Auktion: 533 / Modern Art Day Sale und Sammlung Hermann Gerlinger am 10.12.2022 in München Lot 448

 

448
Cuno Amiet
Stillleben mit Äpfeln, 1906.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 30.000 - 40.000
+
Stillleben mit Äpfeln. 1906.
Öl auf Leinwand.
Müller/Radlach 1906. 28. Links unten monogrammiert und rechts unten datiert. Auf dem Keilrahmen nochmals signiert, schwer leserlich betitelt und bezeichnet "Kreide, Ei, Leimwasser, 1 Mal". 62 x 41 cm (24,4 x 16,1 in).

• Im Entstehungsjahr 1906 wird Cuno Amiet aktives "Brücke"-Mitglied.
• Kraftvolles Stillleben von ätherischer Flüchtigkeit und geerdeter Schwere.
• Aus der Sammlung Oscar Miller, einer der wichtigsten Sammler schweizerischer Kunst.
• Cuno Amiet gehört zu den bedeutendsten schweizerischen Künstlern der Moderne.
• Eines der wenigen erhaltenen Gemälde aus dieser Entstehungszeit – beim Brand im Münchner Glaspalast 1931 wurde ein Großteil seines Werkes zerstört
.

PROVENIENZ: Sammlung Oscar Miller und Else Miller-Sieber, Biberist (März 1917- September 1919).
Gustav und Corry Sieber, Küsnacht (am 10.9.1919 von den Vorgenannten als Abschiedsgeschenk erhalten, verso mit der handschriftlichen Widmung, wohl in Familienbesitz bis 1981).
Privatsammlung Basel (seit 1981: Galerie Kornfeld, Bern).
Galerie Schloss Greifenstein, Staad bei Rorschach.
Sammlung Hermann Gerlinger, Würzburg (mit dem Sammlerstempel Lugt 6032, 1988 vom Vorgenannten erworben).

AUSSTELLUNG: wohl Kunst-Verein St. Gallen. Ausstellung im Vorsaal und im roten Saal des Kunst-Museums, Kunstmuseum St. Gallen, 4.4.-12.5.1907, entweder Nr. 1, 5, 6, 7 oder 8.
wohl VI. Serie, Künstlerhaus Zürich, 30.6.-18.7.1907, Nr. 22 oder 24.
wohl Kunstausstellung. Gemälde von Cuno Amiet, Max Buri, Hans Emmenegger, Giovanni Giacometti, Ferdinand Hodler, Sigismund Righini, Aargauischen Kunstverein, 10.-31.5.1908, Nr. 5 und 10.
wohl Januar-Ausstellung, Kunsthaus Zürich, 8.1.-1.2.1914, Nr. 22 (Weisse Blumen).
Cuno Amiet, Kunsthalle Bern, 13.4.-18.5.1919, Nr. 129.
Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, Schloss Gottorf, Schleswig (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 1995-2001).
Kunstmuseum Moritzburg, Halle an der Saale (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 2001-2017).
Buchheim Museum, Bernried (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 2017-2022).

LITERATUR: Cuno Amiet, Katalogisierte Bilder [handschriftliches Werkverzeichnis mit Nachzeichnungen der aufgeführten Werke in Tusche und Farbstift sowie Angaben zu Ausstellungen].
Galerie Kornfeld, 175 ausgewählte Kunstwerke des 19. und 20. Jahrhunderts, Auktion 175, Bern, 26.6.1981, Los 65 (m. Abb.).
Heinz Spielmann (Hrsg.), Die Maler der Brücke, Sammlung Hermann Gerlinger, Stuttgart 1995, S. 250, SHG-Nr. 357.
wohl Paul Müller, Oscar Miller. Sammler und Wegbereiter der Moderne, in: Solothurn 1998, S. 13-45.
George Mauner, Cuno Amiet. Die Obsternten von 1912, Zürich 2002, S. 86 (mit SW-Abb. B 33).
Hermann Gerlinger, Katja Schneider (Hrsg.), Die Maler der Brücke, Bestandskatalog Sammlung Hermann Gerlinger, Halle (Saale) 2005, S. 406, SHG-Nr. 881.
Karoline Beltinger, Maltechnische Untersuchungen zu den Gemälden von Cuno Amiet, 1883-1914, Zürich 2015, S. 28, 32f.

„O. Miller ist einer der entschiedensten Sammler schweizerischer Kunst, und außerdem ein geistvoller Ästhetiker. […] So imponiert denn auch seine Sammlung heute durch die feurige Pracht der vielen Amiet […]. Auch so ist die Sammlung ein Vorbild für die Schweiz nicht nur, sondern in die Weite der Welt hinaus.“
zit. nach Der Kunstwanderer: Zeitschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen 2.1920/21, S. 366.

Aufrufzeit: 10.12.2022 - ca. 17.34 h +/- 20 Min.

