Auktion: 518 / Kunst des 19. Jahrhunderts am 19.06.2021 in München Lot 121000636

 
121000636
Wilhelm Leibl
Bildnis Frau Auguste Mayr, 1891.
Öl auf Holz
Schätzpreis: € 60.000 - 80.000
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Objektbeschreibung
Bildnis Frau Auguste Mayr. 1891.
Öl auf Holz.
Waldmann 1914 197. Rechts oben signiert und datiert. Verso mit diversen Etiketten sowie handschriftlicher Widmung des Künstlers. 22,2 x 20,5 cm (8,7 x 8 in).
Im Originalrahmen.
• Lange Zeit als verschollen gegoltenes Meisterwerk Leibl'scher Porträtkunst.
• Sehr persönliches Bildnis der Gattin des für Leibl wichtigsten Biografen und Freundes.
• Das Bildnis ihres Gatten Julius Mayr befindet sich im Museum Georg Schäfer, Schweinfurt, Heim der bedeutendsten Privatsammlung deutscher Kunst des 19. Jahrhunderts.
• Ausdrucksstarke und einfühlsame Darstellung in technisch variantenreicher, meisterhaft beobachtender und zugleich freier Malweise.
• Ehemals Teil der einige der herausragendsten Porträts von Wilhelm Leibl umfassenden Sammlung Max Böhm, als deren Glanzstück dieses Werk 1931 beim Verkauf hervorgehoben wird
.

PROVENIENZ: Sammlung Dr. Julius und Auguste Mayr, Rosenheim/Brannenburg am Inn (1891 als Geschenk des Künstlers - spätestens 1912).
Kunsthandlung Bernhard B. Heyde, Berlin (1914).
Sammlung Max Böhm, Berlin (spätestens Juni 1930-28.1.1931, Rudolph Lepke, Berlin, 28.1.1931).
Sammlung Theodor Johannsen, Wedel (1931 vom Vorgenannten erworben).
Seither in Familienbesitz.

AUSSTELLUNG: Große Berliner Kunstausstellung, 1.5.-29.9.1895, Kat.-Nr. 1003 (mit dem Etikett).
15. Ausstellung der Berliner Secession, Berlin, 1908, Kat.-Nr. 126.
27. Ausstellung der Berliner Secession, Berlin, Okt.-Dez. 1915, Kat.-Nr. 99 (mit Abb.).
Sammlung Max Böhm, Preußische Akademie der Künste, Berlin, Juni-Juli 1930, Kat.-Nr. 17.

LITERATUR: Dr. Julius Mayr, Wilhelm Leibl. Sein Leben und sein Schaffen, Berlin 1906, S. 116 (mit Abb. S. 121).
Alfred Lichtwark, Briefe an die Kommission für die Verwaltung der Kunsthalle (Band 2), hrsg. von Gustav Pauli, Hamburg 1923, S. 475 (Brief vom 30.11.1912: Angebot wohl durch Heyde an die Kunsthalle Hamburg).
Julius Mayr, W. Leibls Bildnisse des Herrn und der Frau Dr. Mayr, in: Zeitschrift für bildende Kunst, Neue Folge, 24. Jahrgang 1913, S. 113-115 (mit Abb. S. 115).
M. Eisenstadt, Vorbericht zur Auktion Sammlung Max Böhm, in: Kunst und Künstler, Jg. 29, Heft 4, 1. Jan. 1931, S. 176.
Max Bøhms samling af det 19. aarhundredes førende tyske kunstnere, in: Samleren: kunsttidskrift, Nr. 4, April 1931, S. X.
Rudolph Lepke's Kunst-Auctions-Haus Berlin, Sammlung Max Böhm. Mit Vorwort von Dr. Max Osborn, Versteigerung am 28. Januar 1931, Nr. 17.
Neuere deutsche Gemälde. Ihre Bewertung auf der Versteigerung Böhm, Preisberichte, Auktion Rudolf Lepke Sammlung Max Böhm, in: Weltkunst, Jg. V, Nr. 5, 1. Feb. 1931, S. 2, 6.
Ventes étrangères, Collection Max Böhm, in: Beaux-arts, 8ème année, 1. Feb. 1931, S. 9.
Alfred Langer, Wilhelm Leibl, Leipzig 1961, S. 76.
Götz Czymmek (Hrsg.), Wilhelm Leibl zum 150. Geburtstag, Heidelberg 1994, S. 398.
Klaus-Joachim Klose, Dr. Julius Mayr, in: Walter Leicht (Hrsg.), Rosenheim wird Stadt - Die goldenen Jahre 1864-1914, Rosenheim 2014, S. 133.
"Hier und da male ich in 1-2 Tagen die Köpfe meiner wenigen Bekannten hier a la prima; das sind sicher die lebendigsten und besten Sachen, welche mir gelingen."
Wilhelm Leibl an Kayser, 3.11.1890.

