Auktion: 508 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 12.12.2020 in München Lot 363

 
363
Edward Cucuel
Spätsommer, Um 1911.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 30.000 - 40.000
+
Objektbeschreibung
Spätsommer. Um 1911.
Öl auf Leinwand.
Links unten signiert. 60 x 60 cm (23,6 x 23,6 in).

• Besonders spannende, ornamentale Komposition Cucuels in Bezug auf die Verbindung von Figur und Landschaft
• In der wichtigen Phase der künstlerischen Auseinandersetzung mit den Frauen-Porträts des "Scholle"-Malers Leo Putz entstanden
• Cucuel experimentiert hier im variationsreichen Farbauftrag mit Pinsel und Palettenmesser
.

PROVENIENZ: Sotheby's, London, Auktion 14.11.2007, Los 346 (mit Abb.).
Privatsammlung (bei vorgenannter Auktion erworben).

Aufrufzeit: 12.12.2020 - ca. 16.33 h +/- 20 Min.

Essay
Cucuel inszeniert die Modelle in seinen Bildern stets auch über die Accessoires und die Kleidung, mit der die Weiblichkeit sich umgibt: Strümpfe, Sonnenschirmchen, Bänder, blumengeschmückte Hüte, die im Sommer die Toilette komplettieren. In der spätsommerlichen Stimmung hat die Dame den ihren bereits abgenommen. Vom Spaziergang in der Sonne ist das Gesicht gerötet und sie hält am kühlen Ufer des Baches inne, den Blick sinnend auf das ruhige Wasser gerichtet. Charakteristisch für Cucuels herbstlichere Stimmungen sind dabei gerade diese unbeobachteten, nachdenklichen Momente, in denen die letzten wärmenden Strahlen die Szenerie erfüllen. Im Hintergrund haben sich Bäume und Gras bereits gelblich verfärbt. Ungewöhnlich flächig arrangiert Cucuel hier die kompakte Erscheinung der Landschaft, die sich zu nuancierten, bewegten Farbfeldern verdichtet und in der keine Details vom Farbeindruck ablenken. Die geschwungene Linie des Ufers harmoniert mit den anmutigen Linien der Bäume, die sich in der Spiegelung des Wasser fortsetzen. Die breite Pinselführung, in der sich einzelne Farbpartien gegeneinander absetzen, zeugt vom malerischen Austausch mit Leo Putz, Mitglied der Münchner Künstlergruppe „Die Scholle“, mit dem Cucuel zwischen 1909 und 1914 den Sommer bis in den Herbst im Chiemgau verbringt. Bis dahin ist er hauptsächlich als Grafiker und Illustrator für die Presse tätig gewesen, unter anderem in den 1890er Jahren in New York, nachdem er in seiner Geburtsstadt San Francisco an der Kunstakademie und in Paris an der fortschrittlichen Académie Julian studiert hatte. Den Wendepunkt in seinem Schaffen bringt vor allem die Zeit um 1911, als er sich unter dem Einfluss von Leo Putz gänzlich der impressionistischen Freiluftmalerei zuwendet. In lockerem, breiten Duktus entstehen zahlreiche Motive des sommerlichen Lebens, wobei Putz und Cucuel oftmals die Modelle und Accessoires wie den mit Blumen verzierten Florentinerhut teilen. Cucuel verwendet in Orientierung an Putz' kräftige Malweise nicht nur den Pinsel, sondern trägt die Farbe in breiten Strichen mit dem Malmesser „alla prima“ auf, wodurch seine Motive trotz der hellen, pastelligen Farben eine solide Körperlichkeit erlangen. Seine Gemälde atmen die Wärme des Sommers, den Duft der Natur, die Kühle des Wassers, und sie verhelfen ihm aufgrund dieser Sinnlichkeit zu großem internationalen Erfolg, unter anderem im Pariser Salon. Seine Werke finden noch zu Lebzeiten vor allem Eingang in amerikanische Privatsammlungen und Museen. [KT]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Edward Cucuel "Spätsommer"
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