ist. "I believe that painting should come through the avenues of meditation rather than the canals of action", erklärt der Künstler in den 1960er Jahren (zit. nach: www.cmt-marktobey.net/texts-from.html).
Unser Werk entsteht auf dem Höhepunkt von Tobeys künstlerischer Karriere: 1958 vertritt er zusammen mit Mark Rothko die Vereinigten Staaten bei der 29. Biennale in Venedig und wird mit einer Goldmedaille ausgezeichnet - eine Ehre, die seit James McNeill Whistler im Jahre 1895 bis dato keinem weiteren amerikanischen Maler zuvor zuteil geworden war. 1961 wird er als erster amerikanischer Maler überhaupt mit einer Einzelausstellung im Musée des Arts Décoratifs in Paris gewürdigt. 1962 zeigt das Museum of Modern Art in New York eine Einzelausstellung seiner Werke. Beginnend mit seiner ersten Einzelausstellung in der Galerie Knoedler & Co. in New York im Jahre 1917 und Mitte der 1970er Jahre mit der großen Retrospektive in der National Collection of Fine Arts (Smithsonian American Art Museum) in Washington, DC, endend, gelingt es Mark Tobey, seinen innovativen Einfluss auf die Kunst über einen Zeitraum von acht Jahrzehnten aufrechtzuerhalten und die Kunstgeschichte damit entscheidend und nachhaltig zu prägen. Gerade in den letzten Jahren ist eine Neubewertung seiner malerischen Errungenschaften zu beobachten. Tobeys Werke sind u. a. 2016 Teil der kolossalen Blockbuster-Ausstellung "Abstract Expressionism" in der Londoner Royal Academy und 2017 in der großen Retrospektive "Mark Tobey. Threading Light" in der Peggy Guggenheim Collection in Venedig ausgestellt. Zurecht erkennt man ihn heute als absoluten Vorreiter der "Allover"-Technik und Pionier des Action-Paintings sowie als einen der Urväter des abstrakten Expressionismus in Amerika. [CH]
 


Weitere Abbildungen
 
Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Mark Tobey "Untitled"
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