Auktion: 520 / Evening Sale am 18.06.2021 in München Lot 333

 
333
Hermann Max Pechstein
Rote Häuser, 1922.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 200.000 - 300.000
+
Objektbeschreibung
Rote Häuser. 1922.
Öl auf Leinwand.
44,3 x 60,8 cm (17,4 x 23,9 in).
Das gleiche Sujet findet sich auch in einem signierten und datierten Aquarell von 1922. (Lit.: Zwischen Tradition und Moderne. Ölbilder, Zeichnungen, Graphik, Plastik, Katalog 38, Galerie Rosenbach, Hannover 1988, Kat.-Nr. 162)
Zur Frage der Monogrammierung "MP" verweist Frau Prof. Dr. Aya Soika in ihrem kunsthistorischen Gutachten darauf, dass eine Reihe von Werken mit nachträglichen "Signaturen" oder "Monogrammen" bekannt sind, die wohl nicht von der Hand des Künstlers stammen.
• 2016 wird das hier angebotene Gemälde in einer amerikanischen Privatsammlung entdeckt.
• Das ebenfalls in Leba entstandene, titelgleiche Gemälde "Rote Häuser" (1923) befindet sich in der Sammlung des Sprengel Museums, Hannover.
• Spannungsvoll leuchtende Komposition, die vom Gegensatz zwischen der Ruhe der menschenleeren Szenerie und der Dynamik des heraufziehenden Gewitters getragen wird.
• Stark abstrahierte Auseinandersetzung mit der Motivik des roten Fischerhauses in weiter Natur.
• Die Motivik der roten Häuser begeistert Pechstein seit seinen ersten Aufenthalten an der Nord- und Ostsee und ist ein beliebtes Motiv der "Brücke"-Künstler
.

Mit einem kunsthistorischen Gutachten von Frau Prof. Dr. Aya Soika, Berlin, vom 18. Juli 2016.

PROVENIENZ: Robert und Ruth Reichman(n), Berlin und New York.
Martin und Lola Lesser, geb. Reichman, New York.
Privatsammlung New York (durch Erbschaft -2016).
Privatsammlung Hessen (seit 2016, vom Vorgenannten erworben).

LITERATUR: Ketterer Kunst, Auktion Klassische Moderne I, 10.12.2016, Los-Nr. 221.
".. neue Landschaft, neue Menschen, ich habe mich hineingefressen .. dazu habe ich das Ackerland hinten, also ein bedeutend breiteres Arbeitsfeld als in Nidden .."
Hermann Max Pechstein, 1921, zit. nach: Aya Soika, Max Pechstein, Bd. 1, S. 73.

Aufrufzeit: 18.06.2021 - ca. 18.06 h +/- 20 Min.

Essay
Die Aufenthalte in Leba in Pommern waren für Pechsteins malerisches Schaffen von prägender Bedeutung. Nach eigener Aussage fühlte sich Pechstein der dortigen Landschaft und ihren Menschen besonders verbunden. Im Gegensatz zum hektischen Berlin der Jahre nach dem Ersten Weltkrieg scheint Pechstein hier das ersehnte Ideal eines friedvollen Lebens gefunden zu haben. Hier lernt der Künstler auch seine zweite Frau Marta Möller kennen, die Tochter des Besitzers einer kleinen Strandunterkunft, in welcher sich Pechstein gemeinsam mit seiner ersten Frau Lotte einquartiert hatte. Der Künstler und seine Frau hatten sich in Leba sozusagen "überkreuz" in die beiden Kinder ihrer Gastwirte verliebt und somit auch privat eine Zeit des Umbruchs eingeleitet. Pechstein heiratete die damals gerade 18-jährige Marta Möller schließlich nach der Scheidung von Lotte im September 1923 und Lotte vermählte sich später mit Martas Bruder Hermann. Diese Aufbruchsstimmung und die Ursprünglichkeit dieses für ihn neuen, nahezu unberührten Landschaftseindrucks prägt sein malerisches Schaffen dieser Zeit in einer besonders reichen Weise.
Die summarisch-kompakten Formen basieren auf dem Formengut des Expressionismus und entwickeln diese aber zugleich in Richtung einer stärker abstrahierten und flächiger aufgefassten Formensprache weiter. Die kompositorische Nähe zu einem datierten Aquarell gleichen Sujets ist verblüffend und lässt wunderbar die Arbeitsweise Pechsteins nach den ihn in Leba umgebenden ländlichen Motiven nachvollziehbar werden. Vermutlich ist die intensive Auseinandersetzung Pechsteins mit diesem Motiv, das er auch noch in dem Gemälde "Rote Häuser im Schnee mit Windmühle" (Standort unbekannt) und in "Rote Häuser" (1923, Sprengel Museum, Hannover) aus anderer Perspektive und Jahreszeitenstimmung festgehalten hat, der spannungsvollen Gruppierung der kleinen roten Fischerhäuser geschuldet. Pechstein hat auch bereits während seiner früheren Aufenhalte in Dangast und Nidden geradezu als Ausgleich zum hektischen Berliner Großstadtleben immer wieder Fischerhäuser in der weiten, unberührten norddeutschen Küstenlandschaft gemalt. In "Rote Häuser" scheint die idyllische Ruhe der stark abstrahiert aufgefassten, ländlichen Motivik durch ein aufziehendes Gewitter ins Wanken zu geraten, was Pechstein durch sich teils schwarz-grau verdichtende Wolkenformationen meisterlich ins Bild gesetzt hat. Die vermeintliche Ruhe ist trügerisch und so kann "Rote Häuser" auch als künstlerisches Sinnbild des zeitgleich heraufziehenden privaten Umbruches gelesen werden. [JS]
 


Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Hermann Max Pechstein "Rote Häuser"
Dieses Objekt wird regelbesteuert angeboten.

Berechnung der Regelbesteuerung:
Zuschlag bis einschließlich € 500.000: 25 % Aufgeld zuzügl. der gesetzlichen Umsatzsteuer
Zuschläge über € 500.000: Teilbeträge bis einschließlich € 500.000 25%, Teilbeträge über € 500.000 20% Aufgeld, jeweils zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer

Berechnung der Folgerechtsabgabe:
Bei Objekten, deren Künstler nicht bereits vor mindestens 70 Jahren verstorben ist, fällt eine Folgerechtsumlage i.H. von 2% zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer an.