Auktion: 520 / Evening Sale am 18.06.2021 in München Lot 308

 
308
Karl Hofer
Zwei Mädchen am Tisch, 1923.
Öl auf Leinwand
Nachverkaufspreis: € 140.000
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Objektbeschreibung
Zwei Mädchen am Tisch. 1923.
Öl auf Leinwand.
Wohlert 540. Rechts unten signiert (in Ligatur). 73 x 89,5 cm (28,7 x 35,2 in).

• Ein Kunstwerk mit Geschichte: Ehemals in Museumsbesitz (Nationalgalerie Berlin).
• 1928 Teil der ersten großen Hofer-Retrospektive in der Kunsthalle Mannheim.
• In einem für die Figurendarstellungen des Künstlers sehr seltenen Format.
• In charakteristischer Manier monumentalisiert Hofer hier die Intimität und Melancholie der Dargestellten
.

PROVENIENZ: Nationalgalerie, Berlin / Kronprinzen-Palais, Berlin (1924 direkt vom Künstler erworben, bis 1937).
Staatsbesitz (1937 vom Vorgenannten beschlagnahmt, EK-Nr. 12082, bis 1940).
Bernhard A. Böhmer, Güstrow (1940 durch Tausch vom Vorgenannten erworben, bis 1945).
Nachlass Bernhard A. Böhmer, Güstrow (1945).
Sammlung Wilma Zelck, Rostock/Berlin/Hamburg (1945-1953/54, in Verwaltung des vorgenannten Nachlasses).
Sammlung Peter B. Böhmer, Hamburg (1953/54 durch Übernahme von der Vorgenannten, bis mindestens 1956).
Privatsammlung Hamburg (vor 1958 erworben, seitdem in Familienbesitz).

Es bestehen keine Restitutionsansprüche.

AUSSTELLUNG: Karl Hofer. Das gesammelte Werk, Städtische Kunsthalle, Mannheim, 9.9.-21.10.1928, S. 10, Kat.-Nr. 65.
Karl Hofer. Gemälde, Bad Godesberg, April 1965, Kat.-Nr. 7 (mit dem Titel "Zwei Mädchen am Fenster" und der Datierung "1925").
Karl Hofer, Schloss Cappenberg, Selm, 19.9.-15.12.1991, S. 84 (Nr. 182).
Willi Baumeister und Karl Hofer. Begegnung der Bilder, Museum der bildenden Künste, Leipzig, 19.12.2004-27.2.2005, S. 203 (mit Farbabb., S. 64, Abb.-Nr. 2).

LITERATUR: Zweihundert Bilder der Nationalgalerie, erworben 1910-1925 von Ludwig Justi, Berlin 1926 (mit Abb., Nr. 161).
Verzeichnis der Gemälde und Bildwerke in der Nationalgalerie zu Berlin, Berlin 1926, S. 47, Kat.-Nr. 1471 u. Verzeichnis 1928, S. 52, Kat.-Nr. 1471.
Ludwig Justi, Von Corinth bis Klee, Berlin 1931, S. 144 (mit Abb., Nr. 72).
Anni Paul-Pescatore, Verzeichnis der Gemälde und Bildwerke der Neuen Abteilung im ehemaligen Kronprinzen-Palais, Berlin 1933, S. 12, Kat.-Nr. 1471.
Stuttgarter Kunstkabinett R. N. Ketterer, 25. Auktion, Stuttgart 1956, S. 47, Kat.-Nr. 366 (mit Abb., Tafel 16, verso auf Keilrahmen mit dem handschriftlich bezeichneten Etikett. Eingeliefert von Wilma Zelck, ohne Zuschlag).
Datenbank Beschlagnahmeinventar Aktion "Entartete Kunst", EK-Nr. 12082.
Die Weltkunst, 26.1956, H.22 (15. Nov.), S. 39 (mit Abb., Datierung "1925").
Franz Roh, "Entartete" Kunst, Hannover 1962, S. 130.
Alfred Hentzen, Die Entstehung der Neuen Abteilung der Nationalgalerie im ehemaligen Kronprinzen-Palais, in: Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz 1972, Köln/Berlin 1973, S. 44.
Friedegund Weidemann, Katalog der Staatl. Museen zu Berlin, Berlin 1976, S. 94.
Annegret Janda, Die Gemälde und Bildwerke der Expressionisten im ehemaligen Kronprinzen-Palais, in: Das Schicksal einer Sammlung, Berlin 1986, S. 21, 41, 45 (mit unterschiedlichen Titeln), NA Berlin 1988, S. 38, 41, 76 u. 83 (mit Abb., S. 41).
Bernhard Gervink, Bilder von tiefem Ernst, in: Westfälische Nachrichten (Münster), Nr. 220, 21./22.9.1991 (mit Abb.).
Hans Kinkel, Mann in Ruinen, in: FAZ Nr. 268, 18.11.1991, S. 36 (mit Abb.).
Annegret Janda, Kunst in Deutschland 1905-37, Staatl. Museen zu Berlin 1992, S. 119, Nr. 173 (mit Abb.).
Annegret Janda u. Jörn Grabowski, Kunst in Deutschland 1905-37. Die verlorene Sammlung der Nationalgalerie, Berlin 1992, Abb. S. 119, Kat.-Nr. 173.
Katrin Engelhardt, Die Ausstellung "Entartete Kunst" in Berlin. Rekonstruktion und Analyse, in: Uwe Fleckner (Hrsg.), Angriff auf die Avantgarde. Kunst und Kunstpolitik im Nationalsozialismus, Berlin 2007, S. 89-188. hier S. 172.
Meike Hoffmann (Hrsg.), Ein Händler "entarteter" Kunst. Bernhard A. Böhmer und sein Nachlass, Berlin 2010, Kat.-Nr. II.147.
"Seine Figuren drängen sich aneinander, wie um sich gegenseitig Schutz zu geben, mit furchtsamen, ahnungslosen oder introvertiert abwartendem Ausdruck."
Ausst.-Kat. Karl Hofer. Von Lebensspuk und stiller Schönheit, Hamburg 2012, S. 90.

