Auktion: 530 / Evening Sale / Sammlung Hermann Gerlinger am 10.06.2022 in München Lot 54

 

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Emil Nolde
Sonnenblumen, Um 1930/1935.
Aquarell
Schätzpreis: € 80.000 - 120.000
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Sonnenblumen. Um 1930/1935.
Aquarell.
Links unten signiert. Auf Japan. 34 x 45,7 cm (13,3 x 17,9 in), blattgroß.

• Ein besonders qualitätvolles Blatt im großen Format.
• Für Nolde sind Blumen "beseelt", besonders die Sonnenblumen mit ihrer menschlichen Physiognomie sind für ihn Träger starken expressiven Ausdrucks.
• Vituoses Zusammenspiel von filigraner Zartheit und geballter Leuchtkraft
.

Mit einer Fotoexpertise von Prof. Dr. Manfred Reuther vom 14. März 2022. Das Aquarell ist unter der Nummer "Nolde A - 232/2022" im Archiv Reuther registriert.

PROVENIENZ: Galerie Günther Franke, München (direkt beim Künstler erworben).
Privatsammlung Süddeutschland (wohl in den 1950er Jahren vom Vorgenannten erworben, in Familienbesitz bis 2012).
Galerie Paffrath, Düsseldorf.
Privatsammlung Norddeutschland.

AUSSTELLUNG: Hommage à Günther Franke. Museum Villa Stuck, München 1983, Kat.-Nr. 163, Abb. S. 107.

LITERATUR: Hauswedell & Nolte, Hamburg, Moderne Kunst, 437. Auktion, 6.6.2012, Los 35.

"Die Sonnenblumen steigen so hoch empor und ich, mit rückwärts gebeugtem Nacken, stehe der Schönheit dankbar, staunend davor. Es waren hier eine Reihe schönster Tage, kaum faßbare Farben glühten, und der Resaduft wird getragen bis ins Haus."
Emil Nolde in einem Brief an Hans Fehr 1928.

Aufrufzeit: 10.06.2022 - ca. 18.46 h +/- 20 Min.

Es muss eigentlich nicht betont werden, dass die Aquarelle Emil Noldes maßgeblich durch die Auswahl und Qualität ihrer reinen und unverfälschten Farben bestechen. Auch das vorliegende Blatt vermag in seiner Strahlkraft einen ganzen Raum einzunehmen. Emil Nolde liebte Pflanzen und erkannte sie in seinem Wesen. Egal wo er sich mit seiner Frau Ada niederließ, jedes Heim war von einem üppigen Blumengarten umgeben. Jeder ein kleines Eden durchzogen von köstlichen Blumenbeeten. All die leuchtenden Gewächse, die man auf Noldes Bildern findet, gediehen dort unter der sorgsamen Pflege Adas und ihrer Helfer. Besonders Dahlien – zu Noldes Zeiten als Georginen bezeichnet – Sonnenblumen und Mohn finden sich im Garten der Noldes. In seinen Werken nimmt er uns mit in diesen wunderschönen Garten, der von Sommer und frischer Luft erzählt. Die Sonnenblumen finden anfangs kaum Eingang in Noldes Bilderwelt. Erst in den späten 1920er Jahren entstehen die ersten Ölgemälde mit Sonnenblumen, angeregt vom Garten in Seebüll. Die vielfältigen Aquarelle mit diesem Motiv schließen sich an. Meist in dichter Nahansicht sind die großen Blütenköpfe vor das dunkle Blau des Himmels gesetzt, mal mit geneigtem Kopf, mal mit vom Wind zerzausten Blütenblättern. Die Blumen sind groß in Szene gesetzt, meist in engem Bildausschnitt, so dass sie sich kaum in den räumlichen Zusammenhang des Gartens bringen lassen. Aber aus seinen zahlreichen Äußerungen wissen wir um die unerschöpfliche Inspirationsquelle seiner heimischen Umgebung. In den 1930er Jahren ließ der Künstler in seinem Garten ein kleines reetgedecktes Gartenhaus erbauen, das er "Klein-Seebüllchen" nannte und ihm als Unterstand diente, als er noch im hohen Alter mit seiner Maltasche, in der verschiedene Farbnäpfe und Pinsel verstaut waren, hier in rascher Folge Blumenaquarelle aufs Japanpapier brachte. Die Technik der Aquarellmalerei kommt Noldes Bestreben nach Spontanität und unmittelbarem Ausdruck entgegen. In seinem Schaffen strebt er, den hemmenden Verstand auszuschalten und rein intuitiv aus der Emotion heraus zu arbeiten: "Der Maler braucht nicht viel zu wissen, schön ist es, wenn er unter instinktiver Führung so zielsicher malen kann, wie er atmet, wie er geht." (Emil Nolde, Jahre der Kämpfe, S. 201). Ohne jegliche Vorzeichnung in Bleistift oder Kreide arbeitet der Künstler direkt mit dem Aquarellpinsel. Er bannt den Farbakkord seiner Blüten in das genässte Japanpapier und lässt so die Aquarellfarbe in ihrer Reinheit mit dem Papier eine innige Verbindung eingehen. Es ist eine zutiefst sinnliche Interpretation, in der die Brillanz der Farben und deren unverfälschtes reines Leuchten oberste Priorität genießen. [SM]



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Emil Nolde "Sonnenblumen"
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Auf die Summe von Zuschlag und Aufgeld wird die gesetzliche Umsatzsteuer, derzeit 19 %, erhoben. Als Ausnahme hiervon wird bei gedruckten Büchern der ermäßigte Umsatzsteuersatz von derzeit 7 % hinzugerechnet.

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Berechnung der Folgerechtsvergütung:
Für Werke von Künstlern die vor weniger als 70 Jahren verstorben sind, fällt gemäß § 26 UrhG eine Folgerechtsvergütung in folgender Höhe an:
4% des Zuschlags ab 400,00 Euro bis zu 50.000 Euro,
weitere 3 % Prozent für den Teil des Zuschlags von 50.000,01 bis 200.000 Euro,
weitere 1 % für den Teil des Zuschlags von 200.000,01 bis 350.000 Euro,
weitere 0,5 Prozent für den Teil des Zuschlags von 350.000,01 bis 500.000 Euro und
weitere 0,25 Prozent für den Teil Zuschlags über 500.000 Euro.
Der Gesamtbetrag der Folgerechtsvergütung aus einer Weiterveräußerung beträgt höchstens 12.500 Euro.

Die Folgerechtsvergütung ist umsatzsteuerfrei.