Auktion: 533 / Modern Art Day Sale und Sammlung Hermann Gerlinger am 10.12.2022 in München Lot 486

 

486
Hermann Max Pechstein
Zwei Mädchen am Tisch, 1910.
Aquarell über schwarzer Kreide
Schätzpreis: € 30.000 - 40.000
+
Zwei Mädchen am Tisch. 1910.
Aquarell über schwarzer Kreide.
Rechts unten monogrammiert und datiert. Auf bräunlichem Velin. 33,2 x 43,3 cm (13 x 17 in), blattgroß.
Verso mit einer kleinen fragmentarischen Aktskizze.
• Zeugnis der intensiven künstlerischen, sich gegenseitig befruchtenden Zusammenarbeit der "Brücke"-Künstler in den so gesuchten Dresdener Schaffensjahren.
• Fränzi (Lina Franziska Fehrmann) ist eines der beliebtesten Modelle der "Brücke"-Künstler.
• Das Motiv des Mädchens auf dem grünen Sofa findet sich u. a. auch in Pechsteins Gemälde "Das grüne Sofa" (Museum Ludwig, Köln) und in Kirchners Werk "Artistin (Marzella)" (Brücke-Museum, Berlin) aus demselben Jahr wieder
.

PROVENIENZ: Sammlung Hermann Gerlinger, Würzburg (mit dem Sammlerstempel Lugt 6032).

AUSSTELLUNG: Das Aquarell der Brücke. Ein Beitrag zur Geschichte der Künstlergruppe Brücke, Brücke-Museum, Berlin, 5.9.-16.11.1975, Kat.-Nr. 99 (m. d. Titel "Dame und Mädchen am Tisch").
Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum Schloss Gottorf, Schleswig (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 1995-2001).
Frauen in Kunst und Leben der "Brücke", Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, Schloss Gottorf, Schleswig, 10.9.-5.11.2000, Kat.-Nr. 54 (m. Abb., S. 136).
Kunstmuseum Moritzburg, Halle an der Saale (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 2001-2017).
Die Brücke in Dresden 1905-1911, Dresdener Schloss, Galerie Neue Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, 20.10.2001-6.1.2002, Kat.-Nr. 253 (m. Abb.).
Expressiv! Die Künstler der Sammlung Hermann Gerlinger, Albertina Wien, 1.6.-26.8.2007, Kat.-Nr. 222, S. 336f. (m. Farbabb).
Der Blick auf Fränzi und Marcella. Zwei Modelle der Brücke-Künstler Heckel, Kirchner und Pechstein, Sprengelmuseum Hannover, 29.8.2010-9.1.2011; Stiftung Moritzburg, Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt, Halle (Saale), 6.2.-1.5.2011, Kat.-Nr. 87, S. 134 (m. Farbabb., S. 77).
Buchheim Museum, Bernried (Dauerleihgabe aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 2017-2022).
Brückenschlag: Gerlinger – Buchheim!, Buchheim Museum, Bernried, 28.10.2017-25.2.2018, S. 144f. (m. Abb., S. 145).

LITERATUR: F. A. C. Prestel, Frankfurt a. Main, 95. Auktion, Teil II., Handzeichnungen und Graphik des 19. und 20. Jahrhunderts, 18.10.1928, Los 1224 (m. d. Titel "Das grüne Sofa“, verso mit der entsprechenden Bezeichnung).
Heinz Spielmann (Hrsg.), Die Maler der Brücke. Sammlung Hermann Gerlinger, Stuttgart 1995, S. 246f., SHG-Nr. 353 (m. Abb.).
Hermann Gerlinger, Katja Schneider (Hrsg.), Die Maler der Brücke. Bestandskatalog Sammlung Hermann Gerlinger, Halle (Saale) 2005, S. 394, SHG-Nr. 864 (m. Abb., S. 395).

Aufrufzeit: 10.12.2022 - ca. 18.24 h +/- 20 Min.

