Auktion: 518 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 17.06.2021 in München Lot 121000112

 
121000112
Detlev (Ditlev) Conrad Blunck
Allegorie des Sonntags, 1841.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 4.000 - 6.000
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Objektbeschreibung
Allegorie des Sonntags. 1841.
Öl auf Leinwand.
Auf dem Bibelrücken monogrammiert und datiert. 121 x 100 cm (47,6 x 39,3 in).
Im Original-Künstlerrahmen mit Grisaillen der Wochentage.

Wir danken Frau Karin Bechmann Søndergaard, Nærum, sowie Herrn Prof. Dr. Ulrich Schulte-Wülwer, Flensburg, für die freundliche wissenschaftliche Unterstützung.

PROVENIENZ: Sammlung Albert Karchow (1807-1887 ?), Berlin (direkt vom Künstler erhalten).
Seither in Familienbesitz Berlin.

Essay
Ein bisher noch nicht ausreichend gewürdigter, obgleich zentraler und bedeutender Künstler des Goldenen Zeitalters in Dänemark ist Detlev Conrad Blunck. Mit 16 Jahren nimmt er 1814 sein Studium an der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen auf, wo er die Ateliers der für diese Zeit prägendsten dänischen Künstler besucht, darunter Christoffer Wilhelm Eckersberg, Johann Ludwig Lund und Wilhelm Bendz. Obligatorisch ist im weltoffenen, an Austausch und Weiterbildung sehr interessierten akademischen Kontext nach wie vor die Reise nach Rom, die auch Blunck unternimmt, nachdem er 1827 mit der Großen Goldmedaille auch ein Stipendium erhalten hat. Sein Weg führt ihn im Auftrag Lunds über Berlin nach Dresden, wo er auf Caspar David Friedrich trifft - ebenfalls ehemaliger Student der Kopenhagener Akademie und seinem Lehrer Lund freundschaftlich verbunden -, bis er im Dezember 1828 Rom erreicht. Er findet Anschluss an die dänisch-deutsche Künstlergemeinschaft, deren Zentrum u. a. das Atelier und die Kunstsammlung des Bildhauers Berthel Thorvaldsen bildet, zu der Blunck eine Kopie von Raffaels „Madonna del Granduca“ beisteuert. Die anmutige Schönlinigkeit und das harmonische Kolorit Raffaels wird auch von den Nazarenern um Friedrich Overbeck, zu der Zeit ebenfalls in Rom ansässig, aufs Höchste bewundert. Als Thorvaldsen 1838 nach Dänemark zurückkehrt, bricht auch Blunck seinen mittlerweile fast zehnjährigen Aufenthalt ab, da sein immer wieder verlängertes Stipendium endgültig abläuft. Unter dem Eindruck nazarenischen Kunstschaffens ist es Bluncks Absicht, den dänischen König für die Förderung einer nationalen Kunst zu gewinnen, die die Ausgestaltung wichtiger Institutionen mit Fresken zum Inhalt hat. Anlässlich der Krönung Christians VIII. 1840 steuert auch Blunck ein Aquarell bei, eine erste Version der Allegorie des Sonntags (H. M. Dronningens Håndbibliotek, Amalienborg, Kopenhagen, vgl. Karin Bechmann Søndergaard, Blunck, Nivå 2017, S. 178). Den Kontakt zum Königshaus setzt er fort in seinen Entwürfen für einen großformatigen Fresken-Zyklus der Menschenalter, ursprünglich zur Ausgestaltung von Schloss Christiansborg bestimmt (1840-45, Statens Museum for Kunst, Kopenhagen). Nachdem er 1841 wohl in Zusammenhang mit seiner Homosexualität des Landes verwiesen wird, wird Berlin neben Wien zum Aufenthaltsort. In diese Schaffensperiode großer Allegorien menschheitsgeschichtlichen und religiösen Inhalts fällt auch unser Werk. Bereits Lund, Thorvaldsen und Eckersberg hatten sich für eine Erneuerung der religiösen Malerei eingesetzt und zahlreiche Altarbilder geschaffen. Kennzeichnend für diese Strömung ist die fast schon hyperrealistische Behandlung von Stofflichkeit, die das Allegorische gleichsam zur greifbaren Realität werden lässt. Herausgelöst aus erzählerischen Zusammenhängen, laden die Szenen zur persönlichen, religiös empfindsamen Meditation ein. Auch unser Werk scheint aufgrund seines Formates und des prachtvollen Rahmens eher für einen öffentlichen als einen privaten Kontext gedacht zu sein. In ihrer Botschaft zielt unsere Allegorie auf die Pflichten allgemeiner bürgerlicher Religiosität. Bekleidet mit einem Messgewand, schwebt ein Engel über einer weiten Ideallandschaft, in der die kastigen Doppeltürme entfernt an die der Broager Kirke an der Flensburger Förde denken lassen. Die heilige Sonntagspflicht wird vor dem transzendent blauen Himmel mit den drei anmutigen Engeln inszeniert: Links ruhen Schwert, Hacke und Spaten mit einem hauchfeinen Spinnennetz, der Lobpreis Gottes in Musik und Gebet wird durch die Attribute der beiden weiteren Engel veranschaulicht. Faszinierend ist neben der harmonischen, an Raffael geschulten Dreieckskomposition und dem Verweis auf den Klassizismus Thorvaldsens mit seinem Relief „Die Nacht“ (1815) allerdings auch die technische Ausführung im akribischen Materialrealismus. Rötliche Reflexe auf dem weißen Gewand mit den goldenen Stickereien und Juwelen sowie die von feinsten bläulichen und gelben Nuancen durchzogenen weichen Flügel lassen das Werk zu einem Seherlebnis werden, das geradezu in langer Kontemplation studiert werden will. Das Gemälde kommt damit seiner Funktion als Andachtsbild sowohl in religiöser als auch visueller Hinsicht nach. In den kleinen Grisaillen des kunstvollen Rahmens erläutert Blunck zudem die Herkunft der anderen Wochentage aus römisch antiker Mythologie, der Samstag wird als heiligster jüdischer Tag mit den Gesetzestafeln Moses symbolisiert. Damit reiht Blunck die Allegorie zusätzlich in eine Chronologie der Religionen ein, als deren eschatologischer Endpunkt das Christentum zu verstehen ist. In solch kunstvoller Vereinigung des Sinnlich-Stofflichen mit dem Ideell-Gedanklichen folgt Blunck dem hohen Anspruch nazarenischer Sinnbildkunst. Deutlich wird zudem der zugrunde liegende fruchtbare kulturelle und künstlerische Austausch zwischen Deutschland, Dänemark und Italien, der im Goldenen Zeitalter der dänischen Malerei derartige Werke hervorbringt. [KT]
 


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