Auktion: 513 / Kunst nach 1945 / Zeitgenössische Kunst II am 11.12.2020 in München Lot 41

 
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Bernard Schultze
Der Dunkle, 1986.
Bleistift- und Kohlezeichnung auf Papier, auf L...
Schätzpreis: € 6.000 - 8.000
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Objektbeschreibung
Der Dunkle. 1986.
Bleistift- und Kohlezeichnung auf Papier, auf Leinwand kaschiert.
Rechts unten signiert, datiert und betitelt sowie verso nochmals signiert, datiert und betitelt. 140 x 230 cm (55,1 x 90,5 in), fast blattgroß.
[SL].
- Bernard Schultzes Zeichnungen sind Meisterwerke, die schon in den Ausmaßen die übliche Norm von Zeichnungen sprengen und durch die Dimensionen Bildcharakter erhalten.
• Der augenblickliche Handlungsvorgang des Künstlers, das Zeichnen, ist ausgelebte Emotionalität und gibt den halluzinatorischen Moment in adäquater Weise wieder
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PROVENIENZ: Sammlung Haniel, Duisburg.

Aufrufzeit: 11.12.2020 - ca. 14.40 h +/- 20 Min.

Essay
Wir kennen Schultze als hervorragenden Koloristen und als Plastiker von surrealen Gebilden, den sogenannten "Migofs", und er widmet sich auch der Zeichnung mit der gleichen hingebenden Intensität. Seine Zeichnungen sind Meisterwerke, die schon in den Ausmaßen die übliche Norm von Zeichnungen sprengen und allein schon durch die Dimensionen Bildcharakter erhalten. Der Betrachter seiner Werke ist immer geneigt, etwas Konkretes, etwa den Ausschnitt einer Landschaft, zu entdecken oder fantastische Figurationen hineinzulesen, doch bei näherem Hinsehen bleibt die Gestaltung bei sich selbst, verweist nicht auf etwas speziell Gemeintes. Dennoch ist der Eindruck von einem gegenständlichen Zusammenhang immer gegeben, da die Formen und Gesten selbst ihren Part in der Gesamtstruktur übernehmen und ein formales Bezugssystem herstellen, hier in kräftigen Kontrasten zwischen Weiß, Grau und Schwarz.
Nun ist aber ganz offensichtlich, dass es sich bei der künstlerischen Arbeitsweise Schultzes nicht um eine Nachahmung der Natur handelt, sondern um das Gegenteil davon, nämlich um eine Analogie der Natur. Das Gewachsene, das sich in der Natur endogen entwickelt, findet sich in Schultzes Zeichnungen in den organischen Verschlingungen wieder. Der augenblickliche Handlungsvorgang des Künstlers, das Zeichnen, ist ausgelebte Emotionalität und gibt den halluzinatorischen Moment in adäquater Weise wieder. Daher auch die unvergleichliche Vielfalt der Eindrücke. Lyrisches wechselt mit Pathetischem, Nervösem, Tänzelndem, Getragenem, Ruhigem, Dynamischem. Daher auch die Dichte, Leere, Geschlossenheit, Offenheit, das Zusammenziehen und Auseinandertreiben in selbstverständlicher Simultaneität. So suggeriert der Künstler in der Zeichnung Tiefenraum, perspektivische Illusion, nur aus abstrakten Zeichen, Strukturen und Körperhaftem. Die Herrschaft der Imagination, das Fabulieren in lyrischen Improvisationen, die nichts Inhaltliches beinhalten, kennzeichnet Schultzes unverwechselbare Bildsprache. Jenseits aller Überlegung folgt der Aufbau keiner vorherbestimmten oder voraus gedachten Idee von Komposition. Vielmehr ändert sich die Führung des Strichs je nach Stimmungslage, in dem sie auf Gefertigtes reagiert und eine nahezu plastische Gestaltung imaginiert. [MvL].
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Bernard Schultze "Der Dunkle"
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