Auktion: 519 / Kunst nach 1945 / Zeitg. Kunst II am 19.06.2021 in München Lot 421

 
421
Joseph Beuys
Goldhase, Um 1982.
Goldbronzespray auf Karton
Schätzung:
€ 35.000
Ergebnis:
€ 43.750

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Goldhase. Um 1982.
Goldbronzespray auf Karton.
Unten signiert. 60,5 x 44 cm (23,8 x 17,3 in).

• Das Motiv dieses Hasen taucht auch auf den "Hasensteinen" auf.
• Joseph Beuys ist einer der bedeutendsten Künstler der deutschen Nachkriegszeit.
• Der Hase - für Beuys ein Tier mit Energiefunktion.
• Unikat
.

PROVENIENZ: Galerie Heinz Holtmann, Köln.
Sammlung Sal Oppenheim.

LITERATUR: 10 Jahre Sammlung Sal.Oppenheim 1997-2007, S. 418, Abb. S.71.
"Der Hase ist das Element der Bewegung, der Aktion, der den starren Kunstbegriff ändert. Dann ein Bewohner von Eurasien, der über alle Grenzen hinweggeht und sogar mit der Berliner Mauer fertig wird. Damit hängt die Idee der großen Einheit zusammen, die von Mitteleuropa ausgeht"
Joseph Beuys im Abendzeitung-Gespräch vom 15.11.1985.

Essay
Schon in seiner Aktion "Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt" in der Galerie Schmela, Düsseldorf, am 26.11.1965, verbindet Joseph Beuys die Farbe Gold mit dem Hasen. Beuys’ Kopf ist damals mit Blattgold, Goldstaub und Honig bedeckt. Sein Kopf, das wertvolle, gedankenbildende Zentrum des Menschen und Künstlers, ist mit dem edlen Metall kenntlich gemacht. Der Hase nimmt damals die Position des Betrachters ein; wohingegen die realen Betrachter:innen (= Ausstellungsbesucher:innen) auf der Straße vor dem Schaufenster bleiben müssen und noch keinen Einlass erhalten. Der Hase taucht in Zeichnungen, Aktionen und Multiples von Joseph Beuys immer wieder als wichtiges Bindeglied des Verständnisses auf. In Verbindung mit Gold etwa in seiner Aktion auf der documenta 7 in Kassel im Jahr 1982, als Joseph Beuys eine getreue Kopie der goldenen Zarenkrone Iwans des Schrecklichen einschmilzt und in die Gussform eines Schokoladenosterhasens gießt, es entsteht ein "Hase mit Sonne".
Die Silhouette des schnell rennenden Hasen, wie sie hier zu sehen ist, begegnet uns auch auf den "Hasensteinen". Der Hase rennt und ist in seiner Schnelligkeit und Wendigkeit charakterisiert. Joseph Beuys sieht darin die geistige Beweglichkeit des Denkens und Wollens verkörpert. Eigenschaften, die im Verständnis des Künstlers für die Errichtung einer sozialen Plastik unabdingbar sind: Nur wer in seinem Denken beweglich und nicht verkrustet ist, kann Neues schaffen. Dieser Gedanke erscheint banal, in der deutschen Gesellschaft der Nachkriegszeit haben verkrustete, festgefahrene Gewohnheiten und Strukturen jedoch noch einen ganz anderen Beigeschmack als heute. Eine Neubelegung der Symbolik von Gold in Abtrennung vom Kapitalgedanken findet auf derselben Ebene statt. Es wird durch seine Wandelbarkeit des Zustandes ein prädestiniertes Material für Beuys, es kann geschmolzen oder fest, flächig oder gesprüht, massiv oder flüssig, kalt oder warm sein. Es ist nicht primär der materielle Wert, der interessiert, auch wenn die tradierte Würde und Erhabenheit des Materials immer mitschwingt. [EH]
421
Joseph Beuys
Goldhase, Um 1982.
Goldbronzespray auf Karton
Schätzung:
€ 35.000
Ergebnis:
€ 43.750

(inkl. 25% Käuferaufgeld)