Auktion: 520 / Evening Sale am 18.06.2021 in München Lot 366

 
366
Emil Nolde
Meer mit roten Wolken und dunklen Seglern, Um 1935/1940.
Aquarell
Schätzung:
€ 80.000
Ergebnis:
€ 87.500

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung
Meer mit roten Wolken und dunklen Seglern. Um 1935/1940.
Aquarell.
Rechts unten signiert. Auf feinem Japan. 31,1 x 44,5 cm (12,2 x 17,5 in), blattgroß.
[SM].
• Aus der Fernsicht eingefangene Meeresdarstellung in kontrastreichen Primärfarben.
• Die Dramatik des Himmels bestimmt die Komposition.
• Atmosphärische Abendstimmung mit raffinierter Spiegelung des Wolkenspiels
.

Mit der Kopie einer Fotoexpertise von Prof. Dr. Manfred Reuther, Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, vom 23. Dezember 2008.

PROVENIENZ: Privatsammlung Mannheim.
Privatsammlung.

LITERATUR: Grisebach, Berlin, 184. Auktion, 27.5.2011, Los 7.
"Die Wolken am hohen Himmel sind die eigentlichen Akteure in diesem flachen Land am Meer. Die Natur bietet ihm die Bilder wie auf einer riesigen Bühne, der Wolkenhimmel wird zur erregenden Szene [..]"
Martin Urban, zit. nach: Martin Urban, Emil Nolde. Landschaften. Aquarelle und Zeichnungen, Köln 1969, S. 28.

Essay
Das Meer mit roten Wolken und dunklen Seglern ist hier von Emil Nolde in Szene gesetzt als flammendes, dramatisches Aufleuchten eines Abendhimmels über dem Meer. Noldes bildhafte Festlegung zeigt seine erfahrene Sicht auf eine Wirklichkeit, deren Relativität und Komplexität von einem sinnlichen Begreifen zunehmend abgelöst ist und sich die unmittelbare Realität des Bildes einer Meerlandschaft in Brechung und Trübung auflöst. Die Farben also beschreiben hier so direkt die Helligkeit des Motives, nicht eine fassende Linie verordnet das Geschehen auf dem Wasser, auf dem sich ein ‚Eindruck‘ der roten Wolke spiegelt wie in Nebelinseln. Die schwarzen Segler nehmen Kurs in Richtung Horizont, der wie eine gelbe Linie das Blatt in eine himmlische und eine meerische Ebene teilt. Nolde artikuliert sich über die Farbe, ihre Leuchtkraft oder Brechung und Trübung, die Schichtungen durchdringen das Papier. Die Farbe ist Noldes sinnlichstes Medium, mit dem er spontan und emotional Erfahrenes und Gesehenes, Vergangenes und Gegenwärtiges, seine inneren Bilder visionär mit vollgetränktem Pinsel und wie hier in Flecken und Verläufen nass in nass ausbreitet. Mit diesem Motiv „Meer mit roten Wolken und dunklen Seglern“ zeigt Nolde ein Lehrstück für die Besonderheit des bildnerischen Verfahrens der Wasserfarben, in dem nicht nur eine versierte Technik Voraussetzung ist, sondern ein ausgeprägter Sinn für die Situation, für ein besonderes Licht, für eine emotionale Atmosphäre, für ein inneres Glücksgefühl. Noldes immer wieder gelebte Individualität ist die Basis seiner künstlerischen Bildsprache: „Der Maler braucht nicht viel zu wissen, schön ist es, wenn er unter instinktiver Führung so zielsicher malen kann, wie er atmet, wie er geht“, bekennt er. Es ist die Unmittelbarkeit, mit der Nolde seinen Bildern jene unverwechselbare, originäre Seele einhaucht und damit jene bezaubernde Einheit mit dem Motiv zu erreichen sucht. [MvL]
366
Emil Nolde
Meer mit roten Wolken und dunklen Seglern, Um 1935/1940.
Aquarell
Schätzung:
€ 80.000
Ergebnis:
€ 87.500

(inkl. 25% Käuferaufgeld)