Auktion: 520 / Evening Sale am 18.06.2021 in München Lot 121000519

 
121000519
Antoni Tàpies
Dos X sobre cartón, 1972.
Mischtechnik auf Karton, auf Holz
Schätzpreis: € 70.000 - 90.000
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Objektbeschreibung
Dos X sobre cartón. 1972.
Mischtechnik auf Karton, auf Holz.
Augustí 2473. Links unten signiert. Ca. 74,5 x 104 cm (29,3 x 40,9 in). [SM].

• Antoni Tàpies gehört zu den bedeutendsten spanischen Künstlern des 20. Jahrhunderts.
• In den 1960er Jahren entwickelt er eine innovative und unverwechselbare Bildsprache, die u. a. Schrift und Zeichen sowie die Verwendung von Alltagsgegenständen beinhaltet.
• Kraftvolle Präsenz durch die haptische Materialeigenschaft des Werkes.
• Im Entstehungsjahr wird Tàpies neben Archipenko, Calder, Giacometti und de Kooning in der Ausstellung "From Venus to Venus" in der Galerie Beyeler präsentiert
.

PROVENIENZ: Galerie Maeght, Paris.
Christie’s, London, 1988.
Privatsammlung.

Essay
Heute gilt Antoni Tàpies’ vielfältiges und exemplarisches Werk längst als eine der markantesten und einflussreichsten schöpferischen Leistungen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Und keinem zeitgenössischen Künstler ist es gelungen, der anorganischen Materie eine solche Leichtigkeit zu verleihen wie ihm in den letzten Jahrzehnten. Tàpies’ Bilder sind eindringlich, ihre schiere Präsenz ist unmittelbar, die gestischen Markierungen ein Bestandteil seines kreativen Prozesses, geprägt von einem Spannungsverhältnis zwischen den eingesetzten Materialien. Tàpies zeigt eine besondere Affinität zu profanen, alltäglichen Materialien und zu Objekten, die von Abnutzung gezeichnet und zu assemblageartigen Kompositionen verbunden sind, die zugleich rätselhaft provokativ und enorm anregend erscheinen. Und dabei verleiht die Tatsache, dass der Künstler in seinen Bildern auf mimetischen Illusionismus weitgehend verzichtet und sich fast ausnahmslos auf die Eigenschaften der verwendeten Materialien stützt, diesen eine bemerkenswert konkrete Aussage wie hier: Zweimal X in kräftigem Pinselstrich verbindet Tàpies mit einem eleganten Bogen. Einen Rest des abgerissenen, fest geschichteten, gelblichen Kartons fixiert der Künstler theatralisch mit Sand, gestische Emotionen, im Prozess verankert, sind über die Arbeit in ausgleichender Tendenz verteilt. Mit dieser Geste ist Tàpies einer der avantgardistischen Künstler, die Anfang der 1970er Jahre innovative, bescheidene wie triviale Materialien einsetzen und revolutionäre Wege in den bildenden Künsten begehen, wie etwa auch Piero Manzoni, dessen provokante Experimente die Arte-Povera-Bewegung auslösen, die von Joseph Beuys inszenierten, bald die Kunstszene dominierenden Aktionen bestimmen, oder Jannis Kounellis ermöglichen, mit unverfälschten Materialien allmählich die Grenzen der Bildebene, die Grenze zwischen Leben und Kunst zu überwinden. Tàpies’ Beschäftigung mit seiner Wirklichkeit lässt ihn immer wieder Fragmente von Objekten aufbringen, wie hier ein kleines Detail aus dem abgerissenen Verlust des Kartons. Der mit Sand fixierte Kartonschnipsel enthält die Anspielung einer Collage und verleiht zudem der Arbeit eine wahrhaft magische Wirkung. Auch wenn dieses Werk sich relativ einfach lesen lässt, so ist eine Verbindung zwischen den mit schnellem Pinsel aufgetragenen Zeichen und dem Ort der Klebung nicht zwingend. Tàpies’ Werke fordern stets heraus, den Inhalt und ihren Nennwert zu bestimmen und dann auch richtig zu lesen. Die Herangehensweisen können vielschichtig sein und bisweilen nicht zum Ziel führen. Dennoch ist das Suggestionspotenzial im Zusammenspiel von Emotionalem und Rationalem in Tàpies‘ Bildwelten kennzeichnend gegeben. [MvL]
 


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Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Antoni Tàpies "Dos X sobre cartón"
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