Essay
Lange Zeit galt das Porträt von Auguste Josefine Ludovika Mayr, geb. Hiedl (1855 Passau - 1932 Brannenburg), als verschollen. Dabei blickt es auf eine bewegte und prestigeträchtige Geschichte zurück und wurde schon kurze Zeit nach seiner Entstehung als eines der gelungensten Porträts von Wilhelm Leibl angesehen. Nach dem Studium in München und einer Reise nach Paris, wo er die Malerei Edouard Manets und Gustave Courbets studieren kann, kehrt Leibl nach München zurück. Ab ca. 1870 formiert sich der Leibl-Kreis mit Wilhelm Trübner, Carl Schuch, kurz auch Hans Thoma, die sich am Courbet’schen kraftvollen Pinselstrich und dessen Auflösung der Stofflichkeit hin zum Reinmalerischen orientieren. Wenige Jahre später zieht sich Leibl aufs Land zurück und malt ab Anfang der 1880er Jahre in Bad Aibling in Oberbayern. Dort beginnt die Freundschaft zwischen dem Ehepaar Mayr und den Malern Wilhelm Leibl, Johann Sperl und Max Liebermann. Auguste, Tochter eines Landrichters aus Passau, und Julius Friedrich Mayr (1855-1935) heiraten 1880 und bekommen zwei Töchter, Helene und Luise. Julius praktiziert 1887-1897 als Arzt in Rosenheim und ist dort sehr engagiert im Alpenverein. Daneben betätigt er sich als Schriftsteller von Erzählungen sowie Gedichten und gibt schließlich 1906 die erste umfassende Biografie zu Leibl heraus, die lange Zeit als Standardwerk zum Künstler gilt. Leibl malt kurz nacheinander die Porträts der beiden, dasjenige von Julius Mayr befindet sich heute im Museum Georg Schäfer, Schweinfurt. Mayr schreibt hierzu: „Die Aiblinger Zeit füllen ferner manch kleinere Studien und Porträts aus. Unter den letzteren befindet sich auch das Porträt des Verfassers, das in zwei Tagen vollendet wurde. Die scheinbar unverbundenen Pinselstriche wachsen je älter das Bild wird, umso mehr zusammen und machen allmählich Leibls Wort nach der Vollendung wahr: 'Gib acht, das Bild bekommt eine Patina'“ (zit. nach: Julius Mayr, Wilhelm Leibl. Sein Leben und sein Schaffen, Berlin 1906, S. 116). Die schnelle, kraftvolle Pinselschrift Leibls, die Stofflichkeit nicht nachmodelliert, sondern diese in der Farbe entstehen lässt, ist auch im Porträt von Auguste erkennbar, das sie als feine Dame mit Hut zeigt - eine spätere biografische Skizze ihres Mannes nach ihrem Tod trägt den Titel „eine bürgerliche Frau von Adel“. So ist Leibl beim Erscheinen von Auguste im Atelier in Bad Aibling hocherfreut über ihren eleganten und kleidsamen Aufzug in heller Bluse mit schwarzem Samtkragen, schwarzem federgeschmückten Hut und roter Korallenbrosche. Mayr ist hinsichtlich des Porträts seiner Frau davon überzeugt, „[..] dass Wilhelm Leibl in seinem Leben wohl vieles Größere, aber wenig Schöneres gemalt hat. Lebensfrisch und vornehm, die Farben unglaublich in einander vertönend, ohne sichtbaren Pinselstrich sieht es aus als wäre es lebendiges Fleisch und Blut, man weiß nicht wie es entstanden ist. Auf dasselbe paßt, was Ludwig Speidel über Leibl sagt: 'Er stellt gediegene, glatte Gußflächen von so feinem Korn hin, dass sie in ihrer dichten Geschlossenheit den letzten technischen Aufschluß verweigern' Das Bild wurde in zwei Tagen, am 7. und 8. Juli vollendet, der Künstler arbeitete mit seltener Hingebung und Freude, und als das Köpfchen fertig war, stand er wie immer, wenn ihm etwas gefiel, die eine Hand mit der anderen trauend, still lächelnd davor, und sprach sein bekanntes Wort: 'das ist das allerbeste, was ich je gemacht habe', vielleicht hatte es dieses Mal eine gewisse Berechtigung. Das Bildchen ist eine Perle Leiblscher Kunst“ (ebd., S. 116) - allerdings widmet Leibl das Bild eigenhändig auf der Rückseite am 7. und 8. Juni. Als das Porträt schließlich in die Sammlung von Max Böhm gelangt, ist dies für den Sammler sein ganzer Stolz: „Von Leibl konnte ich nur sechs hervorragende Werke erwerben, da solche fast vollkommen vom Bildermarkt verschwunden waren und es wohl kaum einem Privatsammler gelang, selbst diese Anzahl aufzubringen.“ Als seine hochkarätige Sammlung deutscher moderner Malerei schließlich 1931 versteigert wird, erzielen die drei Kopf-Porträts von Leibl die deutlich höchsten Preise, als Glanzstück der Sammlung wird sogar international das Porträt von Auguste Mayr hervorgehoben. Ihr Mann verstirbt nur drei Jahre nach ihrem Tod, beide sind auf dem Friedhof in Rosenheim begraben. Verewigt sind die beiden in den zwei Portraits, die, "so klein sie sind, [..] die vollendete und konzentrierte Leibl-Kunst" repräsentieren (zit. nach Julius Mayr, W. Leibls Bildnisse des Herrn und der Frau Dr. Mayr, in: Zeitschrift für bildende Kunst, N.F., 24.Jg, 1913, S. 115, hier auch ausführliche Schilderung des Entstehungsprozesses). [KT]
 


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