Auktion: 514 / Evening Sale am 11.12.2020 in München Lot 211

 
211
Gabriele Münter
Frauenporträt, 1911.
Öl auf Malpappe
Schätzpreis: € 60.000 - 80.000
+
Objektbeschreibung
Frauenporträt. 1911.
Öl auf Malpappe.
Links unten signiert und datiert. Verso von fremder Hand bezeichnet "M13541.". 69,5 x 50,5 cm (27,3 x 19,8 in).

• Aus dem Jahr der Gründung des "Blauen Reiters", 1911.
• Gabriele Münter ist eine facettenreiche Porträtmalerin.
• Zeugnis von Münters feinem Gefühl, Persönlichkeiten einzufangen.
• Über viele Jahre in der Sammlung Herbert und Natalie Kirshner, New York
.

PROVENIENZ: Sammlung Herbert und Natalie Kirshner, New York (bis 2001).
Privatsammlung Großbritannien.

LITERATUR: Lempertz, Köln, Juni 1969, Los 547, Tafel 18 (hier als Selbstbildnis der Künstlerin betitelt).
Ketterer Kunst, 19.5.2001, Auktion 255, Los 10 m. Abb.

„Bildnismalen ist die kühnste und schwerste, die geistigste, die äußerste Aufgabe für den Künstler.“
Gabriele Münter, in: Bekenntnissen und Erinnerungen, 1952.

Aufrufzeit: 11.12.2020 - ca. 17.19 h +/- 20 Min.

Essay
Unser Porträt malt Gabriele Münter vermutlich 1911, in einer Zeit, in der sie den ersten Zenit ihres großartigen Könnens erreicht in der intensiven, für die Moderne wegweisenden Zusammenarbeit mit ihrem Lebensgefährten Wassily Kandinsky, mit Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin. Werefkins Porträt, gemalt von Münter 1909, zählt zu den Inkunabeln der Porträtkunst vor dem Ersten Weltkrieg. Münter malt in der Hochzeit der künstlerischen Ausrichtung hin zum "Blauen Reiter" neben Familienmitgliedern zumeist Personen ihrer näheren Umgebung, Künstlerinnen und Künstler aus dem erweiterten Kreis des "Blauen Reiters". Bisweilen entstehen auch wenige Selbstbildnisse, räumliche Szenen mit Kandinsky und Erma Bossi oder Jawlensky am Tisch. Der überwiegende Teil der Dargestellten in der Zeit ab 1908 ist namentlich bekannt, wie „Marianne von Werefkin“, das „Fräulein Mathilde“ oder „Olga von Hartmann“. Unser Bildnis nun zeigt eine junge Frau etwas seitlich auf einem Stuhl sitzend, in einfacher Tagestracht, hochgeschlossener Weste mit Silberknöpfen, zurückgenommenem weißen Kragen und einer hellblauen Schürze. Das Gesicht erscheint natürlich und ungeschminkt, ihr kräftiges Haar nicht aufwendig gelegt. Besonders auffallend gestaltet Münter den seitlich auf die Rücklehne aufgestützten rechten Oberarm und malt den Unterarm vom Ellbogen an bis zur lässig herunterfallenden Hand mit feinen, langen Gliedern nahezu in das Zentrum der Ansicht. Gabriele Münter fasziniert diese Hand; sie beschreibt mit dieser entspannten Haltung nicht nur einen Wesenszug der Dargestellten, es scheint, als säße eine vertraute Person der Künstlerin gegenüber.
Dennoch, wer ist die Frau, die in ihrer natürlichen, eher ernsten, jugendlichen Anmut dem Blick der Malerin ausweicht? Man spürt die Konzentration und den Moment, in dem die Anlage des Porträts entsteht, die Künstlerin das Gesicht der Frau herausarbeitet, der Kleidung nicht minder Aufmerksamkeit schenkt, den Raum mit der Wand aber mit schnellen Pinselhieben flüchtig markiert; eine mehr auf farbigen Eigenwert gestaltete Fläche.
Um 1910 malt Gabriele Münter eine Reihe von Porträts, vor allem von Frauen in mehr oder weniger ausgeprägter Frontalität mit charakteristischem Antlitz. In direktem Vergleich, so scheint es, beschäftigt sich die Künstlerin intensiv mit dieser Unbekannten, die vermutlich in Murnau ihre Nachbarschaft teilt. [MvL/EH]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Gabriele Münter "Frauenporträt"
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