Essay
Im Entstehungsjahr der hier angebotenen Arbeit befindet sich Karl Hofers Karriere auf einem ersten Höhepunkt. Nach einiger Zeit im Gefangenenlager in Carnac Plage in der Bretagne und mehreren Jahren in Zürich und im Tessin kehrt er 1919 in sein Heimatland zurück. 1922 wird er an die Berliner Kunsthochschule berufen, 1923 wird er Mitglied der Preußischen Akademie der Künste, es folgen erste Ausstellungen an der Akademie der Künste und in der Galerie Flechtheim in Berlin. Seine Arbeiten aus dieser Schaffensphase zeugen von einer sachlichen, reifen Malweise. Der Fokus seines Kunstschaffens liegt auf der Darstellung des Menschen, er schreibt: "[..] das Zentralproblem der bildenden Kunst ist und bleibt der Mensch und das Menschliche" (zit. nach: Ausst.-Kat. Karl Hofer. Von Lebensspuk und stiller Schönheit, Hamburg 2012, S. 126.).

"Die große Leistung Karl Hofers liegt zweifelsohne im Figurenbild", schreibt Dr. Frank Schmidt, damaliger Direktor der Emdener Kunsthalle, 2012 im Katalog zur Ausstellung "Karl Hofer. Von Lebensspuk und stiller Schönheit" (S. 92). Insbesondere seine Frauenfiguren, oftmals weibliche Akte, bestimmen das gesamte Œuvre des Künstlers. Das Motiv der sich innig umarmenden Frauen beschäftigt Hofer bereits in früheren Arbeiten, bspw. 1906 in "Zwei Frauen vor dem Meer" (Stiftung Oskar Reinhart, Winterthur). Doch erst in den 1920er Jahren widmet er sich dem Sujet intensiver. Neben einigen Darstellungen sich umarmender Männer (bspw. "Zwei Freunde" im Städel Museum, Frankfurt am Main) entstehen auch Aktdarstellungen sich umarmender Frauen (heute u. a. Teil der Sammlungen der Hamburger Kunsthalle, "Freundinnen", 1923/24, und der Staatsgalerie Stuttgart, "Zwei Mädchen", 1922). In unserer Arbeit hat der Künstler die Nacktheit und die seinen Figuren oftmals innewohnende skulpturale Starrheit jedoch zugunsten einer stärkeren Menschlichkeit und gesteigerten Melancholie des Ausdrucks aufgegeben. In tiefer, inniger Zugewandtheit treten die sich zärtlich berührenden Figuren vor dem dunklen Hintergrund und in einer nächtlichen Atmosphäre klar und deutlich hervor. Mit der hier spürbaren, nahezu greifbaren Intimität, Melancholie und Verletzlichkeit der Dargestellten erlangt Hofer hier eine selten erreichte Monumentalität, die ihn als Meister der Figuration in der deutschen Kunst des frühen 20. Jahrhunderts ausweist. [CH]
 


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