Auktion: 525 / Evening Sale am 10.12.2021 in München Lot 236

 

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Piero Manzoni
Achrome, 1960-1962.
Mischtechnik. Nylonfaser, auf mit weißem Samtst...
Schätzpreis: € 180.000 - 240.000
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Achrome. 1960-1962.
Mischtechnik. Nylonfaser, auf mit weißem Samtstoff umschlagener Holzplatte montiert. In mit weißem Samt ausgekleidetem Holzobjektkasten.
Verso signiert und zweifach datiert. Ca. 24,5 x 19,5 cm (9,6 x 7,6 in). Objektkasten: 60 x 65 x 24,5 cm (23,6 x 25,5 x 9,6 in).

• Aus dem kleinen Œuvre des früh verstorbenen Künstlers.
• Charakteristisches Werk, das Manzonis radikalen Ausschluss der Farbe aus seiner Kunst bezeugt.
• Ein vergleichbares "Achrome" aus Nylonfaser von 1962 befindet sich im Museum of Modern Art, New York
.

Mit einer Expertise des Archivio Piero Manzoni, Mailand, von 2015. Das Werk ist dort unter der Nummer 1375A/15 verzeichnet.

PROVENIENZ: Galerie Schurr, Stuttgart.
Galerie Hans-Jürgen Müller, Stuttgart.
Achenbach Art Consulting, Düsseldorf.

AUSSTELLUNG: Zero, Galerie Schurr, Stuttgart, 18.5.- Ende Juli 1979.

Aufrufzeit: 10.12.2021 - ca. 18.42 h +/- 20 Min.

Das vorliegende Werk ist ein faszinierendes Beispiel für die berühmte "Achrome"-Serie und beleuchtet Piero Manzonis radikalen künstlerischen Beitrag zur Nachkriegszeit. Piero Manzoni beginnt mit seinen "Achromes" ca. 1957/58, monochrome Bildwerke, die von der Farbe befreit sind und die er bis zu seinem frühen Tod weiter entwickelt. Zu seinem Ziel wird es, eine vollständig weiße Fläche zu schaffen, die in keiner Weise auf irgendein malerisches Phänomen oder Element hinweist, das außerhalb der Beschaffenheit der Fläche liegt. Er verarbeitet nassen Gips und Kaolin auf weißen Leinwänden, so dass durch den Trocknungsprozess ohne Einfluss des Künstlers Wellen, Knicke und Unregelmäßigkeiten entstehen. Für seine bahnbrechende Erforschung der monochromen Fläche aus reinem Weiß nutzt er zur Erschaffung der stark strukturierten Oberflächen eine Vielzahl unkonventioneller Medien: Kunstfaser, Kaolin, Stroh, Styropor, Bettrollen, Kaninchenfell, Kies und sogar menschliche Exkremente, um nur einige zu nennen. In einer Zeit, in der der abstrakte Expressionismus und das Informel vorherrschen, versucht Manzoni, die gemalte Oberfläche von der Hand des Künstlers zu lösen und stattdessen eine Bildsprache zu entwickeln, die dem Zeitgeist der Nachkriegsgeneration entspricht und die Regeln des künstlerischen Ausdrucks neu definiert. Zusammen mit Lucio Fontana und Alberto Burri versucht Manzoni, sich von den Konventionen der Vergangenheit zu befreien: "Ich kann jene Maler nicht verstehen, die zwar behaupten, sich für moderne Probleme zu interessieren, sich aber auch jetzt noch vor die Leinwand stellen, als wäre sie eine Fläche, die mit Farben und Formen gefüllt werden muss, ganz nach dem mehr oder weniger löblichen Geschmack, mehr oder weniger im Einklang", beklagt Manzoni, "Und warum sollten wir dieses Gefäß nicht leeren?" (P. Manzoni, zit. nach: G. Celant, In the Territory of Piero Manzoni, in: G. Celant (Hrsg.), Piero Manzoni, Ausst.-Kat. Neapel, 2007, S. 30). Manzoni fordert dazu auf, sich bei der Interpretation seiner Werke auf die physische Materie zu konzentrieren, aus der sie hergestellt wurden. In diesem Werk, das zu einer Serie gehört, die Manzoni aus weißer Glasfaserwolle schuf, modellierte der Künstler die Oberfläche des Werks zu haarähnlichen Büscheln und Locken. Das Werk lebt allein von der Präsenz des Rohmaterials als selbstbestimmte reine Signifikanz, die die "a-chromatische" Bedeutung des Werks hervorhebt. 1959 gründet Manzoni zusammen mit Enrico Castellani in Mailand die Galleria Azimut und gibt mit ihm die gleichnamige Zeitschrift heraus. Er wird zu einem wichtigen internationalen Bindeglied der "ZERO"-Bewegung. Genau wie Manzoni suchen die deutschen "ZERO"-Künstler nach radikalen neuen Ausdrucksformen. Ihre Arbeiten sind sehr verschieden, gemeinsam ist ihnen das Anliegen zur Überwindung des Tachismus. "ZERO" stellte den statischen Ansatz der traditionellen Kunst in Frage, die in Leinwand und Rahmen gefangen war. Die Künstler erweiterten den Kunstbegriff, experimentieren mit unorthodoxen Materialien und entwickeln sich schnell zur größten internationalen Künstlerbewegung der Nachkriegszeit. [SM]



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsabgabe zu Piero Manzoni "Achrome"
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Auf die Summe von Zuschlag und Aufgeld wird die gesetzliche Umsatzsteuer, derzeit 19 %, erhoben. Als Ausnahme hiervon wird bei gedruckten Büchern der ermäßigte Umsatzsteuersatz von derzeit 7 % hinzugerechnet.

Berechnung der Folgerechtsabgabe:
Für Originalkunstwerke und Fotographien wird zur Abgeltung des gemäß §26 UrhG anfallenden Folgerechts eine Umlage i.H. von 2% zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer erhoben.