Auktion: 518 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 17.06.2021 in München Lot 121000011

 
121000011
Karl Hagemeister
Diesiger Wintertag im Luch, 1907.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 15.000 - 20.000
+
Objektbeschreibung
Diesiger Wintertag im Luch. 1907.
Öl auf Leinwand.
Warmt G 382. Rechts unten signiert und datiert. 120 x 75 cm (47,2 x 29,5 in).

• In feinem koloristischen Nuancenreichtum macht Hagemeister in der silbrig-dunstigen Farbigkeit die geheimnisvolle Atmosphäre der Moorlandschaft erfahrbar.
• Faszinierender malerischer Ausdruck, in dem Hagemeister variantenreich von pastos zu lasierend die Landschaft modelliert.
• Besonders innerliche Landschaft, in der die Versunkenheit in das Naturerleben Hagemeisters nachvollziehbar wird.
• Bereits seit über 20 Jahren in Privatbesitz
.

PROVENIENZ: Leo Spik, Berlin, 586. Auktion, 8.10.1998, Los 100 (mit Abb.).
Privatsammlung Baden-Württemberg.

Essay
"Wenn ich in die Natur hinausgehe, und es sei auch an eine Stelle, die ich ganz genau kenne, so bin ich gar nicht imstande, mich sofort hinzusetzen und zu malen. Ich muss vielmehr immer erst längere Zeit still die Umgebung auf mich wirken lassen und mich ganz mit der Stimmung durchsättigen, die aus der gegenwärtigen atmosphärischen Verfassung sich um mich ausbreitet. Wenn ich dann den Grundton eingesogen habe, so bringe ich ihn als beherrschenden Farbakkord auf die Leinwand. Und diese Grundierung bleibt die Dominante, auf der das ganze Bild aufgebaut wird." (Karl Hagemeister, in: Hendrikje Warmt, Hagemeister, Berlin 2016, S. 29). Im havelländischen Luch, einer moorähnlichen Landschaft mit sumpfigen Wiesen und kleinen Wäldchen, fängt Hagemeister die stille, von gedämpfen Licht erfüllte Atmosphäre in abgetönter, matter Farbigkeit ein. Wie ein durchsichtiger Schleier legt sich der feuchte Dunst des stehenden Moorgewässers über die Formen, die sich im Hintergrund aufzulösen beginnen. Hagemeister versteht sich als „elementarer“ Maler, der auch Luft, Licht und Wasser einen Platz in der malerischen Wahrnehmung und Darstellung zuweist, indem den zarten durchsichtigen Nebel wie hier im pastellig-verwischten Farbauftrag erfahrbar zu machen versucht. Hagemeister selbst führt inmitten der Abgeschiedenheit des havelländischen Ferch in der Natur ein im Kontrast zum nahen Berlin gewissermaßen vorzivilisatorisches Leben und ernährt sich, außer von den Einkünften seiner Malerei, mit Jagen und Fischen. Das seenreiche, von kleinen Kanälen und Flüssen durchzogene Gebiet dient ihm als Rückzugsort, in dem er gänzlich in die urwüchsige und unberührte Natur eintauchen kann. Diese erscheint ihm als organisch wachsendes, beseeltes Wesen, über ihren Atem und die einhüllende Luft körperlich fühlbar, in deren Stille – wohl nur unterbrochen vom Rascheln einzelner herabfallender Blätter -, beruhigende Kühle und verschattetes Innere sich hier der Blick hineinbegeben kann. [KT]
 


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