Auktion: 517 / Moderne Kunst II am 18.06.2021 in München Lot 121000158

 
121000158
Carlo Mense
Selbstbildnis, 1918.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 18.000 - 24.000
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Objektbeschreibung
Selbstbildnis. 1918.
Öl auf Leinwand.
Drenker-Nagels 34. Rechts unten signiert. Auf dem Keilrahmen handschriftlich bezeichnet "Selbstbildnis". 45,5 x 34 cm (17,9 x 13,3 in). [SM].

• Eindringliches Selbstporträt im typischen Stil der Neuen Sachlichkeit.
• Eine geheimnisvoll faszinierende Aura umgibt den Dargestellten.
• Teil der Ausstellung "Magic Realism. Art in Weimar Germany 1919-1933", 2018/19 in der Tate Modern in London
.

PROVENIENZ: Privatsammlung Rheinland-Pfalz (seit 1985).
Galerie Berinson, Berlin (verso mit dem Etikett).
Privatsammlung Europa (seit 2009).

AUSSTELLUNG: Carlo Mense, Von der Heydt-Museum, Wuppertal, 10.10.-12.12.1993.
Magic Realism. Art in Weimar Germany 1919-33, Tate Modern, London, 30.7.2018-14.7.2019, Ausst.-Kat. mit Abb. S. 13.

LITERATUR: Van Ham, Köln, Auktion 31.5.2006, Los 422.
"Was sonst um mich vorgeht interessiert mich wenig, und andere noch weniger, ist ja immer dasselbe. Die Hauptsache [ist], daß gute Bilder gemalt werden."
Mense in seiner Autobiografie 1920, zit. nach: Klara Drenker-Nagels Carlo Mense. Sein Leben und sein Werk von 1909 bis 1939, Köln 1993, S. 13

Essay
An dem Werk Carlo Menses lässt sich die Entwicklung der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts in Deutschland ablesen. Am Anfang seiner Schaffensphase befand er sich ab 1911 in „den Stürmen des Expressionismus“ (Ertel 1960, S. 5), von welchen sich Mense ab 1918 zunehmend abwendet. Nun zählt für ihn vor allem die Hinwendung zu beruhigenden Formen. Zuvor aufgesplitterte Formgefüge mit verkürzter tiefenräumlichen Wirkung werden nun sanft und in einzelnen Körpern und Figuren voneinander abgehoben dargestellt. Der Wandel zu einer Formsprache der Neuen Sachlichkeit ist Antwort auf die schrecklichen Erfahrungen während des Krieges und das Scheitern revolutionärer Bestrebungen. Das Interesse an Einzelbildnissen neuer selbstbewusster Bürger zeigt sich in Menses neusachlichen Porträts. Dieses Selbstbildnis weist einen Einfluss veristischer Werke von H. M. Davringhausen und George Grosz auf. Bereits in Frühjahr 1917 kam Mense bei einem Kennenlernen in Berlin mit Arbeiten seiner beiden Kollegen in Kontakt. Stilistisch sehr ähnlich zu Menses Gemälde der „Trinker“ von 1918/19 malt der Künstler sich in unserem Gemälde letztendlich selbst. Daraufhin entstehen innerhalb weniger Jahre eine Reihe von Selbstbildnissen und gegenseitigen Porträts von H. M. Davringhausen und Mense. Die Szenerie ist, wie in fasten allen Werken aus dieser Zeit, in ein nächtliches Dunkel getaucht. In der dämonisch-transzendenten Farbigkeit fällt vor allem ein leichter Lichteinfall auf. Schlaglichtartig werden die Gesichtszüge mit einer surrealen Komponente freigelegt, wodurch der Dargestellte geheimnisvoll, fast marionettenartig inszeniert wird. So entsteht ein eindrucksvolles und faszinierendes Selbstporträt. [CS]
 


Weitere Abbildungen
 
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