Auktion: 517 / Moderne Kunst II am 18.06.2021 in München Lot 121000154

 
121000154
Albert Birkle
Merlin, 1921.
Tempera auf festem, leinwandstrukturiertem Malk...
Schätzpreis: € 40.000 - 60.000
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Objektbeschreibung
Merlin. 1921.
Tempera auf festem, leinwandstrukturiertem Malkarton, auf Holz kaschiert.
91 x 60 cm (35,8 x 23,6 in). [JS].

• Eines der seltenen expressiv-überzeichneten mythisch-religiösen Motive in Birkles Œuvre.
• Vor Birkles berühmter und heute verschollener "Kreuzigung" (1925) entstanden, die den Körper Christi ebenfalls in äußerster Überzeichnung inszeniert.
• Wunderbares Beispiel für Birkles expressiv-überzeichnete Formgebung der frühen 1920er Jahre und seine Idealisierung der Einheit von Mensch und Natur.
• Ausgestellt 2018/19 in der Überblicksschau "Magic Realism. Art in Weimar Germany 1919-33" in der Tate Modern, London.
• Birkles sezierend klare Malerei der Weimarer Zeit gehört zu den spektakulären Wiederentdeckungen des Kunstmarktes
.

Wir danken Roswita und Viktor Pontzen, Archiv und Werkbetreuung Albert Birkle, Salzburg, für die wissenschaftliche Beratung. Die Arbeit ist im internen Werkkatalog unter der Nummer "101" verzeichnet.

PROVENIENZ: Privatbesitz Berlin (1920er Jahre).
Galerie Ambiente, Freiburg (1995).
Galerie Dr. Sternat, Wien (1996/97).
Galerie Weilinger, Salzburg (1999).
Privatbesitz Österreich (bis 2008).
Privatsammlung Europa (seit 2008).

AUSSTELLUNG: Frühjahrsausstellung 1922, Verein Berliner Künstler im Berliner Künstlerhaus in der Bellevuestraße, Berlin 1922.
Magic Realism. Art in Weimar Germany 1919-33, Tate Modern, London, 30.7.2018-14.7.2019 (mit Abb. S. 86, Titel: Der Eremit).

LITERATUR: Vgl. Silvia Kraker, Albert Birkle, Diss. phil, Innsbruck 1992, Kat.-Nr. 722 (eine motiv- und formatgleiche Kohlezeichnung, betitelt "Merlin II").
Im Kinsky, Jubiläumsauktion. Alte Meister, Bilder des 19. Jahrhunderts, Klassische Moderne, Wien, 14.10.2008, Los 379 (mit Abb.).

Essay
Hineingeboren in eine Familie Kunstschaffender weist Albert Birkle bereits als Kind ein herausragendes künstlerisches Talent vor. Als Jugendlicher erfährt er durch Berichte von Wehrdienstpflichtigen von der Brutalität des vorherrschenden Krieges, die im Gegensatz zu den öffentlichen Bekanntmachungen stehen. „Schon als Gymnasiast hatte ich begonnen, über das Unsinnige nachzudenken und bis tief in die Nacht hinein über Geschichtswerken zu grübeln.“, schreibt Birkle 1960 in seinen Erinnerungen. Verfestigt in seiner Kriegsgegnerschaft setzt sich der Künstler für die Verbreitung der Antikriegspublikation „Vorwärts“ ein. Zusammen mit den revolutionären Geschehnissen in den Jahren 1918/19 nimmt Birkle seine gesellschaftliche Mitverantwortung als Künstler war und schreibt sich in der Berliner Akademie ein. Vor dem Hintergrund seiner politischen Einstellung und tiefer Auseinandersetzung mit dem vorherrschenden Regime, ist ein metaphorischer Bildgehalt durch das gesamte Œvre des Künstlers als intellektueller, sowie persönlicher Charakterzug festzustellen.
Die Motivwahl in unserem Gemälde - ein farbkräftiger Wald in magischer Stimmung – in Zusammenhang mit dem Titel könnte sich auf die Ruhestätte Merlins in dem fiktiven Wald „Borcéliande“ aus mittelalterlichen Texten beziehen. Der erzählerische Reichtum, die durch die vielen kleine Details im Gemälde zum Ausdruck kommen, zeigt die ausgeprägte Beobachtungsgabe des Künstlers. Die steile Diagonale des Hochformates zieht die Darstellung in einen karikaturistische Form bei der Ausdruck vor anatomischer Richtigkeit gesetzt wird. Das umschließende Astwerk im Bildrand erschafft eine Bildzelle, die das Augenmerk auf das Hauptthema des Werkes lenkt und einen bedeutsamen ruhigen Moment zwischen dem Dargestellten und dem Tier kreiert. Die überzeichnete Zerbrechlichkeit des alten, nackten und mageren Mann in gebeugter Haltung vereint sich zu einer Anziehung, die der Hirsch mit dem Kopf in seinem Schoß erliegt. So zeigt diese beeindruckende Arbeit das künstlerische Schaffen Birkles „zwischen verträumter Romantik und lärmiger Expressivität“ (Rohrmoser, 1980, o.S.). [CS]
 


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