Auktion: 520 / Evening Sale am 18.06.2021 in München Lot 370

 
370
Emil Nolde
Dahlien und Rudbeckien, Um 1935/1940.
Aquarell
Schätzung:
€ 70.000
Ergebnis:
€ 100.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Dahlien und Rudbeckien. Um 1935/1940.
Aquarell.
Rechts unten signiert. Auf Japan. 27,8 x 23 cm (10,9 x 9 in), blattgroß.

• Aus der Sammlung des ehemaligen Folkwang Museumsdirektors Ernst Gosebruch.
• Als Geschenk des Künstlers erhalten, seitdem in Familienbesitz.
• Erstmals auf dem internationalen Auktionsmarkt angeboten
.

Mit einer Fotoexpertise von Prof. Dr. Manfred Reuther, Klockries, vom 4. Mai 2021. Das Aquarell ist unter der Nummer "Nolde A - 208/2021" im Archiv Reuther gelistet.

PROVENIENZ: Dora und Ernst Gosebruch, Essen/Berlin/München (als Geschenk des Künstlers).
Irmgard Gosebruch, Brüssel.
Privatsammlung (als Geschenk der Vorgenannten, seit 1993).

Essay
„Vor der Natur waren meistens die vollen, satten Farbenklänge meine Freude. Doch auch zuweilen bewegten mich die zarten und zartesten Vorgänge […] jedes Bild durch den Wert und Klang seiner Farben kann eine seelische Erregung entfachen […] Farbe ist Kraft. Kraft ist Leben“, so Emil Nolde am Ende der ersten Dekade in seiner tagebuchartigen Niederschrift „Mein Leben“ (Köln 1993, S. 333). Auch die vorliegende Arbeit beweist diese Passion des Malers. Die Zusammenstellung von Dahlien und Sonnenhut (Rudbeckia) sind zwar von der Blüte her gesehen sehr unterschiedlich, aber hier von Nolde mit Meisterhand zu einem prächtigen Bouquet vereint: Aus dichten, vollmundig roten Dahlienblüten ragen die dünnen, gräserartigen Halme heraus mit den kontrastreichen Farben der Blüte in Gelb und Blau. Beide Blumenarten lieben das starke Licht der Sonne, das Nolde im Hintergrund der farbenprächtigen Blüten inszeniert. Die nahsichtig wiedergegebenen Blütenblätter pulsieren in ihren unterschiedlichen Nuancen und entfalten vor dem neutralen Hintergrund jene geheimnisvolle Leuchtkraft, die nur Nolde zu erreichen vermag. Dieses Aquarell fasziniert nicht nur wegen seiner prachtvollen Erscheinung, denn auch die Provenienz dieses bezaubernden Blumenaquarells birgt eine intensive Lebensgeschichte: die langjährige Freundschaft zwischen dem Künstler Emil Nolde und dem Museumsmann Ernst Gosebruch. Im Sommer 1909 besucht Gosebruch Noldes in Alsen. „Drei meiner schönsten Ausstellungen sind im Essener Kunstverein und im Folkwang gewesen“, so Nolde in „Jahre der Kämpfe“ (zit. nach: Emil Nolde, Mein Leben, Köln 1993, S. 223). Gosebruch nimmt die erste Ausstellung in Essen 1910 zum Anlass, das Gemälde „Blumengarten: Stiefmütterchen“ für die Sammlung zu erwerben und erhält noch einige druckgrafische Blätter Noldes zur Auswahl. Bei dieser Gelegenheit erwirbt er auch für sich persönlich den „Buchsbaumgarten". Und Gosebruch engagiert sich weiter für Nolde: Es folgt eine kleine Präsentation grafischer Blätter im Jahr 1911/12, gefolgt von einer Ausstellung mit Gemälden im Januar 1913 und einer weiteren umfangreichen Präsentation 1922. Und als die Hagener Sammlung nach dem Tod von Karl Ernst Osthaus 1921 auf Betreiben von Ernst Gosebruch für die Stadt Essen angekauft und mit der ebenfalls seit 1906 bestehenden Städtischen Kunstsammlung Essens vereint wird, erhält der Umfang und die Qualität von Noldes Werk im Folkwang nochmals eine damals einzigartige Erweiterung: „Für seine schöne Folkwangsammlung hätte Karl Ernst Osthaus keinen feinsinnigeren Nachfolger erhalten können“, resümiert Nolde in „Mein Leben. Jahre der Kämpfe“. Der erste Neubau des neuen Museum Folkwang an der Bismarckstraße wird im Juli 1927 mit der vierten umfangreichen Nolde-Ausstellung aus Anlass des 60. Geburtstages eröffnet. Nolde und Gosebruch pflegen also eine nachhaltige Freundschaft und gegenseitige Bewunderung.
Als die Nationalsozialisten im Sommer 1937 auch das Museum Folkwang mit ihrer Säuberungsaktion heimsuchen, Ernst Gosebruch wird bereits im September 1933 entlassen, besitzt kein anderes Museum eine derart umfangreiche Werkübersicht dieses Künstlers mit rund 500 Werken. Gosebruch übersiedelt nach seiner Entlassung nach Berlin und hält Kontakt nicht nur zu Nolde, sondern auch zu anderen Künstlern wie zu Ernst Wilhelm Nay. Das Aquarell mag ein Geschenk des Künstlers in alter Verbundenheit an Gosebruch gewesen sein aus Anlass von dessen 70stem Geburtstag im Jahr 1942. [MvL]
370
Emil Nolde
Dahlien und Rudbeckien, Um 1935/1940.
Aquarell
Schätzung:
€ 70.000
Ergebnis:
€ 100.000

(inkl. 25% Käuferaufgeld)