Cuno Amiet ist bereits 38 Jahre alt, als er einen Brief von einem jungen Künstler namens Erich Heckel erhält. Amiet hat es als Künstler bereits zu einem gewissen Ruhm geschafft, bespielt internationale Ausstellungen und gilt als renommierter Künstler der Avantgarde. Er ist eine halbe Generation älter als die Mitglieder der "Brücke" und eher ein großbürgerlicher Herr, der gediegen auf dem Lande auf der Oschwand bei Bern lebt. Heckel hingegen gehört zu der Gruppe von jungen Stürmern und Drängern, die die moderne Kunst nachhaltig verändern wollen. Die jungen Maler aus Deutschland empfinden die Botschaft in Amiets Werken ihrem eigenen Schaffen verwandt. Mit anerkennenden Worten fordert Erich Heckel ihn im September des Jahres 1906 auf, sich der kurz zuvor gegründeten Künstlergruppe anzuschließen: "Mit Bewunderung und Begeisterung haben wir Ihre Werke gesehen, und wir erlauben uns, Sie zu fragen ob Sie unserer Gruppe 'Brücke' beitreten wollen. Einstimmig haben wir in Ihnen einen der 'Unsern' erkannt und hoffen, dass Sie unsere Sache als Bestrebung nach gleichen künstlerischen Zielen unterstützen werden". Aufmerksam sind sie auf ihn geworden durch die Ausstellung in der Galerie Richter in Dresden 1905. Spontan folgt Cuno Amiet der Einladung und tritt der jungen Künstlergruppe "Brücke" bei, dessen Mitglied er bis zur Auflösung im Jahr 1913 bleibt. Er sucht den künstlerischen Austausch; 1892/93 hatte Amiet ein Jahr in der Künstlerkolonie Pont-Aven verbracht und in der Malerei Gauguins, van Goghs und Seurats entscheidende Impulse gefunden. Vermutlich macht ihn auch diese Erfahrung für die "Brücke"-Gemeinschaft besonders interessant.
1906 nimmt Cuno Amiet gleich an der ersten Ausstellung im Mustersaal der Dresdener Lampenfabrik Seifert mit drei Gemälden und Holzschnitten teil. Neben seinen künstlerischen Beiträgen wird Amiet auch aktiv bei der Vermarktung der Künstlergruppe. Er wirbt zahlreiche passive Mitglieder in der Schweiz, darunter Oscar Miller, der Erstbesitzer von "Stillleben mit Äpfeln". Oscar Miller ist ein wichtiger Förderer der schweizerischen Kunst, setzt sich aber auch bereits 1907 in Presseberichten für die Kunst der "Brücke" ein. Amiet versucht ebenfalls die "Brücke" international bekannter zu machen, er kann erfolgreich eine Ausstellung der Künstlergruppe in der Schweiz organisieren, seine Bemühungen in Paris scheitern jedoch.
"Stillleben mit Äpfeln" aus dem Jahr 1906 macht die Faszination der deutschen Expressionisten für Amiet auf eindrückliche Weise verständlich: Der Schweizer führt ab 1905 ausdrucksstarke Linien ein, zu welchen ihn die Zeit in Pont-Aven inspiriert hat. Diese kräftigen Linien konzentrieren sich auf den unteren Bildbereich und bilden einen spannungsvollen Kontrast zu dem duftig leichten oberen Bildraum. Verstärkt wird dieses Gegenüber mit dem Spiel von zarten Pastellfarben und kräftig leuchtenden Farbtönen. Amiet ist einer der ersten Maler im deutsprachigen Raum, der die Farbe von den abgebildeten Gegenständen löst und sie ihre eigene Schönheit entfalten lässt. So setzt er kühn helltürkise Konturen um die zarten zitronengelben Blüten, um die Blumen in der Vase zu modellieren. Cuno Amiet gehört neben Ferdinand Hodler und Alberto Giacometti zu den wichtigsten schweizerischen Künstlern der Moderne. [SM]



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung zu Cuno Amiet "Stillleben mit Äpfeln"
Dieses Objekt wird regel- oder differenzbesteuert angeboten, Folgerechtsvergütung fällt an.

Berechnung bei Differenzbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 32 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 27 % berechnet und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

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Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 25 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 20 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf die Summe von Zuschlag und Aufgeld wird die gesetzliche Umsatzsteuer, derzeit 19 %, erhoben. Als Ausnahme hiervon wird bei gedruckten Büchern der ermäßigte Umsatzsteuersatz von derzeit 7 % hinzugerechnet.

Wir bitten um schriftliche Mitteilung vor Rechnungsstellung, sollten Sie Regelbesteuerung wünschen.

Berechnung der Folgerechtsvergütung:
Für Werke lebender Künstler oder von Künstlern, die vor weniger als 70 Jahren verstorben sind, fällt gemäß § 26 UrhG eine Folgerechtsvergütung in folgender Höhe an:
4% des Zuschlags ab 400,00 Euro bis zu 50.000 Euro,
weitere 3 % Prozent für den Teil des Zuschlags von 50.000,01 bis 200.000 Euro,
weitere 1 % für den Teil des Zuschlags von 200.000,01 bis 350.000 Euro,
weitere 0,5 Prozent für den Teil des Zuschlags von 350.000,01 bis 500.000 Euro und
weitere 0,25 Prozent für den Teil Zuschlags über 500.000 Euro.
Der Gesamtbetrag der Folgerechtsvergütung aus einer Weiterveräußerung beträgt höchstens 12.500 Euro.

Die Folgerechtsvergütung ist umsatzsteuerfrei.