Nach einem längeren Paris-Aufenthalt zieht Hermann Max Pechstein 1908 als erster der "Brücke"-Künstler in die lebhafte, aufregende Großstadt Berlin und ist noch im selben Jahr mit drei Werken an der Ausstellung der Berliner Secession vertreten. Fortan lebt und arbeitet er in seinem Atelier am Kurfürstendamm, ganz in der Nähe zahlreicher Tanzlokale, Nachtklubs und Varietés, später in der Durlacher Straße in Berlin-Friedenau. Regelmäßig kehrt Pechstein zu seinen Künstlerkollegen nach Dresden zurück oder empfängt sie zu Besuch in Berlin. 1909 und 1910 arbeitet Pechstein in den Sommermonaten mit Kirchner und Heckel in Dresden und an den Moritzburger Teichen. In ebendieser Zeit ist "Fränzi", Franziska Fehrmann, ein junges Mädchen aus Dresden, das bevorzugte Modell der "Brücke"-Künstler, das Pechstein Jahre später rückblickend auch in seinen "Erinnerungen" erwähnt (vgl. Leopold Reidemeister (Hrsg.), Max Pechstein, Erinnerungen, Wiesbaden 1960, S. 42). In bedeutenden Druckgrafiken, Zeichnungen, Aquarellen und Gemälden im Œuvre Heckels, Kirchners und auch Pechsteins ist sie eindeutig wiederzuerkennen und auch ihre Freundin Marzella ist bei den "Brücke"-Künstlern gern gesehener Gast. Im Entstehungsjahr der hier angebotenen aquarellierten Zeichnung schafft Pechstein u. a. auch das Gemälde "Das grüne Sofa" (Museum Ludwig, Köln), in dem ein Mädchen mit gestreifter Kleidung und auffälliger Schleife im Haar auf einem grünen Sofa lagert, während Kirchner das motivisch sehr eng verwandte Gemälde "Artistin (Marzella)" (Brücke-Museum, Berlin) fertigstellt. Auch wenn sich nicht mit absoluter Sicherheit sagen lässt, dass auch unsere Zeichnung Fränzi und Marzella zeigt, so ist dies aufgrund der zeitlichen Parallelen und motivischen Ähnlichkeiten doch höchst wahrscheinlich. [CH]



 

Aufgeld, Steuern und Folgerechtsvergütung zu Hermann Max Pechstein "Zwei Mädchen am Tisch"
Dieses Objekt wird regel- oder differenzbesteuert angeboten, Folgerechtsvergütung fällt an.

Berechnung bei Differenzbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 32 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 27 % berechnet und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Das Aufgeld enthält die Umsatzsteuer, diese wird jedoch nicht ausgewiesen.

Berechnung bei Regelbesteuerung:
Zuschlagspreis bis 500.000 Euro: hieraus Aufgeld 25 %.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 20 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf den Teil des Zuschlagspreises, der 2.500.000 Euro übersteigt, wird ein Aufgeld von 15 % erhoben und zu dem Aufgeld, das bis zu dem Teil des Zuschlagspreises bis 2.500.000 Euro anfällt, hinzuaddiert.
Auf die Summe von Zuschlag und Aufgeld wird die gesetzliche Umsatzsteuer, derzeit 19 %, erhoben. Als Ausnahme hiervon wird bei gedruckten Büchern der ermäßigte Umsatzsteuersatz von derzeit 7 % hinzugerechnet.

Wir bitten um schriftliche Mitteilung vor Rechnungsstellung, sollten Sie Regelbesteuerung wünschen.

Berechnung der Folgerechtsvergütung:
Für Werke lebender Künstler oder von Künstlern, die vor weniger als 70 Jahren verstorben sind, fällt gemäß § 26 UrhG eine Folgerechtsvergütung in folgender Höhe an:
4% des Zuschlags ab 400,00 Euro bis zu 50.000 Euro,
weitere 3 % Prozent für den Teil des Zuschlags von 50.000,01 bis 200.000 Euro,
weitere 1 % für den Teil des Zuschlags von 200.000,01 bis 350.000 Euro,
weitere 0,5 Prozent für den Teil des Zuschlags von 350.000,01 bis 500.000 Euro und
weitere 0,25 Prozent für den Teil Zuschlags über 500.000 Euro.
Der Gesamtbetrag der Folgerechtsvergütung aus einer Weiterveräußerung beträgt höchstens 12.500 Euro.

Die Folgerechtsvergütung ist umsatzsteuerfrei.